Bauernbund | 11.01.2016

Bauern mit 2015 zufrieden

Der Bauernbund-Bezirk Bozen hat auf seiner Bezirksversammlung in Terlan Rückschau gehalten. 2015 war für die Landwirtschaft alles in allem ein gutes Jahr. Auf verbandspolitischer Ebene hatte es der Bezirk mit einigen schwierigen Themen zu tun. von Michael Deltedesco

Am Podium standen Bauernbund-Vertreter und Politiker Rede und Antwort.

Am Podium standen Bauernbund-Vertreter und Politiker Rede und Antwort.

Der Sommer 2015 wird wohl in die Geschichte eingehen. Der Landwirtschaft hat die außergewöhnliche Witterung eine sehr gute Ernte gebracht. Lediglich in einigen Südlagen gab es Probleme mit der Trockenheit, fasst der Obmann des Bauernbund-Bezirks Bozen, Karl Framba, zusammen.

Klare Worte gegen „schwarze Schafe“
Auch verbandspolitisch war 2015 alles in allem ein gutes Jahr, wenn auch im Mittelpunkt der Diskussionen zwei „heiße“ Eisen wie der Pflanzenschutz und die Gülleausbringung standen. „Die Einführung neuer Regeln beim Pflanzenschutz, wie z. B. neue Abstände, technische Verbesserungen an den Sprühgeräten sowie eine verstärkte Sensibilisierung, hat zu einer deutlichen Verbesserung bei der Ausbringung geführt“, erklärte Framba. Auch für die Zukunft gelte es, weiter Rücksicht auf die Anrainer zu nehmen. Klare Worte fand Framba für die wenigen „schwarzen“ Schafe. „Ihr Verhalten schadet allen Bäuerinnen und Bauern. Das muss ihnen klar sein.“ Kritisch sieht der Bezirksbauernrat die Verwendung von Abdrift-Folien, da sie das Landschaftsbild zu sehr stören würden.
Ein zweiter Schwerpunkt war 2015 die Diskussion über die Ausbringung der Gülle in Natura 2000-Gebieten. Bei einem Gülleverbot müssten Betriebe mit Flächen in Natura 2000-Gebieten um ihre Existenz bangen, bestätigte auf der Jahresversammlung auch der Ortsobmann von Kastelruth, Oswald Karbon. Bei einem Treffen auf der Seiser Alm wurden die Landesräte Arnold Schuler und Richard Theiner ersucht, eine unbürokratische und praxisorientierte Regelung zu finden. Derzeit werden – auch auf Wunsch des Bezirks – die Flächen und der Viehbesatz erhoben, um zu sehen, ob und wie groß der Handlungsbedarf ist. Auf alle Fälle wünscht der Bezirk eine neue Regelung bis Frühjahr. Weitere Themen des Bezirks waren das Großraubwild, das Landesraumordnungsgesetz und der Gewässerschutz.

Erfreuliche Nachrichten aus Rom
Über die Neuerungen in Rom haben Senator Hans Berger und der Kammerabgeordnete Manfred Schullian berichtet. So konnte die Befreiung von der MwSt.-Buchführung für Betriebe mit weniger als 7000 Euro Umsatz abgesichert werden. Verbesserungen gibt es auch bei den Flurbereinigungen.
Landesrat Arnold Schuler ging in seinen Grußworten auf die Neuordnung der Förderkriterien ein. Verständnis zeigte Schuler, dass die verspäteten Auszahlungen bei Bauern für Verärgerung sorgen. Gleichzeitig stellte er klar, dass für bestimmte Förderungen mehr Mittel vorgesehen seien. Ein Erfolg sei zudem, dass die Zahl der Ansuchen im Bereich des ländlichen Wegenetzes um die Hälfte auf unter 400 reduziert werden konnte. Mehr müsse in Zukunft in die Kommunikation mit dem Konsumenten investiert werden, um die bedeutende Rolle der Landwirtschaft zu vermitteln. Dem schloss sich auch Landesobmann Leo Tiefenthaler an, der auf die Herausforderungen 2016, darunter die Landesraumordnung, einging.

Kritische Einstellung zu Flughafen
In der anschließenden Diskussion hatten dann die Bauern des Bezirks das Wort. Die häufigsten Wortmeldungen betrafen den Flughafen. Deutlich wurde die große Skepsis gegenüber dem Flughafen: Besonders aus dem Ortsgruppen Bozen, Leifers und Eppan kamen große Bedenken. Weitere Themen waren die Vogelfraßschäden bei Äpfeln und Trauben, die Schäden durch Murmeltiere im Berggebiet, die Gülle und die oft wenig praxisorientierte Landesverwaltung.

Zwei neue Erbhöfe
Die wohl größte Stärke der Landwirtschaft sind die Familienbetriebe. Landesrat Arnold Schuler erklärte: „Viele Höfe werden über Jahrhunderte von ein und derselben Familien bewirtschaftet und von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Das verdient Anerkennung und Respekt.“ Zwei Familien, die ihre Höfe seit mehr als 200 Jahren bewirtschaften, haben auf der Bezirksversammlung die Erbhofurkunde verliehen bekommen. Die Familie Johann Zelger bewirtschaftet den Hof „Kreuz“ in Deutschnofen. Der Hof wurde bereits im 12. Jahrhundert erwähnt. Eigentümer eines Erbhofes kann sich seit heute auch die Familie von Josef Murr vom Hof „Oberkronzer“ in Außerpens/Sarntal nennen. Der Hof wurde im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt.