Energie, Bauernbund | 25.06.2015

Energiepotential ausschöpfen

Erneuerbare Energien sind, dank neuer Technologien und Energiemodelle, auch in Zukunft interessant. Allerdings steigen die Herausforderungen, erneuerbare Energien erfolgreich zu nutzen. Das hat das vom ESF mitfinanzierte Projekt „EnerCommunities“ des Südtiroler Bauernbundes ergeben.

Sind vom Potential erneuerbarer Energien im ländlichen Raum überzeugt: (v.l.) Stefano Dal Savio (TIS), Leo Tiefenthaler (SBB) und Wolfram Sparber (EURAC).

Sind vom Potential erneuerbarer Energien im ländlichen Raum überzeugt: (v.l.) Stefano Dal Savio (TIS), Leo Tiefenthaler (SBB) und Wolfram Sparber (EURAC).

Ziel des ESF-Projektes „EnerCommunities“ war es, das Potential von erneuerbaren Energien und einer effizienten Energienutzung zu untersuchen. Im Rahmen des Projektes beschäftigte sich die Studie „Zukunft Energie“ mit der intelligenten Produktion und Nutzung von Strom, Wärme und Kälte.

Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung und Mikronetze
Interessant ist laut dieser Studie die Biomasse. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler erklärte: „Das größte Potential haben dabei Biomasse-Anlagen mit Kraft-Wärme-Koppelung oder, noch idealer, mit Kraft-Wärme-Kälte-Koppelung, da sie sowohl Strom als auch Wärme bzw. Kälte gleichzeitig produzieren.“ Interessant sind in diesem Zusammenhang kleine dezentrale Energieversorgungsnetze, sog. Biomasse-Mikronetze. „Damit lassen sich mehrere naheliegende Gebäude wie Hotels oder Gewerbebetriebe mit Wärme oder zukünftig vielleicht auch mit Kälte versorgen. Dank der Mikronetze steigt die Wertschöpfung aus der Biomasse. Im Ausland häufiger zum Einsatz kommt ein weiteres interessantes Modell: das Wärme-Contracting. Dabei liefern Landwirte nicht nur die Wärme, sondern errichten und führen die Heizanlagen“, unterstrich Tiefenthaler.

Biomethan mit Zukunft?
Nach wie vor Potential hat das Biogas. Voraussetzung dafür ist aber meist, dass der erzeugte Strom und die Wärme vollständig genutzt werden – zum Beispiel für die Trocknung oder die Beheizung bzw. Kühlung von umliegenden Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. „Gut arbeiten Gemeinschaftsanlagen, die eng mit Hotels oder Handwerksbetrieben zusammenarbeiten und so eine sichere Abnahme für die erzeugte Energie haben“, berichtete Tiefenthaler. Eine große Zukunft sehen viele Experten im Biomethan – so auch Stefano Dal Savio vom TIS: „Dazu wird das Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet und kann dann als Biokraftstoff für Fahrzeuge eingesetzt oder in das Erdgasnetz eingespeist werden.“

Photovoltaik: Eigenverbrauch und Wartung der Anlagen wichtig
Den großen Boom bei den Photovoltaikanlagen wie in den letzten Jahren gibt es derzeit nicht mehr. „In Südtirol über 1,1 Mrd. Euro investiert“, berichtete Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie der EURAC. Die Solarenergie ist nach wie vor von Interesse – vor allem dann, wenn der produzierte Strom selbst verbraucht wird. Dies kann beispielsweise über die Kombination der Photovoltaikanlagen mit anderen elektrisch betriebenen Anlagen (Wärmepumpen, Kühlanlagen usw.) erfolgen.
Um den Ertrag aus Photovoltaikanlagen zu sichern, ist überdies eine regelmäßige Überprüfung und Wartung der Anlagen essentiell. „Wir haben 9 Photovoltaikanlagen pilothaft überprüft und gar einige Mängel und Schäden festgestellt, die letztendlich zu monetären Verlusten führen“, erklärte Wolfram Sparber. Aus diesem Grund haben der Südtiroler Bauernbund und der Südtiroler Energieverband das Servicepaket „PV-Monitoring“ geschnürt. „Es beinhaltet Leistungen von der Wartung bis hin zur Überwachung von PV-Anlagen“, erklärte Tiefenthaler.

