Bauernbund | 12.02.2016

Sachlichkeit statt Ideologie

Die beste Unterstützung für die Landwirtschaft ist es, in den Geschäften zu heimischen Lebensmitteln zu greifen: Daran erinnerte Obmann Raimund Prugger auf der SBB-Bezirksversammlung Vinschgau. Pater Urs Maria Stadelmann sprach sich für eine sachliche Diskussion in Bezug auf Lebensmittelproduktion und Ernährung aus. von Michael Deltedesco

Im Kulturhaus „Karl Schönherr“ in Schlanders versammelten sich die Bauern des Vinschgau zur Jahreshauptversammlung.

Im Kulturhaus „Karl Schönherr“ in Schlanders versammelten sich die Bauern des Vinschgau zur Jahreshauptversammlung.

Auf eine rege Tätigkeit konnte der Bezirksobmann kürzlich in Schlanders zurückblicken. Besonders hob er die gute Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Südtiroler Wirtschaftsring, Vinschgau Marketing oder dem Bauernbund Landeck hervor. Wichtig war dem Bezirksbauernrat die Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen zu den Themen Leader, Zukunft der Berglandwirtschaft oder Wildverbiss. Ein großes Potential sieht Obmann Raimund Prugger in der Almwirtschaft. Daher hat der Bezirk eine Petition der Arbeitsgemeinschaft „Vinschger Milchviehalmen“ unterstützt, mit der die Wiedereinführung der Zusatz-Alpungsprämie für die Milchviehalpung mit Milchverarbeitung vor Ort gefordert wurde. Die Verkostung von Alpkäse soll neu organisiert werden. Eine klare Botschaft sandte Prugger in Richtung Konsumenten: „Wer beim Einkauf zu heimischen Produkten greift, zeigt, dass ihm oder ihr die Landwirtschaft ein Anliegen ist.“

Kein Lobpreis auf bio oder integriert
Dass in der Diskussion über Lebensmittel immer öfter ethische oder ideologische Überlegungen mitspielen, sah Pater Urs Maria Stadelmann vom Kloster Marienberg kritisch. Ein Beispiel dafür sei die Frage, ob vegan, vegetarisch oder keines von beiden das Beste sei: „Wichtig ist, nicht in die Ideologie abzugleiten, sondern transparent und sachlich zu bleiben“, betonte Stadelmann. Er rief die Bäuerinnen und Bauern dazu auf, kreativ zu sein und sich neue Chancen für den eigenen Hof zu suchen. Im Zusammenspiel zwischen Direktvermarktung und Tourismus sah Pater Urs ein großes Potential für die Landwirtschaft.

Nicht Was, sondern Wie im Mittelpunkt
In den letzten Jahren habe sich die Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit rapide geändert. Landesrat Arnold Schuler blickte zurück: „Früher war wichtig, dass die Landwirtschaft genügend Lebensmittel produziert. Heute geht es fast nur mehr darum, wie die Lebensmittel produziert werden.“ Da sich gleichzeitig die Konsumenten immer mehr von der Landwirtschaft entfernen, sei es die Aufgabe aller, den Kontakt zwischen Produzent und Konsument zu stärken. Dazu soll eine Basiskommunikation beitragen, die – ausgearbeitet von Bauernbund und Land – Ende April startet. Daneben sei jeder gefordert, für die Landwirtschaft zu werben.
Einen zweiten Schwerpunkt legt Schuler auf die Forschung: „Wir werden uns noch mehr als bisher mit dem Klimawandel, der Berglandwirtschaft, dem Pflanzenschutz und allgemein der Ökologisierung auseinandersetzen.“ Die heimischen Forschungszentren, allen voran Versuchszentrum Laimburg und Uni Bozen, sollen dafür noch enger zusammenarbeiten.
Dritter Schwerpunkt des Landesrates sind die Förderungen. Mit Hochdruck wird an der Verbesserung der EDV-Systeme gearbeitet, die für die großen Probleme und die Verzögerungen bei der Auszahlung verantwortlich waren. Keine Zweifel ließ Schuler daran, dass die Überarbeitung der Förderkriterien dringend nötig war.

Potential in der Fleischprduktion
Bis auf den Urlaub auf dem Bauernhof und den Beregnungen, sind nun alle Förderungen überarbeitet. „Dank der neuen Förderkriterien können die Betriebe gezielter unterstützt werden“, ist Schuler überzeugt. Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler ging auf die Schwerpunkte für die kommenden Jahre ein. Potential sieht Tiefenthaler in der Fleischproduktion. Ein Qualitätsfleischprogramm soll die Produktion forcieren. Interessant sei aber auch die soziale Landwirtschaft: „Die Nachfrage nach Kinder- oder Altenbetreuung am Hof wird größer und kann eine Chance für bäuerliche Betriebe sein“, unterstrich Tiefenthaler. Mehr Geld forderte der Obmann für die Sanierung alter Bauernhöfe.

Neuer Erbhof in Lichtenberg
Über 1100 Höfe in Südtirol sind Erbhöfe. Seit heute gibt es einen Erbhof mehr. Arnold Schuler überreichte die Erbhofurkunde der Familie Anton Wieser vom Hof Pinet in Lichtenberg: „Die Erbhofurkunde ist eine besondere Auszeichnung. Sie wird verliehen, wenn ein Hof seit mehr als 200 Jahren von derselben Familie bewirtschaftet wird“, erklärte Landesrat Arnold Schuler. Ein Erbhof ist aber auch ein Auftrag, den Betrieb weiterzuführen und weiterzugeben.