Arbeitsberatung | 11.06.2015

Arbeiter für mehrere Betriebe

Seit Kurzem ist es unter bestimmten Umständen möglich, dass landwirtschaftliche Arbeiter für mehrere Landwirtschaftsbetriebe arbeiten. Man spricht dann von gemeinschaftlicher Anstellung. Hier die Details.

Verwandtschaftsgrade im Überblick

Verwandtschaftsgrade im Überblick

Die gemeinschaftliche Anstellung (ital. assunzione congiunta) sieht vor, dass mehrere Landwirtschaftsbetriebe zusammen landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen.
Voraussetzung ist, dass die Betriebe miteinander „verbunden“ sind. Diese Möglichkeit der Anstellung kann unter anderem genutzt werden, wenn die Betriebsinhaber innerhalb des dritten Grades verwandt bzw. verschwägert sind.

Mehrere Klärungen waren noch notwendig
Operativ ist die gemeinschaftliche Anstellung von landwirtschaftlichen Arbeitern seit Mai 2015 möglich.
Obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen bereits seit einiger Zeit bestehen, bedurfte es noch verschiedener durchführender Dekrete und Klärungen, um diese neue Möglichkeit der Anstellung nutzen zu können.

Definition von verwandt bzw. verschwägert
Eine Möglichkeit der Verbindung der Arbeitgeber ist, dass die Betriebsinhaber bis zum dritten Grad verwandt (Nichte/Neffe, Onkel/Tante) bzw. verschwägert sind.
Unter Verschwägerte versteht man die Verwandten des Ehepartners. Unter Verwandte versteht man die Blutsverwandten. Die einzelnen Grade sind in den Grafiken aufgelistet.
Die Ermittlung, ob die Betriebsinhaber im dritten Grad verwandt bzw. verschwägert sind, startet immer vom verpflichteten Betrieb.  

Abkommen zwischen Betrieben
Um die gemeinschaftliche Anstellung anwenden zu können, müssen die Betriebe ein Abkommen abschließen. Darin legen sie fest, welcher Betrieb die Verpflichtungen übernimmt. Dieses Abkommen muss vor Arbeitsbeginn abgeschlossen werden. Anschließend muss es mit sicherem Datum, z.B. per zertifizierter E-Mail PEC an einen repräsentativen Berufsverband geschickt werden. Für Südtirols Landwirtschaft ist das der Südtiroler Bauernbund.
Ein durchführendes Dekret sieht diese Festlegung des verpflichteten Betriebes im Abkommen ausdrücklich vor. Im Abkommen werden aber auch andere Dinge geregelt, zum Beispiel die Aufteilung der Lohnkosten.

Einmalige Verpflichtungen
Bisher musste jeder Betrieb, auf dem die Arbeiter gearbeitet haben, diese auch getrennt melden und einen getrennten Lohnstreifen ausstellen. Bei dieser neuen Form der Anstellung muss das nur mehr jener Betrieb erledigen, der im Abkommen festgelegt wurde.
Dieser ist nun verpflichtet, alle Formalitäten in Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis zu erledigen: Er muss die Arbeiter anmelden, abmelden usw.
Dieser Betrieb muss den Arbeitern auch die Lohnstreifen und das Modell CU ausstellen. Er ist außerdem primär für die korrekte Handhabung des Arbeitsverhältnisses verantwortlich. Dazu zählen das Bestätigen der gearbeiteten Stunden und die Saldoquittung.   

Meldung an Arbeitsministerium
Bei der gemeinschaftlichen Anstellung, erfolgt die Meldung nicht mehr über das Internetportal der Landesverwaltung, ProNotel2, sondern an ein Portal des Arbeitsministeriums. Dabei müssen alle Betriebe angegeben werden. Aufrecht bleibt: Die Meldung muss am Tag vor Arbeitsbeginn erfolgen.

Arbeitssicherheit
Was die Verpflichtungen im Bereich Arbeitssicherheit betrifft, bleiben diese grundsätzlich Aufgabe des jeweiligen Betriebes. Dies gilt sowohl für das Abfassen der Risikobewertung als auch für die nötigen Kurse. Es muss dann jedoch von Fall zu Fall abgeklärt werden, wie die Handhabung in der Praxis erfolgen kann.
Solidarische Haftung
Zwischen den Betrieben, welche die Arbeiter gemeinsam anstellen, besteht solidarische Haftung. Das heißt: Auch wenn die Meldungen, Lohnstreifen usw. nur von einem Betrieb gemacht werden müssen – für die Entlohnung und Bezahlung der Sozialabgaben haften alle Betriebe.

Weitere Verbindung der Arbeitgeber
Neben den Betriebsinhabern, die innerhalb des dritten Grades verwandt bzw. verschwägert sind, kann diese Möglichkeit der Anstellung auch genutzt werden, wenn mehrere Betriebe auf denselben Inhaber zurückzuführen sind bzw. derselben Gruppe von Unternehmen angehören. Möglich ist auch die Bildung eines Unternehmernetzwerkes.