Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Bauernbund | 10.12.2015

Dem Frust mit Stolz begegnen

Ein sehr gutes Jahr geht für die Bäuerinnen und Bauern im Burggrafenamt zu Ende. Beim Bauern- und Bäuerinnentag in Marling ging es neben dem Rückblick auch um die künftige Unterstützung für Junglandwirte – und um die Frage, wie die Landwirtschaft mit zunehmender Kritik von Medien und Gesellschaft umgehen soll.

Am Beginn hatten im Saal der Kellerei Meran Burggräfler die beiden Vertreter der Bäuerinnen und Bauern des Bezirks Burggrafenamt das Wort. Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger blickt auf ein für alle Sektoren sehr gutes Landwirtschaftsjahr zurück: „Wir können alle zufrieden sein: Die Bergbauern konnten rechtzeitig gutes Futter einfahren, die Obstbauern hatten zwar etwas weniger Menge, dafür aber in sehr guter Qualität zu verzeichnen. Am meisten profitiert haben vom günstigen Witterungsverlauf die Weinbauern, aber auch die Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof.“ Auch bei den Gemeinderatswahlen haben die bäuerlichen Kandidaten sehr gut abgeschnitten: Knapp 120 Vertreter der Landwirtschaft sitzen in den Gemeinderäten, in fünf Burggräfler Gemeinden stellen die Bauern den Bürgermeister.

„Während die Welt angesichts von Krieg, Terror und Flüchtlingsströmen also aus den Fugen geraten scheint, leben wir offenbar immer noch auf einer Insel der Seligen. Dennoch macht sich unter der bäuerlichen Bevölkerung immer mehr Frust und Unmut breit. „Und das liegt vor allem an wiederholten Attacken einzelner Medien, bei denen  Behauptungen in den seltensten Fällen geprüft und andere Meinungen kaum einmal eingeholt werden“, beschwerte sich Burger. Das Fehlverhalten einiger schwarzer Schafe werde einer ganzen Berufsgruppe angekreidet. „Eines muss klar sein: Wer sich nicht an Regeln hält, schadet dem gesamten Bauernstand und muss bestraft werden!“, fordert Burger.

Umstellung nur aus Überzeugung
Die biologische Wirtschaftsweise sei zwar sehr zu begrüßen, aber kein Allheilmittel: „Zum einen kann eine Umstellung immer nur aus eigener Überzeugung bzw. auf freiwilliger Basis und nicht von oben herab verordnet erfolgen, zum anderen muss der Konsument auch bereit sein, wegen der wesentlich höheren Kosten einen höheren Preis für die Produkte zu akzeptieren. Sonst wird Bio immer eine Nische bleiben.“

Besorgt zeigte sich Burger auch über den steigenden Druck am Milchmarkt: „Wenn wir den aktuellen notwendigen hohen Milchpreis nicht halten können, dann werden viele Bergbauern ihre Stalltür zusperren müssen.“ Bei den Förderungen gebe es nach wie vor einige offene Fragen, etwa bei den gestrichenen Verlustbeiträgen für Grundmaschinen.

Ihren ersten Auftritt beim Bauern- und Bäuerinnentag hatte die neue Bezirksbäuerin Waltraud Ladurner Pixner. Sie unterstrich, wie notwendig am Hof der gegenseitige Respekt der verschiedenen Altersgruppen voreinander ist: „Jeder soll nach seinen Möglichkeiten etwas dazu beitragen, dass es mit dem Hof gut weitergeht. Jeder hat aber auch das Recht, seine Meinung vorzutragen und den Respekt der anderen einzufordern.“

Genossenschaften sind Stärke
Auf den von Bezirksobmann Burger angesprochenen zunehmenden Druck von außen auf die bäuerliche Bevölkerung ging vor allem Gastredner Toni Steixner ein. Der ehemalige Bauernbund-Obmann und Landeshauptmann-Stellvertreter von Tirol rief die Bauern auf, diesen Vorwürfen mit guten Argumenten und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein zu begegnen: „Wir Bauern müssen uns sicher nicht dafür entschuldigen, was wir tun, sondern müssen stolz auf unseren Berufsstand und auf unsere Leistungen für die Gesellschaft sein! Niemals dürfen wir zulassen, dass andere sagen, was wir zu tun und wie wir zu arbeiten haben. Es liegt an uns, dass wir die Dinge klar ansprechen und uns nicht zurückziehen“, unterstrich Steixner. Mehr als sich von Kritikern einschüchtern zu lassen sollten die Bauern auf jene Konsumenten zugehen, die bereit sind, mehr für qualitativ hochwertige und besondere bäuerliche Produkte zu zahlen.

Steixner verglich in seiner Rede anhand von zahlreichen Beispielen die Südtiroler Landwirtschaft mit jener in anderen Regionen. Besonders strich er die gute Arbeit der Genossenschaften hervor: „Sie leisten eine super Arbeit und können sich mit jedem Unternehmen messen. Das Genossenschaftswesen ist die ganz große Stärke der Südtiroler Landwirtschaft und ist die Grundlage dafür, dass ihr auch schwierige Zeiten einigermaßen gut überstehen könnt!“

Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstrich die Aussagen von Bezirksobmann Burger: „Wir dürfen uns von einzelnen Medienberichten nicht einschüchtern lassen, sondern müssen unsere Leistungen klar kommunizieren und uns von den wenigen Bauern, die sich nicht an die Regeln halten, klar abgrenzen.“

Auf die neue Existenzgründungsbeihilfe für Junglandwirte ging Werner Hintner, der Direktor des Landesamtes für bäuerliches Eigentum, ein. Er erläuterte im Detail die Voraussetzungen und die Vorgangsweise bei der Gesuchstellung: „Wir werden die Jungbauern auf jeden Fall begleiten und beraten, Anlaufstellen dafür sind die Bezirksämter für Landwirtschaft“, erklärte Hintner.

Landesrat Arnold Schuler berichtete ausführlich über aktuelle Themen, mit denen sich das Landwirtschaftsressort des Landes derzeit beschäftigt: Die Pflanzenaschutz-Leitlinien kamen dabei ebenso zur Sprache wie die Zusammenarbeit mit den Imkern, die Umstellung auf die Pflanzgenehmigungen für die Weinbauern, die Umsetzung der neuen Regelung zu den Betriebstierärzten und die Reorganisation des Versuchszentrums Laimburg.

Nicht nur auf Förderungen schauen

Die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer forderte schließlich, dass man die Landwirtschaft nicht allein auf das Thema Förderungen reduzieren dürfe. Auch bei vielen anderen aktuellen Themen wie dem Vergabegesetz gehe es ganz wesentlich um die Unterstützung der Landwirtschaft. Die bäuerlichen Abgeordneten im Landtag würden sich stets in allen Bereichen für die Interessen der Landwirtschaft einsetzen.

Bernhard Burger: Wer sich nicht an Regeln hält, gehört bestraft!

Bezirksbäuerin Waltraud Ladurner Pixner