Politik, Bauernbund | 19.06.2015

Milchviehalmen nicht gefährden

Die Arbeitsgemeinschaft „Vinschger Milchviehalmen“ fordert in einer Petition die Wiedereinführung der Zusatz-Alpungsprämie für die Milchviehalpung mit Milchverarbeitung vor Ort. Die Prämie wurden von der EU aus dem neuen ländlichen Entwicklungsplan gestrichen. Der Bezirksbauernrat Vinschgau unterstützt die Petition der Arbeitsgemeinschaft. von Michael Deltedesco

Etwa 3.000 Kühe werden auf Südtiroler Almen gealpt, die gemolkene Milch wird vor Ort weiterverarbeitet. Da diese Form der Alpung sehr kostenintensiv ist, wurde vor Jahren die Zusatz-Alpungsprämie eingeführt. Der Vinschger Bauernbund-Bezirksobmann Raimund Prugger erklärt: „Die Milchviehalpung mit anschließender Milchverarbeitung erfordert sehr viel Personal und Zeit. Ein Teil der Mehrkosten konnte bisher durch die zusätzliche Alpungsprämie abgedeckt werden.“

EU hat geplante Unterstützung gestrichen
Im neuen ländlichen Entwicklungsplan 2015 - 2020 war diese Unterstützung vom Land vorgesehen, von der EU aber gestrichen worden. „Wir unterstützen die Forderung der Arbeitsgruppe, die Prämie wiedereinzuführen“, betont Prugger. Im Vinschgau seien immerhin etwa 30 Almen und knapp 650 Bauern betroffen.
Dass es auch anders geht, wird in Österreich deutlich: „Im Österreichischen Entwicklungsprogramm ist eine solche Zusatzprämie auch weiterhin vorgesehen. Dort gibt es 100 Euro pro Milchkuh. Das könnte auch ein Ansatz für uns sein“, sagt Prugger. Entweder über eine Programmänderung im ländlichen Entwicklungsplan oder mit einer Landesmaßnahme müsse diese Unterstützung wieder eingeführt werden.

Folgen nicht nur für die Landwirtschaft
Sollte es keine zusätzliche Prämie als Ausgleich für den Mehraufwand geben, befürchtet die Arbeitsgruppe, dass gar einige Bauern die Milchkühe nicht mehr alpen würden und so der Fortbestand der Milchviehalmen gefährdet ist. Das hätte weitreichende Folgen nicht nur für die Landwirtschaft. „Wie die Arbeitsgemeinschaft in ihrer Petition hinweist, ist die Milchviehalpung die Krone der Alpwirtschaft. Sie verbindet Tradition und Qualitätsproduktion, trägt zur Extensivierung bzw. Ökologisierung der Milchwirtschaft bei und prägt die Alplandschaft“, erklärt Bezirksobmann Prugger. Vor allem aber seien die Kuhalmen und die Alpprodukte für den Tourismus wichtig. Die zusätzliche Alpungsprämie sei daher auch im Sinne einer multifunktionalen Alpwirtschaft.
  
Gefährdet sieht der Bezirksobmann die wertvolle Aufbauarbeit der Arbeitsgemeinschaft „Vinschger Milchviehalmen“. „Der Arbeitsgemeinschaft ist es im Vinschgau gelungen, die Zahl der aufgetriebenen Milchkühe konstant zu halten, was angesichts der veränderten Rahmenbedingungen als großer Erfolg zu werten ist. Mit dieser Neuregelung ist auch die ihre Arbeit in Frage gestellt“, befürchtet Prugger.
Neben der Zusatz-Alpungsprämie appelliert die Arbeitsgruppe „Vinschger Milchviehalmen“ in Richtung Landesrat Arnold Schuler, die derzeit ausgesetzten Investitionsbeiträge für die Almwirtschaft wieder einzuführen, um den Fortbestand der alpinen Kulturlandschaft auch weiterhin zu gewährleisten.