Bauernbund | 16.03.2015

Klare Wünsche von Pusterer Bauern

Von den Tarifen für Kleinkläranlagen bis zur Absicherung nach dem Milchquoten-Aus: Die Pustertaler Bauern erwarten sich von der Politik konkrete Lösungen in kleinen und großen Fragen. Dies zeigte der Große Bäuerliche Informationstag am Samstag, 14. März in Bruneck. von Guido Steinegger

Standen den Bauern Rede und Antwort: (v.l.) Hans Berger, Albert Wurzer, Herbert Dorfmann, Maria Kuenzer, Sepp Noggler, Arnold Schuler, Leo Tiefenthaler, Siegfried Rinner und Anton Tschurtschenthaler.

Standen den Bauern Rede und Antwort: (v.l.) Hans Berger, Albert Wurzer, Herbert Dorfmann, Maria Kuenzer, Sepp Noggler, Arnold Schuler, Leo Tiefenthaler, Siegfried Rinner und Anton Tschurtschenthaler.

Einmal im Jahr können die Pustertaler Bauern mit ihrer Verbandsspitze und den bäuerlichen Politikern Klartext reden: Beim „Großen Bäuerlichen Informationstag“ im Michael-Pacher-Haus in Bruneck. Auch heuer stellte sich die Bauernbund-Spitze sowie EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Senator Hans Berger, Landesrat Arnold Schuler sowie die Landtagsabgeordneten Maria Kuenzer, Albert Wurzert und Sepp Noggler den Fragen.

Bauernbund-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler brachte es auf den Punkt: „Landesrat Schuler und die gesamte Politik müssen alles tun, damit die Berglandwirtschaft weiter eine Zukunft hat. Sonst haben wir in einigen Jahrzehnten eine gleich verlassene Berglandschaft wie hinter der Landesgrenze Richtung Cortina.“ Tschurtschenthaler nahm auch die eigenen Reihen in die Pflicht: „Wir erhalten unsere Höfe als Leihe von unseren Eltern und müssen ihn an unsere Nachfahren gleich gut oder besser weitergeben.“ Es gelte aber auch, der Gesellschaft zu erklären, „dass wir von unserem Hof nicht abbeißen können, sondern davon leben, also wirtschaften müssen.“

Vielfach kleine Sorgen
Vielfach erwarten sich die Bauern Lösungen zu kleinen, alltäglichen Sorgen. So werden sie seit vergangenem Jahr bei der Entsorgung von Kleinkläranlagen übermäßig zur Kasse gebeten. Mehrere Bauern forderten einen Tarif, der der tatsächlichen Menge und Häufigkeit der Entleerungen entspricht. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner nährte die Hoffnung auf eine baldige Lösung: „Der Gemeindenverband hat vor einigen Tagen einen Beschluss gefasst, der unseren Vorschlägen entspricht. Jetzt ist die Landesregierung am Zug.“

Kritik kam an der neuen Untergrenze von zwei Hektar bei der Förderung in der Grünlandwirtschaft. Ein Bauer sagte dazu: „Auch Nebenerwerbsbauern mit nur einem Hektar sind mit Leib und Seele Bauern. Sie werden dafür bestraft, dass sie zweimal arbeiten, um einmal zu leben.“ Die Pustertaler Bauern wünschen auch Landes- und Gemeindebeamte überall mit gleichem Augenmaß vorgehen. Für ungerecht halten sie auch die gesetzliche Ungleichbehandlung in Naturparks, zum Beispiel bei der Errichtung von Almgebäuden. 

Einig bei Gemeinderatswahlen
Zur Einigkeit bei den Gemeinderatswahlen riefen der Bezirksobmann Tschurtschenthaler und Landesobmann Leo Tiefenthaler auf. Tiefenthaler erinnerte an das Gründungsstatut des Bauernbundes 1904: „Schon damals verstanden die Bauern, dass sie eine politische Vertretung auf allen Ebenen brauchen. Die Gemeinden sind den Bürgern am nächsten. Wir brauchen in den Gemeinderäten und -ausschüssen Leute, die über die bäuerliche Welt bescheid wissen.“ Er forderte die Ortsbauernräte auf, gemeinsam mit Bäuerinnen, Bauernjugend und bäuerlichen Senioren verlässliche Kandidaten aufzustellen, massiv zu unterstützen und letztlich geschlossen zu wählen. In dieselbe Kerbe schlug Tschurtschenthaler: „Wir können uns nur selbst schlagen: Indem wir unsere Kandidaten nicht wählen.“

