Arbeitssicherheit | 23.07.2015

Sicher ernten

Damit die Ernte sicher über die Bühne geht, empfiehlt die Stabsstelle Arbeitssicherheit des Südtiroler Bauernbundes, die wichtigsten Punkte im Bereich der Arbeitssicherheit jetzt besonders genau zu kontrollieren. Im Folgenden einige Punkte, die einzuhalten sind.

Besonders im Bereich Arbeitssicherheit ist der Bauer dem Erntehelfer gegenüber verantwortlich.

Besonders im Bereich Arbeitssicherheit ist der Bauer dem Erntehelfer gegenüber verantwortlich.

Als Arbeitgeber hat der Bauer eine Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber. Das betrifft unter anderem ganz besonders Aspekte der Arbeitssicherheit, denen deshalb in der Zeit der Ernte besonderes Augenmerk gilt.

Rückhaltesystem bei Traktoren
So müssen zum Beispiel Traktoren gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benötigt man einen Führerschein der Kategorien B oder A1 mit Einschränkungen. Von dieser Regelung ausgeschlossen sind selbst fahrende, einachsige Arbeitsmaschinen.

Hebebühnen und Obsterntemaschinen
Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte, wie z. B. Hebebühnen und Obsterntemaschinen, sind diese beim nationalen Unfallinstitut INAIL, Landesdirektion Bozen, zu melden. In Umlauf befindliche Maschinen, die noch nicht gemeldet wurden, müssen umgehend gemeldet werden.
Zur Durchführung der ersten periodischen Überprüfung muss der Arbeitgeber oder Benutzer einen Antrag an das INAIL (Nationales Institut für die Versicherung gegen Arbeitsunfälle) stellen. Das INAIL hat dann 45 Tage Zeit, um die erste periodische Überprüfung durchzuführen. Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss sich der Arbeitgeber oder Benutzer direkt an die befähigten Sachverständigen wenden.
Hebebühnen und Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Diese Auslegung hat das Arbeitsinspektorat bestätigt.
Arbeitsmittel dürfen nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt besonders dann, wenn Geräte von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es bei der Ernte der Fall sein kann.

Arbeitssicherheitskurse für Arbeitgeber
Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber braucht eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Ausbildung.
In Betrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten (JAE) kann der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben. Zu diesem Zweck muss er einen Kurs besuchen (jetzt 32, früher 16 Stunden). Diese 32-stündige Ausbildung beinhaltet nicht die Ausbildung für Brandschutz und Notfallmanagement sowie Erste Hilfe.
Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker mit der notwendigen Ausbildung zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Bei Beginn einer Tätigkeit (z. B. Hofübergabe mit Arbeitnehmern) muss die Ausbildung innerhalb von 90 Tagen ab Tätigkeitsbeginn abgeschlossen werden, sofern der Arbeitgeber die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben will.

Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragte
Grundsätzlich ist jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, verpflichtet, einen Brandschutzbeauftragten zu ernennen sowie diesen entsprechend auszubilden. Diese Pflicht gilt auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Familienbetriebe sind von dieser Bestimmung aber nicht betroffen.
Zudem muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflichten gelten auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen.
Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers Global G. A. P. (z. B. im Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Erste-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Damit müssen auch betroffene Familienbetriebe einen Erste-­Hilfe-Beauftragten ernennen und die Aus- und Weiterbildungen besuchen. Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann vom Arbeitgeber selbst, von einem im Betrieb mitarbeitenden Familienmitglied oder von einem Arbeitnehmer ausgeübt werden. Der Südtiroler Bauernbund empfiehlt, auf die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandkastens zu achten und dabei auch das Verfallsdatum zu kontrollieren.

Ausbildung für Arbeitnehmer
Die Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitnehmer ist auch geregelt und wurde auf zwölf Stunden festgelegt. Betroffen davon sind alle Taglöhner, welche mehr als 50 Tagschichten pro Betrieb und Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte.
Wird ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bereits bei Beginn der Tätigkeit absolviert haben. Wenn das nicht möglich sein sollte, muss sie innerhalb von 60 Tagen nachgeholt werden.
Die Ausbildung der Arbeitnehmer muss während der Arbeitszeit erfolgen und darf keine Kosten für die Arbeitnehmer zur Folge haben.

Vereinfachte Ausbildung in der Landwirtschaft
Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, welche beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, brauchen nicht die zwölfstündige Arbeitssicherheitsausbildung zu absolvieren. Allerdings müssen sie eine verkürzte Ausbildung nachweisen können, damit der Betrieb in punkto Arbeitssicherheit in Ordnung ist.
Diese verkürzte Ausbildung muss mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen. Dabei werden die Arbeiter mit Hilfe der Broschüre in die jeweiligen Erntetätigkeiten, für die sie angestellt wurden, eingewiesen. Dasselbe gilt auch für Beschäftigte, welche mit Wertgutscheinen bezahlt werden.
Diese Ausbildungsbroschüre steht derzeit kurz vor der Fertigstellung und wird noch vor der diesjährigen Ernte in den jeweiligen Bezirksbüros des Bauernbundes bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne aufliegen.

Ausbildung für bestimmte Arbeitsmittel
Das Inkrafttreten der Verpflichtung, eine spezifische Ausbildung für bestimmte Arbeitsmittel (u. a. für Traktoren, Hebebühnen) zu absolvieren, wurde für alle betroffenen Arbeitsmittel, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, auf den 31. Dezember 2015 aufgeschoben.

Risikobewertung
Landwirtschaftliche Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen in Form einer Risikobewertung schriftlich ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung ausgearbeitet. Sie entspricht den Standardprozeduren und steht für die Mitglieder auf der Homepage des Bauernbundes zur Verfügung.
Dort finden sich sowohl die gesamte Risikobewertung als auch die einzelnen Abschnitte derselben. Zudem kann ein Musterbeispiel eingesehen werden, das als Hilfe für das erstellen der Risikobewertung herangezogen werdenkann.
Familienbetriebe, die keine Arbeitnehmer beschäftigen, müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung bezüglich GlobalG.A.P. und Agrios durchführen.
Aufrecht bleiben – so wie ­bisher – die Verpflichtungen bezüglich ­GlobalG.A.P. und Agrios. Diese werden er­füllt, indem man die Risikobewertung auf der Basis der schriftlichen Vorlage des Südtiroler Bauernbundes durchführt.

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