Bauernbund | 27.02.2016

Bergbauern verdienen Respekt und Anerkennung

Stellvertretend für die über 7.000 Bergbauernfamilien im Land hat der Südtiroler Bauernbund bei der Landesversammlung drei Familien für ihren unermüdlichen Einsatz und die besonderen Leistungen mit dem Bergbauernpreis 2016 ausgezeichnet.

Die drei Bergbauernpreis-Familien auf einen Blick

Die drei Bergbauernpreis-Familien auf einen Blick

Seit über 40 Jahren verleiht der Südtiroler Bauernbund den Bergbauernpreis an drei Bergbauernfamilien. „Damit möchten wir Familien ehren, die Außergewöhnliches leisten. Sie mähen jede noch so steile Wiese und tragen so wesentlich zum Erhalt der Kulturlandschaft bei, produzieren hochwertige Lebensmittel und sind in Vereinen und Organisationen aktiv“, sagte Landesobmann Leo Tiefenthaler auf der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes in Bozen. Immer wieder beeindruckend sei die Einstellung der Bergbauern: ihre Verbundenheit mit dem eigenen Hof, ihr Fleiß bei der tagtäglichen Arbeit, der Wille, das Beste aus dem Hof zu machen, und ihre Bescheidenheit. „Unsere Bergbauern verdienen Respekt und Anerkennung“, so Tiefenthaler.
Gestiftet werden die Bergbauernpreise von den Südtiroler Raiffeisenkassen. „Der Preis ist symbolische Anerkennung und eine Wertschätzung der Leistungen unserer Bergbäuerinnen und Bergbauern“, betonte Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol.

Drei Familien sind bei der Landesversammlung mit dem Bergbauernpreis 2016 ausgezeichnet worden.

Alois und Anna Berger, Unterschweighof, St. Nikolaus/Ulten
Als Alois Berger vor über 20 Jahren den extremen Hof Unterschweig (110 Erschwernispunkte!) oberhalb von St. Nikolaus übernommen hat, hatten er und Bäuerin Anna einen besonderen Wunsch: Den Hof auf 1.750 m im Vollerwerb zu führen und von dem, was am Hof wächst und produziert wird, leben zu können.“ 1993 haben sie begonnen, die Milch der 8 Kühe der seltenen Rasse „Original Braunvieh“ am Hof selbst zu Käse zu veredeln – der einzige Weg, um vom Hof alleine leben zu können. In den folgenden Jahren sind weitere Produkte vom Hof dazugekommen, wie Speck, Wurstwaren, Sirupe, Kräutersalz und Tees, viele der Marke „Roter Hahn“. Die hofeigenen Produkte werden sehr erfolgreich im Hofladen, an Hotels und Geschäfte verkauft.
Zweites Standbein am Biohof ist der Urlaub auf dem Bauernhof. Vor einigen Jahren haben Alois und Anna Berger ein Holzhaus in typisch Ultner Bauweise mit 4 Ferienwohnungen errichtet. In den letzten Jahren haben Alois und Anna Berger viel in den Hof investiert. Erst vor kurzem wurde ein neuer Laufstall fertiggestellt. Bei der Bewirtschaftung des Hofes werden Alois und Anna Berger von den Kindern Martin, Alexander, Gabriel und Thomas tatkräftig unterstützt. Ihr Ziel von damals, unabhängig zu sein und vom Hof alleine leben zu können, hat die Familie nun erreicht.
Vorbildlich ist auch der Einsatz für die Dorfgemeinschaft. Ehrenamtlich war die Familie u. a. bei den verschiedenen bäuerlichen Organisationen, in der Weginteressentschaft, im Pfarrgemeinderat und im Männerchor aktiv.

