Arbeitsberatung | 21.06.2016

Arbeitszeit in der Landwirtschaft

Auch wenn Landwirtschaftsbetriebe Mitarbeiter oft für kurze Zeiträume beschäftigen, müssen sie die Regelungen der Arbeitszeit einhalten. Die Bauernbund-Arbeitsberatung/Löhne erklärt im folgenden Artikel, was die Arbeitgeber dabei beachten müssen.

Arbeiter in der Landwirtschaft werden oft für kurze, arbeitsintensive Zeiträume beschäftigt. Trotzdem gilt es auch für sie, die Regelungen der Arbeitszeit einzuhalten. Sowohl der Gesetzgeber als auch der Kollektivvertrag geben diesbezüglich Richtlinien vor. Allerdings bietet der Kollektivvertrag für landwirtschaftliche Arbeiter auch eine gewisse Flexibilität, die von Landwirtschaftsbetrieben in Anspruch genommen werden kann.

Maximale Arbeitsstunden
Die am häufigsten gestellte Frage lautet: Wie viele Stunden darf ein Arbeiter in der Woche höchstens leisten? Die Antwort: Es dürfen maximal 62 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Allerdings müssen einige Voraussetzungen gegeben sein:
a) Erhöhung der normalen Arbeitszeit und Zeitausgleich
Die normale wöchentliche Arbeitszeit beträgt 39 Stunden. Damit in der Woche 62 Stunden gearbeitet werden können, muss der so genannte Zeitausgleich in Anspruch genommen werden. Damit wird die normale Arbeitszeit auf 44 Stunden pro Woche erhöht. Die Stunden zwischen der 40. und der 44. Stunde werden dafür in anderen Wochen weniger (und zwar weniger als 39 Stunden) gearbeitet. Der Zeitausgleich kann für maximal 85 Stunden pro Jahr erfolgen.
b) Höchstanzahl an Überstunden
Die restlichen 18 Stunden, um die 62 Wochenstunden zu erreichen, sind Überstunden. Es handelt sich um jene Stunden, die die normale Arbeitszeit (also 39 oder 44 Stunden) übersteigen. Pro Woche dürfen nicht mehr als 18 Überstunden geleistet werden, pro Jahr nicht mehr als 300. Diese sind mit einem Aufschlag zu entlohnen, und zwar 15 Prozent bei Erntehelfern, für die der Zeitausgleich nicht in Anspruch genommen wird; 32 Prozent für die restlichen Arbeiter; 40 Prozent, falls die Überstunden an Sonn- und Feiertagen geleistet werden.
c) Durchschnittswert von 48 Stunden pro Woche
In einem Zeitraum von sechs Monaten – bzw. innerhalb der gemeldeten Arbeitsperiode – muss ein Durchschnitt von 48 Stunden pro Woche eingehalten werden. Das bedeutet: Der Arbeiter kann in einigen Wochen mehr als 48 Stunden arbeiten (höchstens 62), muss aber in anderen Wochen weniger arbeiten.

Wann man einen Zeitausgleich anwenden kann
Wie erläutert, erlaubt der Kollektivvertrag, die normale Arbeitszeit von 39 Stunden pro Woche auf 44 Stunden zu erhöhen (mit späterem Zeitausgleich).
Dadurch besteht einerseits die Möglichkeit, mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, andrerseits die normale Arbeitszeit flexibler zu gestalten. Das ist dann sinnvoll, wenn mit Arbeitsunterbrechungen zu rechnen ist (z. B. in der Ernte bei Arbeitsausfall wegen Schlechtwetters).
Was den ökonomischen Aspekt betrifft, wird bei der Erhöhung der normalen Arbeitszeit kein Aufschlag bezahlt. Das bedeutet: Der Taglöhner wird für die effektiv geleisteten Stunden entlohnt, während der Fixarbeiter seinen gewöhnlichen Monatslohn erhält. Die Tabelle verdeutlicht den Unterschied.

Ruhetag
Jeder Arbeitnehmer muss einen Ruhetag pro Woche einhalten, das heißt eine Pause von 24 durchgehenden Stunden. Wenn möglich, sollte der Ruhetag am Sonntag gewährt werden, andernfalls an einem anderen Tag. Minderjährige Arbeiter müssen auf jeden Fall am Sonntag den Ruhetag einhalten.
Der Ruhetag kann auch als Durchschnittswert in 14 Tagen genossen werden. Das bedeutet, dass alle 14 Tage zwei volle Tage arbeitsfrei sein müssen. Demzufolge können maximal 12 Tage ununterbrochen gearbeitet werden. Anschließend müssen zwei aufeinanderfolgende Ruhetage gewährt werden.
Ein Verzicht von Seiten des Arbeitnehmers zur Nichteinhaltung des wöchentlichen Ruhetages ist nicht gültig und schützt den Arbeitgeber nicht vor eventuellen Verwaltungsstrafen.

Ruhezeit und Ruhepausen
In einem Zeitraum von 24 Stunden muss der Arbeiter eine tägliche Ruhezeit von elf aufeinanderfolgenden Stunden genießen. Dies bedeutet, dass pro Tag höchstens 13 Stunden (24 minus 11) gearbeitet werden können.
Wenn die tägliche Arbeitszeit mehr als sechs durchgehende Stunden beträgt, hat der Arbeiter außerdem das Anrecht auf zehn Minuten Pause. Diese Pause ist allerdings nicht zu bezahlen.