Marketing, Bauernbund | 29.02.2016

„Regionale Lebensmittel werden zur Marke“

Kaum ein Trend im Lebensmittelbereich wird in den nächsten Jahren so bedeutend werden wie die Regionalität. Davon profitieren vor allem die bäuerlichen Direktvermarkter. Am erfolgreichsten werden jene Bäuerinnen und Bauern sein, die sich spezialisieren, hieß es auf der ersten Fachtagung zur Direktvermarktung.

Für Hanni Rützler gehören regionalen Lebensmittel die Zukunft, da sich immer mehr Menschen nach Nähe und Authentizität sehnen.

Für Hanni Rützler gehören regionalen Lebensmittel die Zukunft, da sich immer mehr Menschen nach Nähe und Authentizität sehnen.

Als Gegentrend zur Globalisierung gewinnt die Regionalität immer stärker an Bedeutung. „Der Konsument sehnt sich nach Nähe, Frische und Authentizität. Diese Sehnsucht können regionale Lebensmittel am besten erfüllen“, unterstrich die Trendforscherin Hanni Rützler vom futurefoodstudio aus Wien. Daher gehöre dem Regionalen und damit der Direktvermarktung die Zukunft. „Das Regionale kann zu einer Marke werden, wenn es gelingt, die Eigenheit einer Region mit den Lebensmitteln zu ‚transportieren‘ und Geschichten zu erzählen: vom Produzenten, der Herkunft oder der Verarbeitung der Lebensmittel.“ Besonders in den Städten boomen derzeit neue Gastronomiekonzepte, die genau diese Philosophie des „Super Local Food“ wiederspiegeln. Zudem seien in den Metropolen Bauernmärkte hoch im Kurs. Den größten Erfolg hätten jene Bäuerinnen und Bauern, die auf Raritäten, auf besondere Rohprodukte setzten, wie etwa alte Sorten. „Ich wünsche mir, dass die Produzenten den Mut haben, auch neue Wege zu gehen.“

Technologie bestimmt zunehmend das Essen
Nicht nur die Herkunft und die Herstellung von Lebensmitteln werden sich ändern. Die Technik verändert auch die Einkaufslandschaft. „In wenigen Jahren wird ein großer Teil des Einkaufs im Internet stattfinden – jeden Tag und jede Uhrzeit. Was bei Konsumgütern bereits Realität ist, wird auch bei Lebensmitteln und bei fertig gekochtem Essen kommen. Das wissen auch die Supermärkte“, war Rützler überzeugt. Darauf müssten sich die bäuerlichen Direktvermarkter mit entsprechenden Angeboten vorbereiten. Zudem sei es sinnvoll, nicht nur Lebensmittel anzubieten, sondern bereits „Essenslösungen“, wie Snacks, Salate, Suppen usw.

Südtirol hat gute Voraussetzungen
Dass Südtirols Bäuerinnen und Bauern gute Voraussetzungen haben, um als Direktvermarkter erfolgreich zu sein, ist Hans J. Kienzl, der Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund überzeugt. „Wir haben motivierte Bäuerinnen und Bauern, die hochwertige Produkte und eine große Produktvielfalt bieten – und dazu den Markt mit über 500.000 Einwohnern und sechs Millionen Gästen.“ Den Direktvermarktern biete die Marke „Roter Hahn“, die auch für „Qualitätsprodukte vom Bauern“ vergeben wird, Hilfestellung an. Zudem habe die Weiterbildungsgenossenschaft im SBB Seminare für Direktvermarkter im Angebot. Im Klaren müssten sich die Bauern aber auch sein, dass die Direktvermarktung Investitionen nötig macht, die nicht zu unterschätzen sind.

„Wow, das möchte ich haben“
Neben den Trends in der Direktvermarktung und beim Essen, beschäftige sich die 1. Fachtagung in der Messe Bozen mit der richtigen Verpackung, die neben einem hochwertigen Produkt zu den wichtigsten Erfolgskriterien zählt. Hannes Knollseisen, Mitarbeiter der Abteilung Marketing im SBB, brachte es auf den Punkt. „Eine Verpackung muss ‚kuss‘ sein – klar, überzeugend und sehr stimmig.“ Das betreffe die Materialien der Verpackung genauso, wie Farben oder Formen, damit der Konsument das Gefühl bekommt: „Wow, das möchte ich haben“.

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Interview mit der Lebensmittel-Trendforscherin Hanni Rützler