Hubert und Martha Oberkofler, Hinterbrunn, Afing/Jenesien
Der Bergbauernhof Hinterbrunn wurde zwar erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, im Eigentum der Familie ist er aber erst seit knapp 80 Jahren. Der Hof wird von Hubert und Martha Oberkofler, Mutter Filomena und Schwester Brigitta im Vollerwerb bewirtschaftet. Bei kleineren Arbeiten helfen bereits die Kinder Magdalena und Hannes mit. Im Jahr 2000 hat Hubert Oberkofler die Hälfte eines zweiten Bergbauernhofes übernommen. Somit gehören heute knapp 9,5 Hektar Kulturgrund zum Hof, auf 10 Hektar möchte Hubert Oberkofler den Hof erweitern.
Um die Bewirtschaftung zu erleichtern, wurden in den letzten Jahren ein neuer Stadel errichtet, ein Heukran, ein Traktor und ein Trasporter angekauft,  Wiesen planiert und Wege gebaut. Zudem hat Hubert Oberkofler zwei Wasserspeicher errichtet, mit denen er den Großteil der Wiesen bewässern kann.
Der Hinterbrunn ist ein klassischer Milchviehbetrieb mit 15 Kühen und etwa 10 bis 12 Jungrindern der Fleckviehrasse.
Neben der Milchwirtschaft ist die Forstwirtschaft die zweite Einkommensquelle am Hof. Etwa 200 m³ Holz verkauft Hubert Oberkofler jährlich. Die nachhaltige Bewirtschaftung des 100 Hektar großen Waldes garantiert ein Waldbewirtschaftungsplan.
Lang ist die Liste des ehrenamtlichen Engagements der Familie: Musikkapelle, Bauernbund-Ortsgruppe, Gemeindeausschuss, Bäuerinnenorganisation, Wegeinteressentschaft, Interessentschaft Schwarzegg und Bodenverbesserungskonsortium.

Thomas und Heidi Zimmerhofer, Aussermairhof, Ahornach/Sand in Taufers
Ein extrem schwer zu bewirtschaftender Bergbauernhof ist der Aussermairhof in Ahornach/Sand in Taufers, was auch die 101 Erschwernispunkte eindrucksvoll belegen. Vor 12 Jahren haben Thomas und Heidi Zimmerhofer, zusammen mit anderen Bauern aus dem Tauferer Ahrntal, den Hof auf die biologische Landwirtschaft umgestellt. Die Milch der 15 Kühe wird an den Milchhof Sterzing geliefert. Zweites Standbein der Familie ist der Urlaub auf dem Bauernhof: Zwei Ferienwohnungen werden am Hof vermietet – unter der Qualitätsmarke „Roter Hahn“. Neben seiner Tätigkeit am Hof arbeitet Thomas Zimmerhofer noch in einem Produktionsbetrieb in Bruneck. Das Einkommen wird am Bergbauernhof investiert. So wurden in den letzten Jahren der Maschinenpark modernisiert, eine Garage gebaut, Feldwege und Feldmauern saniert.
Wenn Thomas auf der Arbeit ist, kümmern sich Bäuerin Heidi und Schwiegermutter  Marianna um die Stallarbeit, das Füttern der Tiere und das Melken. Im Sommer helfen die Kinder Annalena, Katharina, Joachim und Lorenz regelmäßig bei der Heuernte auf den 6 Hektar Wiesen und der 1,5 Hektar großen Bergwiese mit. Zudem werden noch 4,5 Hektar Pachtflächen gemäht.
Die Familie spielt im Leben von Thomas und Heidi Zimmerhofer eine große Rolle – und das nicht erst, seit sie Neffe Lorenz als Pflegekind aufgenommen haben.
Einen besonderen Stellenwert nimmt das Ehrenamt ein. Thomas Zimmerhofer ist im Ausschuss der Feuerwehr aktiv, in der Höfekommission, im Viehversicherungsverein und Fraktionspräsident. Bäuerin Heidi ist im Chor, Ausschussmitglied im KFS und Lektorin, die Töchter spielen in der Musikkapelle mit.