Bauernbund | 02.03.2015

Landwirtschaft schafft die Lebensgrundlage

Die Landwirtschaft produziert Lebensmittel, erhält die Kulturlandschaft und ist ein wesentlicher Teil des sozialen Lebens, kurz: Die Landwirtschaft ist für die Lebensgrundlage der Menschen verantwortlich. Darauf wies der österreichische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter auf der 68. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes hin. Die Bedeutung der Landwirtschaft müsse wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, forderte auch Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Drei Bergbauernfamilien, die Familien Andreas Huber, Peter Gruber und Markus Hauser, haben bei der Landesversammlung den Bergbauernpreis 2015 erhalten.

Drei Bergbauernfamilien, die Familien Andreas Huber, Peter Gruber und Markus Hauser, haben bei der Landesversammlung den Bergbauernpreis 2015 erhalten.

Mit knapp 54.000 familieneigenen Beschäftigten und etwa 30.000 weiteren Arbeitskräften ist die Landwirtschaft ein wichtiger wirtschaftlicher Sektor, der etwa zehn Prozent der Arbeitsplätze in Südtirol schafft und für eine Wertschöpfung von 700 Millionen Euro verantwortlich ist. „Wesentlich wichtiger als solche Zahlen sind aber die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft: Die Produktion von Qualitäts-Lebensmittel und die Pflege der Kulturlandschaft“, erklärte Obmann Tiefenthaler. Er wünschte sich, dass die Gesellschaft diese Leistungen noch mehr anerkennen würde. Die Landwirtschaft sei ein ganz besonderer Wirtschaftssektor, der anderen Spielregeln und anderen Märkten folgen würde. „Die besondere Rolle der Landwirtschaft muss anerkannt werden“, forderte deshalb auch SBB-Direktor Siegfried Rinner.

Bauern sind Basis für Tourismusland Tirol
Minister Andrä Rupprechter hob vor allem die Pflege der Kulturlandschaft hervor. „Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren, die Landwirtschaft ist die Grundlage dafür. Mit knapp 80 Millionen Nächtigungen sind Nord- und Südtirol die beliebteste Region in den Alpen. Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist auch den vielen Bauern zu verdanken, die die Landschaft gestalten.“

Erwartungen der Gesellschaft oft unrealistisch
Dennoch werden die Landwirtschaft und besonders die landwirtschaftliche Produktion immer wieder kritisiert. „Besonders der Pflanzenschutz, Almerschließungen, die Almbewirtschaftung usw. standen im letzten Jahr in der Kritik. Und das, obwohl wir in puncto Qualität und Nachhaltigkeit in Europa ganz vorne stehen“, sagte Tiefenthaler. Vielfach hätten Menschen ein Bild von der Landwirtschaft und eine Erwartungshaltung, die mit der Realität nichts zu tun hat. „Wir brauchen keine Lehrmeister, die uns sagen, wie wir unsere Tiere und Pflanzen zu pflegen haben“, stellte Rupprechter klar. Die Landwirtschaft brauche Produktionsmittel, wie z. B. Pflanzenschutzmittel. Die Diskussion über den Einsatz müsse daher sachlich geführt werden.


Hier gibt es die Sendung „Land & Leben“ des RAI Südtirol zum Nachhören:

 

RAI Land und Leben – 1.3.2015 by Südtiroler Landwirt on Mixcloud

 


Bauernbund will Kommunikation stärken

Zukünftig möchte der SBB mit der Gesellschaft stärker in Dialog treten und die Landwirtschaft wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken – mit verschiedenen Initiativen und einer Basiskommunikation.
Wichtig ist dem SBB auch der Erhalt des ländlichen Raumes. Dazu wurde im letzten Jahr, zusammen mit der Landespolitik und den Wirtschaftsverbänden, die Plattform Land gegründet. Sie soll Maßnahmen entwickeln, um den ländlichen Raum attraktiv zu halten. Ähnliche Anstrengungen für den ländlichen Raum gibt es auch in Österreich. Die ländliche Bevölkerung muss den gleichen Zugang zu Infrastrukturen haben wie die Menschen in der Stadt. Das ist eine Frage der Fairness“, so Rupprechter.
Landeshauptmann Arno Kompatscher stellte in seinen Grußworten das Verhältnis der neuen Landesregierung zur Landwirtschaft klar: „Luis Durnwalder war 25 Jahre lang ein Garant für die Landwirtschaft. Aber auch die neue Landesregierung – und ich ziehe da mit Landesrat Arnold Schuler an einem Strang – weiß um den Wert der Landwirtschaft für Südtirol.“

Lebensmittel sind Markenzeichen für Südtirol
Ihr „Hauptprodukt“, die Lebensmittel, haben höchste Qualität. „Das ist ein Markenzeichen für Südtirol“, sagte Kompatscher. Aber auch das „Nebenprodukt“, die Kulturlandschaft verdiene Anerkennung: „Viele in unserem Land kritisieren die Förderung der Bauern. Sie haben nicht verstanden, dass dies eine Entlohnung ihrer Zusatzleistungen ist.“ Ein klares Bekenntnis zum Obstbau gab der Landeshauptmann angesichts der Pflanzenschutz-Abdrift-Problematik: „Die Gesundheit der Bevölkerung steht an erster Stelle. Aber wir dürfen die Obstwirtschaft nicht so einschränken, dass sie nicht mehr arbeiten kann!“ Natürlich müsse sich auch die Obstwirtschaft weiter entwickeln. „Daran werden wir, die Politik, gemeinsam mit der Obstwirtschaft weiter arbeiten.“ Kompatscher sprach sich auch für einen starken ländlichen Raum aus.
Der Nordtiroler Bauernbund-Obmann und Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler versprach, weiterhin die Gesamttiroler Anliegen weiter unterstützen: „Sie sind mir ein Herzensanliegen.“ Ein konkretes Beispiel biete sich schon in zwei Wochen: Da organisieren die beiden EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann und Elisabeth Köstinger eine Tagung zum Auslaufen des EU-Milchquotensystems. „Wir werden dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan erklären, dass die EU hier mehr auf die Folgen für die Berggebiete achten muss“, sagte Geisler.

Bergbauernpreis, Stiftungspreis und Ehrenzeichen in Gold
Feierlicher Höhepunkt war die Verleihung des Bergbauernpreises an die Familien Andreas und Manuela Huber, Jennewein, Pfunders/Vintl, Peter und Heidi Gruber, Oberratschill, St. Martin im Kofel/Latsch und Helene und Markus Tumler Hauser, Marchegghof, Schnals. „Sie alle bewirtschaften ihre Höfe mustergültig, pflegen dabei die Kulturlandschaft und engagieren sich ehrenamtlich“, fasste Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler zusammen. Gesponsert wurde der traditionelle Bergbauernpreis von den Raiffeisenkassen Südtirols.
Mustergültig hat die Familie Gerd Platzer ihren Bauernhof, den Riescherhof in Morter/Latsch, saniert. Dafür hat sie den Stiftungsbeitrag der „Dr. Viktoria Schulz Steinkeller“-Stiftung erhalten.
Dem ehemaligen Bauernbund-Obmann und Landwirtschaftslandesrat von Tirol, Toni Steixner, hat der Südtiroler Bauernbund das Ehrenzeichen in Gold verliehen. Senator Hans Berger, der als ehemaliger Amtskollege die Laudatio hielt, hob vor allem den Gesamttiroler Gedanken sowie die Verdienste Steixners auf europäischer Bühne hervor.

Noch viel mehr Eindrücke von der Landesversammlung gibt es in dieser Facebook-Bildergalerie.