Produktion, Bauernbund | 19.02.2016

Südtiroler Olivenöl ist Spitze

In Südtirol werden nicht nur hervorragende Weine, sondern auch sehr gute Olivenöle produziert. Auf der ersten Südtiroler Olivenölverkostung in Kurtatsch wurden sechs Öle heimischer Produzenten verkostet. Überrascht hat nicht nur die Qualität der Öle, sondern auch das große Publikumsinteresse. von Michael Deltedesco

Wissenswertes zum Olivenöl gab es in Kurtatsch von Massimo Fia (stehend) und dem Kurtatscher SBB-Ortsobmann Otto Pomella (ganz rechts).

Wissenswertes zum Olivenöl gab es in Kurtatsch von Massimo Fia (stehend) und dem Kurtatscher SBB-Ortsobmann Otto Pomella (ganz rechts).

Mit 50 Teilnehmern hatten die Veranstalter, die Bauernbund-Ortsgruppe Kurtatsch mit Obmann Otto Pomella an der Spitze, gerechnet. Gekommen sind dann aber über 100 Besucher, die sich die erste Verkostung von Südtiroler Olivenöl nicht entgehen lassen wollten. Sechs Öle von den heimischen Produzenten Pepi Nestl aus Dorf Tirol, Petra Seppi aus Kaltern, Alois Lageder aus Margreid, Josephus Mayr aus Bozen, der Projektgruppe „Kurtatscher Olivenöl“ und dem Landesweingut Laimburg sowie – zum Vergleich – ein hochwertiges Öl der Erzeugergenossenschaft Agririva aus Riva del Garda, konnten verkostet werden.

Verkoster voll des Lobes für Südtiroler Produzenten
Und obwohl die heimischen Produzenten erst seit wenigen Jahren Öl produzieren, haben alle Olivenöle Publikum wie Verkoster überzeugt. Der geprüfte Olivenölverkoster und Direktor der Erzeugerorganisation Agririva, Massimo Fia, erklärte: „Ein gutes Olivenöl muss nach frisch geschnittenem Gras riechen, im Mund müssen Schärfe und Bitterkeit im Gleichgewicht sein. Das ist bei allen diesen Südtiroler Ölen der Fall.“
Während der Verkostung erklärte Fia nicht nur die Verkostungstechniken, sondern räumte auch mit einigen weit verbreiteten Vorurteilen über Olivenöl auf. So sei gerade die Bitterkeit ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Sie kommt von den Polyphenolen, die besonders gesund sind.
Kein Qualitätsmerkmal sei hingegen die Farbe des Öls. „Je nach der Sorte, Farbe und Reife der verwendeten Oliven können Öle gelb- oder grünlicher sein.“ Das maschinell gepresste „Olivenöl extra vergine“ eigne sich zudem sehr gut zum Braten und Frittieren.

Produktion von Olivenöl wird Hobby bleiben
Trotz der hohen Qualität und des großen Interesses der Konsumenten am einheimischen Olivenöl wird die Olivenöl-Produktion für die allermeisten Produzenten nicht mehr als ein Hobby bleiben. Davon ist der Kurtatscher SBB-Ortsobmann Otto Pomella überzeugt: „Der Ertrag aus den Oliven ist, etwa im Vergleich zum Weinbau, zu gering, um den Weinreben Konkurrenz zu machen. Für den einen oder anderen Produzenten könnten die Olivenproduktion zu einem kleinen Zuerwerb werden.“
Was den Anbau betrifft, ist der Olivenbaum nicht besonders anspruchsvoll. „Lediglich der Baumschnitt ist etwas aufwändig, für einen Obstbauer aber kein Problem. Aufzupassen ist auf die Olivenfruchtfliege, die sich mit natürlichen Maßnahmen gut bekämpfen lässt“, berichtet Pomella. Der größte Aufwand ist die Ernte, da die Oliven mit der Hand gepflückt werden müssen.

Projekt „Kurtatscher Olivenöl“ vor sieben Jahren gestartet
Die händische Ernte ist auch eine der Auflagen des Projektes „Kurtatscher Olivenöl“, das 2009 von der Bauernbund-Ortsgruppe Kurtatsch ins Leben gerufen wurde. Die Idee dazu hatte der frühere Tourismusvereins-Direktor Pepi Bonora. 2015 haben 115 Produzenten ihre Oliven nach Kurtatsch geliefert. „Die meisten Produzenten besitzen nur eine Handvoll Bäume. Der größte Produzent hat uns 100 Kilo Oliven geliefert, der kleinste gerade einmal einige hundert Gramm“, blickte Pomella zurück. Nach der mechanischen Pressung in Riva del Garda bekommen die Produzenten ihr Öl zurück. Einige Liter des flüssigen Goldes werden zu Weihnachten von der SBB-Ortsgruppe gegen eine Spende abgegeben.

Olivenbäume im Unterland kein Novum
In den kommenden Jahren erwartet sich Pomella, sofern die Witterung mitspielt, einen Anstieg der Anlieferung, da in den letzten Jahren vermehrt Bäume gepflanzt worden sind. Mehr als eine Nische wird die Olivenöl-Produktion aber nie werden. Interessantes Detail am Rande: Die Olivenöl-Produktion ist in Südtirol nicht neu. Bereits im Mittelalter gab es im Unterland Olivenbäume, die in der Folge verschwunden sind. Nun lebt der Olivenanbau neu auf – auch Dank der rührigen Kurtatscher SBB-Ortsgruppe. Mehr Infos über das „Kurtatscher Olivenöl“ gibt es auf einer eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite.

Sechs heimische Produzenten und ein Gast aus dem Trentino nahmen an der Verkostung in Kurtatsch teil.

Über 100 Besucher wollten sich die erste Olivenöl-Verkostung nicht entgehen lassen.