Arbeitsberatung | 23.07.2015

Bezahlung der Erntehelfer

Am Ende des Monats bzw. am Ende der Arbeitsperiode wird den Erntehelfern der Lohn ausbezahlt. Dabei sind einerseits gesetzliche Bestimmungen einzuhalten, andererseits gilt es praktische Spielregeln zu beachten.

Wenn es um die Bezahlung der Erntehelfer geht, sind einige grundlegende Regeln zu beachten. (Foto: Michael Grabscheit, www.pixelio.de)

Wenn es um die Bezahlung der Erntehelfer geht, sind einige grundlegende Regeln zu beachten. (Foto: Michael Grabscheit, www.pixelio.de)

Wenn es um die Entlohnung von Erntehelfern geht, gibt es einige Grundprinzipien, die zu befolgen sind: So muss mit den Arbeitern zunächst klar ausgemacht werden, wie hoch ihre Entlohnung pro Stunde ist. Der Arbeitgeber muss ihnen mindestens den Tariflohn pro Stunde bezahlen. Und: Der Lohn ist an die Arbeiter direkt zu bezahlen.

Einhaltung des Tariflohnes
Die Tariflöhne für die Landwirtschaft in Südtirol werden vom Landeskollektivvertrag der landwirtschaftlichen Arbeiter festgelegt und in einer Lohntabelle zusammengefasst. Der Lohn ist üblicherweise brutto definiert. So ist der aktuelle Tariflohn für den Ernte­helfer 6,99 Euro brutto. Die Höhe des Nettolohnes, also das, was der Arbeiter effektiv ­bekommt, hängt maßgeblich vom Jahres­gesamteinkommen und von der persönlichen Situation des Arbeiters ab. Die Differenz aus Brutto- und Nettobetrag sind die Sozial­abgaben für die Rentenvorsorge und die Einkommenssteuer.
Das folgende Beispiel bildet die Situation eines typischen Erntehelfers ab:
Ein Erntehelfer arbeitet nur während des händischen Ausdünnens und der Ernte in Italien. Da er das Gesamteinkommen von 6000 Euro nicht überschreitet, ist keine Einkommenssteuer geschuldet. Der Nettolohn, welcher ihm pro Stunden zusteht, beträgt somit etwa 6,35 Euro. Davon kann noch der Betrag für Unterkunft und Verpflegung abgezogen werden. Dies ergibt einen Stundenwert von etwa 5,00 Euro bei voller Unterkunft und Verpflegung. Dieser Betrag muss dem Erntehelfer also mindestens ausbezahlt werden.

Zahlung des Nettolohnes
Grundsätzlich muss immer der Arbeitgeber nachweisen können, dass er den Lohn bezahlt hat. Das beste Zahlungsmittel ist aus diesem Grund die Banküberweisung, wahlweise auch der Scheck. Wird der Lohn in bar ausgezahlt, soll sich der Arbeitgeber vom Arbeiter auf jeden Fall eine Zahlungsbestätigung unterzeichnen lassen.
Achtung: Die Unterschrift auf dem Lohnstreifen bestätigt nur die Aushändigung des Lohnstreifen aber nicht die Zahlung des Nettobetrages!

Bargeldgrenze
Um Schwarzzahlungen und Geldwäsche zu unterbinden, wurde in Italien Ende des Jahres 2011 die Bargeldgrenze auf 1000 Euro herabgesetzt. In bar können deshalb nur noch Transaktionen von maximal 999,99 Euro getätigt werden. Von dieser Regelung betroffen ist natürlich auch die Zahlung des Nettolohns auf dem Lohnstreifen. Das Limit gilt aber pro Lohnstreifen und nicht pro Arbeitsverhältnis.  
Bei Arbeitsverhältnissen, welche nur über einen Teil des Monats bestehen, ist der Lohnstreifen der Arbeiter (Einstufung Erntehelfer) immer unter dem Betrag von 1000 Euro. In diesem Fall kann der Lohn also einfach bar bezahlt werden.
Wenn sich das Arbeitsverhältnis jedoch über einen Großteil des Monats erstreckt und auch Überstunden oder Feiertagsarbeit gemacht werden, oder das Arbeitsende in diesem Monat liegt, also auch die Abfertigung anfällt, dann ist der Lohnstreifen mit großer Wahrscheinlichkeit über dem Betrag von 1000 Euro.  
Die Strafe bei Nichteinhaltung der Bargeldgrenze richtet sich nach dem Betrag der Transaktion, wobei eine Mindeststrafe von 3000 Euro vorgesehen ist. Zudem sind Banken dazu verpflichtet, offensichtliche Fälle von Missachtung des Limits zu melden.
Die Bezahlung in bar wird aber vom Ernte­helfer nach wie vor als die sicherste Art der Zahlung empfunden. Deshalb kann man versuchen, einerseits diesem Bedürfnis des Arbeitnehmers Rechnung zu tragen, ohne damit andererseits gegen die nationale Regelung der Bargeldflüsse zu verstoßen.

Lösungsansätze
Bei Fällen, in denen der Lohnstreifen über 1000 Euro liegt, kann z.B. eine Akontozahlung per Scheck oder Banküberweisung gemacht werden (z.B. 500 Euro). Der Rest kann dann bar bezahlt werden.

Lohnstreifen
Dem Arbeiter ist grundsätzliche jener Lohn zu bezahlen, welcher auf dem Lohnstreifen aufscheint. Das heißt, dass alle Stunden angegeben werden müssen.
Aufgrund der Arbeitsspitzen im Herbst ist es der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne nicht möglich Lohnstreifen/Probelohnstreifen sofort auszuarbeiten. Abhilfe schafft hier die Online-Eingabe der Stunden. In diesem Fall steht der Lohnstreifen innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung.

Empfehlungen zur Absicherung
Zusätzlich zur Bestätigung der Barzahlung empfiehlt der Südtiroler Bauernbund, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses vom Arbeiter eine so genannte Saldoquittung unterschreiben zu lassen. Mit der Unterschrift unter ein solches Schreiben bestätigt der Arbeiter dem Arbeitgeber, alle Bezüge erhalten zu haben und keine weiteren Forderungen zu stellen.
Des Weiteren sollte sich jeder Arbeitgeber von den einzelnen Arbeitern Bestätigung der  effektiv geleisteten Stunden unterschreiben lassen. Die Unterschrift der Arbeiter auf diesen Dokumenten ist sehr zu empfehlen, um die rechtliche Absicherung des Arbeitgebers zu erhöhen.
Die entsprechenden Vordrucke können im geschützten Bereich der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes (www.sbb.it/arbeitsberatung) heruntergeladen werden.