Bauernbund | 13.04.2016

Drei Länder, gemeinsame Anliegen

Ob bei der Gemeinsamen Agrarpolitik, beim Blick auf den Milchmarkt oder den Großraubtieren: beim Treffen der Bauernbünde von Südtirol, Tirol und Bayern zeigte sich einmal mehr, dass die Anliegen der Bauern in den drei Ländern ähnlich sind. von Michael Deltedesco

Der Milchmarkt gerät immer stärker unter Druck. Wie dem begegnet werden kann, war Thema beim Drei-Länder-Treffen der Bauernbunde von Südtirol, Tirol und Bayern.

Der Milchmarkt gerät immer stärker unter Druck. Wie dem begegnet werden kann, war Thema beim Drei-Länder-Treffen der Bauernbunde von Südtirol, Tirol und Bayern.

Bereits in der Vergangenheit haben die Bauernbunde der drei Länder Südtirol, Tirol und Bayern den Schulterschluss geprobt. Bestes Beispiel dafür war die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik von 2014, wo die bäuerlichen Vertreter aus dem Alpenraum geschlossen Verbesserungen gefordert und letztlich auch durchgesetzt haben.

Gemeinsame Anliegen bei GAP
Ein gemeinsames Auftreten der bäuerlichen Vertreter wird es auch in den Verhandlungen über die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)von 2020 – 2026 geben, damit die Rahmenbedingungen auch in Zukunft passen. Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler erklärte bei dem Drei-Länder-Treffen in Hall in Tirol: „Ziel muss es sein, die erste wie zweite Säule zu erhalten. Einige würden allzu gerne die erste Säule, die die Direktzahlungen an die Bäuerinnen und Bauern beinhaltet, kürzen.“ Das aber sei mit den Bauernverbänden nicht zu machen. Der Bayerische Bauernverbandspräsident Walter Heidl forderte ebenfalls, dass „der Finanzrahmen und die Direktzahlungen bleiben müssen!“ Für den Tiroler Bauernbund mit Obmann Josef Geisler und Direktor Peter Raggl an der Spitze müssen die Geldmittel in der zweiten Säule mehrheitlich für die Landwirtschaft reserviert werden. Da die Diskussion heiß werden dürfte, müssten die Leistungsentgelte sehr gut begründet werden, waren sich die Bauernvertreter einig. Zudem müsse laut Tiefenthaler das Berggebiet ein Schwerpunkt der zukünftigen Agrarpolitik bleiben.

Sorgen um den Milchmarkt
Sorgen bereitet den Vertretern aller drei Länder die Entwicklung am Milchmarkt. Während Südtirol den Druck auf dem Milchmarkt erst seit kurzem spürt, ist der Preis in Deutschland und Österreich schon seit einiger Zeit nicht mehr zufriedenstellend. Grund dafür ist der Produktionsanstieg in einigen europäischen Ländern. Mittlerweile denken einige Milchhöfe bereits an eine Mengensteuerung. Erschwerend kommt hinzu, dass besonders der Handel immer höhere Auflagen fordert, aber nicht bereit ist, dafür mehr zu bezahlen. Mit verschiedenen Aktionen möchte der Bayerische Bauernverband auf diesen Umstand aufmerksam machen. Über „krisenhafte Preise“ klagte auch Josef Hechenbichler, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol. Ein Ausweg könnten Liquiditätsbeihilfen für die Milchviehbetriebe sein. Möglich wäre aber auch ein Operationelles Programm für die Milchhöfe, mit dem Investitionen gefördert und so die Mitglieder weniger belasten würden.

Der Wolf ist nicht erwünscht
Ein weiteres Thema des Drei-Länder-Treffens war die Zunahme des Großraubwilds im Alpenraum. Nicht nur Bären erschweren die Arbeit der Bergbauern, sondern immer öfter auch Wölfe. „In Bayern gibt es drei Managementpläne, je einen für Wolf, Bär und Luchs. Was aber fehlt, ist eine Grundsatzdiskussion“, sagte Heidl. Ein gemeinsames Auftreten sei wichtig, da auch die Naturschützer grenzüberschreitend vernetzt sind.
Südtirol habe mit Bären bereits Erfahrungen gemacht, mit Wölfen weniger. Die seien aber das größere Problem und durch den Wolfsplan besonders geschützt. „Dieser berücksichtigt die Auswirkungen auf die Weidehaltung kaum“, kritisierte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Insgesamt müsse deutlicher aufgezeigt werden, was die Ansiedelung von Bären und Wölfen für die Weidehaltung bedeutet. „Das Halten von Schafen und Ziegen kann man vergessen.“

Den Konflikt mit den Wildtieren könnten Präventionsmaßnahmen und Entschädigungszahlungen zwar entschärfen, gelöst würde damit das Problem aber nicht. Einig waren sich die Bauernvertreter darin, dass für Wolfsrudel in den dicht besiedelten Alpenräumen kein Platz sei. Wichtig sei nun, mit vernünftigen Tierschützern ins Gespräch zu kommen und klar zu machen, dass das Offenhalten der Flächen durch die Weidehaltung auch ein Beitrag zum Naturschutz ist. Mit dem Bären werden sich die Bewohner der Alpen hingegen wohl arrangieren müssen. Keine Toleranz gebe es aber bei Problembären: Für die gibt es im Alpenraum keinen Platz.