Technische Beratung, Bauernbund | 13.04.2016

Die Materialseilbahnen-Pflicht

Das Gesetz stammt bereits aus dem Jahr 2006: Betreiber von Materialseilbahnen brauchen eine Betriebsbewilligung. Wer eine solche noch immer nicht hat, bekommt demnächst Post vom Gemeindenverband. von SBB-Betriebsberatung

Gefahr Materialseilbahn: Führt sie über eine Straße, braucht es Schutzmaßnahmen

Gefahr Materialseilbahn: Führt sie über eine Straße, braucht es Schutzmaßnahmen

Viele Betreiber von Materialseilbahnen verfügen nicht über die erforderliche Betriebsbewilligung. Darauf weist das Landesamt für Forstplanung nach seinen Erhebungen hin. Ein entsprechendes Landesgesetz aus dem Jahr 2006 sieht solche Betriebsbewilligungen und die damit einhergehenden Auflagen vor. Demnächst wird der Gemeindenverband allen betroffenen Seilbahnbetreibern ein Schreiben zuschicken. Darin werden Fristen für den Nachweis der Betriebsbewilligungen vorgegeben.
Bei den Materialseilbahnen wird zwischen zwei Anlagentypen unterschieden:
Materialgroßseilbahnen betreffen Anlagen mit einer Nutzlast über 1000 kg, bei Materialkleinseilbahnen und Seilriesen muss die Nutzlast unter 1000 kg liegen.

Groß- und Kleinseilbahnen
Für Materialgroßseilbahnen muss laut Schreiben bis Ende 2016 die Betriebsbewilligung vorliegen. Dafür ist eine Abnahme durch einen Seilbahnsachverständigen erforderlich. Dieser begutachtet die Seilbahnanlage. Sofern sie die technischen Anforderungen erfüllt, stellt er eine Abnahmebescheinigung aus. Vorgeschrieben ist zudem der Abschluss einer Haftpflichversicherung gegen Schäden, die die Anlage an Personen, Tieren oder Sachen verursachen kann.
Für Materialkleinseilbahnen und Seilriesen ist eine Betriebsbewilligung nur dann erforderlich, wenn die Bahn öffentliche Bauten oder bewohnte Gebäude bzw. eine öffentliche Straße (Landesstraße, Gemeindestraße, ländliches Wegenetz) überquert.
Zur Ausstellung der Betriebsbewilligung für Materialkleinseilbahnen und Seilriesen ist grundsätzlich auch eine Abnahme von Seiten eines Seilbahnsachverständigen erforderlich. Von einer Betriebsbewilligung kann nur dann abgesehen werden, wenn eine zeitweilige Schließung des betroffenen Straßenabschnittes vorgenommen oder andere geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden. Geeignete Schutzbauten müssten bei einem Herabstürzen der Bahn oder der Seile auf die Straße Schäden an Personen oder Fahrzeugen verhindern können. Zeitweilige Straßenschließungen oder entsprechende Hinweise wie Beschilderungen beim betroffenen Straßenabschnitt sind jedoch in jedem Fall mit der zuständigen Gemeindeverwaltung abzuklären bzw. müssen von den zuständigen Behörden verfügt werden.
Der Abschluss einer Haftpflichtversicherung gegen Schäden an Personen, Tieren oder Sachen ist vorgeschrieben.

Bis Ende 2016 umsetzen
Die erforderliche Betriebsbewilligung bzw. die vorgeschriebenen Maßnahmen müssen in jedem Fall bis Ende des Jahres 2016 eingeholt bzw. umgesetzt werden.
Verfügt der Betreiber von Materialseilbahnen über keine Betriebsbewilligung bzw. hält er die entsprechenden Auflagen nicht ein, sind Strafen zwischen 775 und 1550 Euro vorgesehen.
Laut dem Amt für Forstplanung sind landesweit noch 22 Materialgroßseilbahnen, 235 Materialkleinseilbahnen und 30 Schussdrähte ohne Betriebsbewilligung. Ein Großteil dieser Anlagen befinden sich in den Gemeinden Ulten, St. Pankraz, St. Martin, St. Leonhard und Moos in Passeier, Schnals, Sarntal, Sand in Taufers, Partschins, Naturns, Mühlwald, Gais und Ahrntal.

Auskünfte beim SBB
Das Technische Büro der Bauernbund-Betriebsberatung in Bozen erteilt bei Bedarf Auskünfte: betriebsberatung@sbb.it oder Tel. 0471 999439.