Wirtschaft, Bauernbund | 19.01.2016

Ein spannungsvoller Geburtstag

Seit 90 Jahren dreht sich im Jänner in Berlin einige Tage lang alles um Landwirtschaft und Ernährung. Auf der Internationalen Grünen Woche ist aber nicht immer alles eitel Sonnenschein ... von Bernhard Christanell

Auch der österreichische Bundesminister Andrä Rupprechter (7. v.l.) schaute am Südtirol-Stand vorbei und unterhielt sich mit seinen Südtiroler Freunden.

Auch der österreichische Bundesminister Andrä Rupprechter (7. v.l.) schaute am Südtirol-Stand vorbei und unterhielt sich mit seinen Südtiroler Freunden.

Dass auch die Grüne Woche nicht vom allgemeinen Weltgeschehen abgekapselt ist, zeigte sich schon bei der Eröffnungsfeier: Die Einlasskontrollen waren so streng wie noch nie – eine Tatsache, die sicher nicht nur dem Umstand zuzuschreiben ist, dass mit Marokko erstmals ein außereuropäisches Land zum Partnerland der Grünen Woche auserkoren worden war. 

Deutsche Bauern besorgt
Dass die Stimmung zwischen Landwirten und Politik in Deutschland zurzeit nicht die beste ist, zeigte sich in den Reden bei der Eröffnungsfeier. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, wies auf die prekäre Lage hin, in der sich viele Bauernfamilien befinden: „Aktuell stehenwir an einem Tiefpunkt nicht nur der Agrarmärkte, sondern des gesamten weltweiten Gefüges der Rohstoffmärkte. Das hat gravierende Folgen für Einkommen, Wertschöpfung und Perspektiven der Landwirtschaft.“ In Deutschland gebe es gegenüber dem Vorjahr Einkommeneinbußen von durchschnittlich 32 Prozent. „Wir sind bereit für Veränderungen. Dazu brauchen wir Wertschöpfung und erwarten Wertschätzung!“, forderte Rukwied.

Der deutsche Bundesminister Christian Schmidt sprach weniger die Sorgen der Bauern an, sondern ging auf die Themen Ernährungssicherheit und Flüchtlingskrise an: „Die Ernährung der Menschheit ist und bleibt die vornehmste Aufgabe der Landwirtschaft, in ländlichen Gebieten genauso wie in den stetig wachsenden urbanen Zentren auf dieser Welt.“ Die Bauern rief Schmidt dazu auf, trotz der schwierigen Lage Ruhe zu bewahren: „Bevor wir nun hektisch am Steuer der Agrarpolitik drehen, müssen wir uns doch ansehen, ob wir auf dem richtigen Kurs sind! Lassen Sie uns die neuen Erfahrungen erst einmal bewerten und gleichzeitig für Vereinfachungen sorgen.“

Südtiroler nutzen Messe für Treffen mit Partnern
Auch die Vertreter der bäuerlichen Organisationen aus Südtirol nutzten die Plattform der weltgrößten Messe für Landwirtschaft und Ernährung, um ihre guten Kontakte zu pflegen. Wichtigster Treffpunkt der Südtiroler Vertreter mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten deutschen Sprachraum war wie gewohnt der Südtirol-Stand, der in diesem Jahr erstmals vom neuen Sonderbetrieb IDM als Nachfolgeorganisation der EOS betrieben wurde. Mit dabei waren unter anderem Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler, Direktor Siegfried Rinner, Bauernjugend-Landesobmann Sieghard Alber sowie Landesbäuerin-Stellvertreterin Helga Lantschner Fischnaller. 

Getroffen haben sich die Südtiroler Vertreter unter anderem mit dem österreichischen Bundesminister Andrä Rupprechter, mit Vertretern des Österreichischen und des Tiroler Bauernbundes, mit der Führungsspitze des Bayerischen Bauernverbandes sowie mit Vertretern der Deutschen Landjugend- und Bäuerinnenorganisationen. Bauernbund-Obmann Tiefenthaler ist überzeugt: „Diese Treffen mit unseren Kolleginnen und Kollegen sind für uns sehr wichtig, weil wir so unsere guten Netzwerke stärken sowie künftige Strategien abklären können.“

Mehr Eindrücke von der Grünen Woche im Facebook-Album des „Südtiroler Landwirt“
 

Das Partnerland Marokko beeindruckte mit einer Vielzahl von landestypischen Produkten.

Die Blumenhalle als optischer Höhepunkt stand unter dem Motto „Karneval der Blumen".