Milchquoten-Aus: Keine Panik, aber Vorsicht
Nicht zu Panik, aber zu gesunder Vorsicht riet EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann angesichts des bevorstehenden Endes des EU-Milchquotensystems: „Die Veränderung wird nicht von heute auf morgen kommen“, sagte Dorfmann voraus, „aber wir müssen damit rechnen, dass die EU in den nächsten Jahren sechs bis acht Prozent mehr Milch produziert.“ Diesen Trend hat es schon bisher gegeben, vergleichbar mit anderen großen Milchproduzenten in der Welt. Derzeit produzieren die Milchbauern in der EU jährlich 150 Mio. Tonnen Milch. „Die EU verbraucht zwar 90 Prozent selbst“, rechnete Dorfmann vor, „aber mit den restlichen 15 Mio. Tonnen müssen wir uns am Weltmarkt behaupten.“ Zum Vergleich: Neuseeland produziert nur 22 Mio. Tonnen, davon aber die Hälfte für den Export. Das Problem: Die Nachfrage innerhalb der EU werde nicht steigen. „Jeden Liter Milch mehr, den wir in der EU produzieren, müssen wir außerhalb der EU absetzen. Das könnte auf den Preis drücken“, schlussfolgerte Dorfmann. Wenn das passiert, braucht es eine Absicherung der Berglandwirtschaft. Denn die hat kaum Alternativen zur Milchproduktion. Daher hat Dorfmann vergangene Woche zusammen mit Vertretern des gesamten Alpenraums dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan einen Forderungskatalog übergeben. „Wir wollen einen Ausgleich, weil die Bergbauern höhere Kosten haben, gleichzeitig die Landschaft pflegen und zur Freizeitnutzung zur Verfügung stellen.“ Daher soll die EU die Vermarktung veredelter Produkte mit Markennamen oder mit dem geschützten Begriff „Produkt vom Berg“ stärker fördern. Dies könnte über Operationelle Programme geschehen, wie man sie von den Obstgenossenschaften her kennt.

Schuler: Tierarzt-Wahl geregelt, Bewässerungsförderung noch nicht
Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler stellte ausführlich die neue Ausrichtung der Förderungspolitik vor. Nach dem Förderstopp im Vorjahr seien die Rückstände abgebaut und fast alle Förderungen wieder zugänglich. Nur die Förderung für Urlaub auf dem Bauernhof und für Bewässerungsanlagen sei noch zu überarbeiten. Bei der Bewässerung müssen sich die Bauern laut Schuler noch länger gedulden: „Die EU will, dass man eine Wasserersparnis nachweist. Das ist bei bestehenden Anlagen meist möglich.“ Aber vor allem die Berglandwirtschaft braucht vielfach neue Anlagen. „Dort wollen wir ja mehr Wasser auf den Wiesen, um mehr Futter zu haben“, schilderte Schuler die verzwickte Lage. Sein Ressort wird nun ein provisorisches Förderprogramm zur Vor-Besprechung nach Brüssel schicken. „Wir hoffen, dass die EU möglichst wenig davon streicht.“ Erst dann geht der offizielle Vorschlag nach Brüssel.

Schuler verkündete auch: „Die neu organisierte, freie Tierarztwahl dürfte im September starten.“ Zum neu eingerichteten Runden Tisch zum Natur- und Landschaftsschutz sagte der Landesrat: „Es sind alle eingebunden: Bauern und Naturschützer, aber auch alle betroffenen Landesämter. Wir hoffen, zu vernünftigen Kompromissen zu kommen, an die sich alle halten.“ Schuler will die Forschung für die Berglandwirtschaft voran treiben und warnte die Bauern, Almen voreilig an Nicht-Provinzansässige zu verpachten.

SBB-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler: „Die Politik muss das Möglichste für die Berglandwirtschaft tun!“

Von kleinen Nöten bis großen Sorgen: Die Bäuerinnen und Bauern stellten viele sachlich-kritische Fragen.