Bauernbund | 11.01.2016

Gemeinsam an Lösungen arbeiten

Der Flughafen und der Brennerbasistunnel sind Themen, mit denen sich die Unterlandler Bauern heuer beschäftigen und dazu eine gemeinsame Gangart festlegen müssen. Das wurde bei der Bezirksversammlung in Margreid am vergangenen Samstag deutlich. von Renate Anna Rubner

Wichtige Unterlandler Themen wurden bei der Bezirksversammlung in Margreid besprochen.

Wichtige Unterlandler Themen wurden bei der Bezirksversammlung in Margreid besprochen.

Reinhard Dissertori, Bezirksobmann des Südtiroler Bauernbundes, brachte es auf den Punkt:  „Nur wir im Unterland sind von einer eventuellen Erweiterung des Flughafens betroffen.“ Er rief alle Bauern dazu auf, im Juni bei der Volksbefragung ihre Stimme abzugeben. Bereits im Vorfeld aber sollten sich die Ortsgruppen mit dem Thema befassen und Vor- und Nachteile gründlich abwägen. Letztendlich sollte sich aus der breit angelegten Diskussion eine Stellungnahme des Bezirksbauernrates Unterland herauskristallisieren. „Das ist deshalb wichtig, weil andere Bezirke, die nicht direkt vom Flughafen betroffen sind, unsere Haltung dazu kennen und uns unterstützen möchten“, ging der Appell des Obmanns an die versammelte Bauernschaft im Karl-Anrather-Saal in Margreid.

Trassenführung der BBT-Zulaufstrecke
Auch zu den Zulaufstrecken des Brennerbasistunnels (BBT) werde man noch in diesem Jahr eine Einigung finden müssen, was die Trassenführung (ober- oder unterirdisch) anlangt. Einige Gemeinden hätten laut Dissertori bereits – teils widersprüchliche – Beschlüsse dazu gefasst. Das sei nicht gut. „Wenn wir nicht mit einer Stimme auftreten, wird uns niemand ernst nehmen!“, mahnte er. „Wir sollten uns nicht von verschiedenen Interessensgruppen gegeneinander ausspielen lassen!“
Landtagsabgeordneter Oswald Schiefer erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Entscheidung über die Trassenführung eigentlich schon vor Jahren gefallen sei: „Wir haben jahrelang darum gekämpft, dass man die Schienen im Berg verlegt, weil eine höhere Frequenz auf der bereits bestehenden Bahnstrecke nicht denkbar und eine zusätzliche Belastung für das Unterland wäre“, erklärte er. Bereits seit 2010 sei die Trassenführung festgelegt, man habe es aber versäumt, sie in den Bauleitplänen der Gemeinden einzutragen, kritisierte Schiefer und forderte, auch zu diesem Thema eine klare gemeinsame Lösung auszudiskutieren.

Obst- und Weinbau gut, Berglandwirtschaft weniger
Bezirksobmann Reinhard Dissertori ließ das Landwirtschaftsjahr 2015 Revue passieren: Das Wetter hat es den Bauern im Unterland nicht ganz leicht gemacht. Trotzdem konnte im Obstbau eine relativ gute Ernte eingefahren werden. Man hofft nun, auch dank der insgesamt geringeren Erntemenge in Europa, auf gute Auszahlungspreise. Im Weinbau hat sich der trocken-heiße Sommer überraschend gut auf die Qualität der Weine ausgewirkt. Man darf sich auf einen guten Jahrgang 2015 freuen.
Die Berglandwirtschaft dagegen habe zwar einen guten ersten Schnitt einfahren können, der zweite musste wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit im Juli praktisch ganz ausfallen. Auch das gealpte Vieh musste mancherorts schon früher ins Tal zurück gebracht werden, weil die anhaltende Trockenheit die Alpung unmöglich machte. Wirkliche Sorgen bereitet den Bauern derzeit aber der Holzmarkt: „Anfang bis Mitte des Jahres konnten trotz guter Qualität nur niedrige Preise erzielt werden. Im Herbst kam dann der Einbruch – ein Minus von 25 Prozent!“, berichtete Dissertori.

Landwirtschaft erklären und zusammenstehen
Auch das Thema Gülle in Natura-2000-Gebieten ist bei den Unterlandler Bauern ein Thema, das unter den Nägeln brennt: „Weil die meisten unserer Berglandwirtschaftsbetriebe ihre Hofstelle außerhalb dieser Naturschutzgebiete haben, ist ein Verbot der Gülle-und Jaucheausbringung ein großes Problem“, stellte der Bezirksobmann fest, zeigte sich aber davon überzeugt, dass man dafür bald eine Lösung finden werde.
Das bekräftigte auch Landesrat Arnold Schuler: Man arbeite an einer Lösung, obwohl die Diskussion sehr schwierig sei. In diesem Zusammenhang forderte er die Bauern auch dazu auf, die Landwirtschaft besser zu erklären, sie der Gesellschaft wieder näher zu bringen. Zudem mahnte er stärkeren Zusammenhalt innerhalb der Bauernschaft an: „Das Beispiel Mals hat gezeigt, dass sich Bauern nicht gegenseitig mit Schmutz bewerfen dürfen. Wir müssen zusammenstehen und gemeinsam an Lösungen arbeiten!“
Vor allem aber warb der Landesrat um Verständnis bei den Bauern: Er versuchte zu erklären, mit welchen Hürden sich Politik und Verwaltung auseinandersetzen mussten, um den neuen Ländlichen Entwicklungsplan (LEP) abzustecken und die entsprechenden technischen Voraussetzungen für die Abwicklung der Gesuche zu schaffen. Er gestand, die Schwierigkeiten unterschätzt zu haben, man werde aber so schnell wie möglich versuchen, die entstandenen Rückstände aufzuarbeiten.

Bald Baubeginn für neuen Sitz in Neumarkt
Erfreuliche Nachrichten hatte Landesobmann Leo Tiefenthaler für die Unterlandler Bauern: So sei im italienischen Haushaltsgesetz die 7000-Euro-Grenze für die obligatorische Mehrwertsteuer-Buchführung trotz aller Vorzeichen nicht gefallen. Das sei nicht nur für die betroffenen Bauern eine Entlastung, sondern bewahre auch den Bauernbund vor zusätzlichem Aufwand. Zudem sei die IRAP für die Landwirtschaft gefallen. „Das bedeutet zehn Millionen Euro Einsparungen für die Einzelbetriebe und zusätzliche zwei Millionen weniger für Genossenschaften“, rechnete Tiefenthaler vor. Auch werde es ab 2016 wieder mehr UMA-Treibstoff für Südtirols landwirtschaftliche Betriebe geben.
Als letzte, aber für die Unterlandler nicht unwesentliche positive Prognose für 2016 ließ Leo Tiefenthaler die Katze aus dem Sack: Im Juni schon werde man mit dem Bau des neuen Bezirksbüros in Neumarkt beginnen. Wo es gebaut werden soll, ließ er aber offen.