Neue Möglichkeiten durch effiziente Nutzungssysteme (SEU)
Auch sog. Effiziente Nutzungssysteme, bei denen ein Produzent einen Kunden direkt über eine private Leitung mit Strom beliefert, der aus Photovoltaikanlagen oder aus mit Biomasse betriebenen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen stammt, bieten einen Mehrwert und werden zukünftig an Bedeutung gewinnen, waren sich die Experten einig.
Die Erzeugung von Energie durch thermische Solaranlagen ist nicht nur in Kombination mit Wärmepumpen effizient. Sie eignet sich neben der Wärmeerzeugung zur Kühlung von Räumen und zur Trocknung, beispielsweise von landwirtschaftlichen Produkten.

Wasserkraft hat noch Potential
Die Wasserkraft, und das hat die Studie einmal mehr bestätigt, bleibt auch in Zukunft eine der wichtigsten Energieressourcen. Gerade im Vinschgau, der Pilotregion für das ESF-Projekt „EnerCommunities“, spielt die Wasserkraft eine dominante Rolle. „Die Zukunft Energie-Studie hat gezeigt, dass Klein-Wasserkraftwerke gerade für die lokale Stromversorgung sehr interessant sind“, sagte Irene Unterkofler, die im SBB für das ESF-Projektes „EnerCommunities“ verantwortlich ist.
Besser für die Stromproduktion genutzt werden könnten Infrastrukturen zur Wasserversorgung, wie Beregnung- und Trinkwasseranlagen. Bestehende Anlagen sollten ohne größere Probleme erneuert bzw. ausgebaut werden können. Untersucht wurden weiters die Chancen von Erdwärme und Windenergie. „Bei letzterer sind es vor allem rechtliche Hindernisse, die eine Nutzung des Windes kaum ermöglichen, wobei gerade Klein-Windkraftanlagen für Südtirol interessant wären. Hier sollte mehr differenziert werden.“

Energie einsparen
Nicht nur die Produktion von Strom, Wärme und Kälte, sondern auch Einsparpotentiale standen im Mittelpunkt der Studie. Durch Effizienzsteigerungen bei Gebäuden, Maschinen und in der Produktion kann demnach einiges an Energie eingespart werden. „Bei Wärme ist das Einsparpotential am größten“, berichtete Sparber. Aber auch sonst könne jeder zur Energieeinsparung beitragen: So sollten beispielsweise energiesparende Beleuchtungssysteme eingesetzt, die erzeugte Abwärme genutzt oder die Produktionsstätten richtig dimensioniert werden. Auch eine regelmäßige Wartung der Produktionsanlagen hilft, diese energiesparender zu betreiben.

Energiespeicherung und alternative Antriebe
Um die Energie noch effizienter zu nutzen, wird weltweit mit Hochdruck an der Energiespeicherung geforscht. „Die Stromspeicherung hat den Vorteil, dass der Eigenverbrauch auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden kann. Dadurch sinkt die Abhängigkeit vom Strompreis“, erklärte Stefano Dal Savio vom TIS. Derzeit seien die Preise für die Speicherinstrumente aber noch zu hoch. Zwar wird es noch eine Weile dauern, aber dann sind auch Elektrotraktoren, oder mit Wasserstoff oder Biomethan betriebene Maschinen in der Landwirtschaft denkbar.

Filme und Broschüre
Im Zuge des ESF-Projektes wurden Kurzfilme produziert, die Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen. Betriebe und Fachexperten geben darin praktische Tipps und Fachinfos, wie neue Energietechnologien und -modelle im eigenen Betrieb oder Haushalt konkret und mit Erfolg eingesetzt werden können. Sie sind hier abrufbar.

Weiters können in einer Broschüre die Chancen und Herausforderungen in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger sowie von ausgewählten Energie-Technologien und -Modellen nachgelesen werden.

Das ESF-Projekt „EnerCommunities“ wurde gemeinsam mit der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, TIS innovation park und EURAC research umgesetzt. Mitfinanziert wurde es von der Europäischen Union mittels Europäischem Sozialfonds (ESF), vom Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik und von der Autonomen Provinz Bozen.

Weitere Informationen gibt es bei der SBB-Abteilung Innovation & Energie unter Tel. 0471 999317 oder innovation-energie@sbb.it