Bauernbund | 10.11.2015

Historische Bauernhäuser erhalten

Den Erhalt traditioneller Bauernhäuser ist das Ziel der Initiative „Bauern(h)auszeichnung“. Im Rahmen der Agrialp wurden wieder bäuerliche Familien und Architekten ausgezeichnet.

Die Sieger der beiden Wettbewerbe bei der Preisverleihung am Gelände der Messe Bozen.

Die Sieger der beiden Wettbewerbe bei der Preisverleihung am Gelände der Messe Bozen.

Die Initiative „Bauern(h)auszeichnung“ ins Leben gerufen haben der Südtiroler Bauernbund, die Architekturstiftung Südtirol, ITAS-Versicherungsverein, Südtirol Marketing (SMG), die Landesabteilungen für Denkmalpflege sowie Natur, Landschaft und Raumentwicklung und die Stiftung Südtiroler Sparkasse.

Sensibilität für alte bäuerliche Bautradition fördern
Die „Bauern(h)auszeichnung“ will einen Anreiz zum Erhalt alter, wertvoller Bauernhöfe geben, dafür hat sie zwei Wettbewerbe ins Leben gerufen. Bei der „Ideenwerkstatt PLANEN“ werden Architekten für den besten Ideenentwurf für die zukünftige Sanierung typischer Südtiroler Bauernhöfe ausgezeichnet. Der „ITAS –Preis Bauern(h)auszeichnung“ hingegen prämiert bäuerliche Familien für eine bereits erfolgte vorbildliche energetische Sanierung ihres Bauernhofes. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler unterstrich bei der Preisverleihung: „Der Erhalt der Kulturlandschaft ist seit jeher ein Anliegen des Südtiroler Bauernbundes. Neben bewirtschafteten Wiesen und Almen gehören auch Bauernhöfe zu unserer einmaligen Kulturlandschaft. Mit der Initiative wollen wir nicht nur Bauern und Architekten auszeichnen, sondern vor allem auch die Sensibilität für alte bäuerliche Bautradition fördern.“
Uli Rubner, Präsidentin von Südtirol Marketing, sieht die Initiative als eine Möglichkeit Südtirols Authentizität unter Beweis zu stellen: „Die historische Baukultur ist ein wichtiger Teil unseres Kapitals und wir müssen dafür sorgen, dass das erhalten bleibt. Südtirol Marketing liegt viel daran, dass diese Zeugen unserer Geschichte weiterleben – aber nicht als Ausstellungsobjekte wie im Volkskundemuseum, sondern bewohnt und bewirtschaftet und mit Leben gefüllt“.

Hervorragende Projekte bei „Ideenwerkstatt PLANEN“
Bäuerinnen und Bauern, die ihre Bauernhöfe sanieren möchten, waren auch heuer aufgerufen, sich mit ihren Bauernhöfen bei der „Ideenwerkstatt PLANEN“ zu bewerben. Aus den eingereichten Objekten wählte eine Jury drei sanierungswürdige Häuser aus. Diese müssen mindestens 100 Jahre alt sein und zu einem Hof gehören, der bewirtschaftet wird. Zudem muss das Gebäude in ein bäuerliches Ensemble bzw. in einen stimmigen landschaftlichen und historischen Kontext eingebettet sein.
Die Wahl der Jury fiel heuer auf den Grabmayrhof der Familie Johann Kafmann in Welschnofen, den Plattnerhof von Familie Alois Leitner in Ratschings und den Pillhof der Familie Meraner/Klotz in Frangart.

Planer haben gute Arbeit geleistet
Knapp 50 Architekten haben die Höfe besucht. 25 Ideenentwürfe wurden schließlich für eine zeitgemäße und maßgeschneiderte Sanierung des Hofes eingereicht. Der beste Entwurf für die Sanierung des Grabmayrhofes stammt von der Architektin Irmgard Brunner aus Petersberg. Beim Plattnerhof haben die Vorschläge der Architekten Heinrich Zöschg und Alexander Karnutsch aus Lana die Jury am meisten überzeugt. Die beste Idee für die Sanierung des Pillhofes hatten die Architekten Jürgen Prosch und Felix Kasseroler eingereicht. Der Präsident der Architekturstiftung Südtirol, Carlo Calderan, lobte die Teilnehmer: „Allen Planern ist es gelungen, auf die Charakteristik des jeweiligen Hauses einzugehen, alle wertvollen Elemente zu bewahren und gleichzeitig einen möglichst hohen Wohnkomfort für die bäuerliche Familie zu garantieren.“
 
„ITAS –Preis Bauern(h)auszeichnung“: Vorbildlich saniert
Zum dritten Mal wurde der „ITAS –Preis Bauern(h)auszeichnung“ verliehen. Der Preis des „ITAS - Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit“ richtet sich an Bäuerinnen und Bauern, die ihr Haus bereits vorbildlich energetisch saniert haben. Bewertet werden Gebäude, die entweder denkmalgeschützt oder architektonisch von Bedeutung sind und mustergültig saniert wurden. Zudem muss das Bauernhaus mindestens 50 Jahre alt und auch hier Teil eines bewirtschafteten Hofes sein.
Eine Jury hat unter den teilnehmenden Betrieben den Sieger ermittelt. Der „ITAS Preis-Bauern(h)auszeichnung“ für die beste energetische Sanierung ging heuer an die Familie Thomas Pfitscher vom Ruckenzaunhof in Tarsch/Latsch. ITAS-Vizepräsident Gerhart Gostner begründete die Entscheidung: „Die Familie ist äußerst sensibel vorgegangen: Das Dach wurde gedämmt, Wärmedämmfenster eingebaut, die Steinmauern der historischen Fassade wurden nur innen mit Wärmedämmputz versehen. Die Heizung und die Warmwasserversorgung erfolgt über das Fernwärmenetz. Die Sanierung ist beispielhaft dafür, wie es gelingen kann, eine bestehende Bausubstanz an neue, geänderte Wohnbedürfnisse anzupassen.“ Der Preis ist mit 7000 Euro in Form einer Lebensversicherung dotiert.

Anerkennung für Pfunderer Bauernfamilie
Zudem hat die Jury einen Anerkennungspreis in Höhe von 3000 Euro verliehen, der von den ITAS-Agenten Südtirols gestiftet wurde. Über diesen kann sich die Familie Anton Bergmeister vom Obergasserhof in Pfunders freuen. Gostner unterstrich: „Als Versicherer, der vor rund zwei Jahrhunderten in der Region entstanden ist, achten wir genau auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Bevölkerung. Wir kennen die Geschichte des Territoriums und legen großen Wert auf regionale Traditionen und den Erhalt des historischen Erbes. Die Bauernhäuser stellen einen wichtigen Teil der Südtiroler Geschichte und Gegenwart dar, darum liegt es uns sehr am Herzen, deren gelungene Sanierung und Aufwertung zu fördern, damit sie auch für künftige Generationen erhalten bleiben.“  

Mehr Infos im Internet
Mehr Informationen über beide Initiativen, die Ideenentwürfe und die Termine für die Teilnahme an den Wettbewerben 2016 finden Interessierte hier.