Arbeitsberatung | 23.06.2016

Erntehelfer richtig anstellen

Wer saisonale Arbeitskräfte für die Ernte anstellt, sollte auch bürokratisch alles richtig machen. Hier eine Anleitung, wie man sich als bäuerlicher Arbeitgeber vorbereitet.

Arbeitskräfte bei der Ernte: Wer sie  beschäftigt, hat Pflichten als Arbeitgeber.

Arbeitskräfte bei der Ernte: Wer sie beschäftigt, hat Pflichten als Arbeitgeber.

Beim händischen Ausdünnen und in der Erntezeit stehen viele Betriebsinhaber und deren Familienmitglieder unter großem Zeitdruck. Viele Betriebe sind für die Bewältigung der Arbeit auf Erntehelfer angewiesen. Sie werden damit zu Arbeitgebern und als solche übernehmen sie Verantwortung. Eine gute Vorbereitung kann die landwirtschaftlichen Arbeitgeber vor späteren Problemen bewahren.

Erstmals Arbeitgeber
Betriebe, die das erste Mal landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigen, müssen vor Beginn der Arbeit beim Nationalen Fürsorgeinstitut NISF/INPS die so genannte Betriebsmeldung einreichen. Mitzuteilen sind dabei alle Grundstücke und Maschinen des Betriebes. Es handelt sich dabei um eine einmalige Verpflichtung, die nicht jährlich wiederholt werden muss. Später müssen nur noch Änderungen – z.B. Pachtflächen – mitgeteilt werden.
Da zahlreiche Informationen abgefragt werden, sollten sich jene Betriebe, die die Lohnbuchhaltung beim Südtiroler Bauernbund Abteilung Arbeitsberatung/Löhne machen wollen, aus organisatorischen Gründen einige Wochen vor Erntebeginn melden. Dadurch wird gewährleistet, dass alle Formalitäten fristgerecht erledigt werden können.
Zudem gilt es, die Verpflichtungen im Bereich Arbeitssicherheit einzuhalten. Neue Arbeitgeber müssen die Pflichtkurse besuchen und eine Risikobewertung abfassen.

Arbeiter rechtzeitig melden
Die wichtigste Voraussetzung, um spätere Strafen – z.B. für Schwarzarbeit – zu vermeiden, ist eine pünktliche Anmeldung der Arbeiter beim Arbeitsamt.
Auch die Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft müssen bis spätestens am Tag vor Arbeitsbeginn beim Landesamt für Arbeitsmarktbeobachtung gemeldet werden. Diese Meldung erfolgt ausschließlich elektronisch über das Portal der Landesverwaltung ProNotel2 (www.provinz.bz.it/ ProNotel2). Sie kann entweder von zu Hause aus erledigt oder von den Mitarbeitern der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung in den Bezirksbüros vorgenommen werden. Dabei müssen alle relevanten Daten der Arbeiter bis spätestens zwei Tage vor Arbeitsbeginn den Mitarbeitern mitgeteilt werden. Besonders wichtig ist eine korrekte und leserliche Steuernummer.
Der Arbeitgeber muss beim Betriebssitz eine Kopie der Anmeldung aufliegen haben. Wird der Arbeiter nicht bei den zuständigen Stellen gemeldet, handelt es sich um Schwarzarbeit. Im Falle einer Kontrolle durch die Behörden kann es dann zu sehr hohen Strafen kommen. Außerdem sollte sich der Arbeiter auf der Wiese ausweisen können.  

Steuernummer beantragen
Für die Anmeldung benötigt man die Steuernummer des Arbeitnehmers. Viele Arbeiter kommen aus den östlichen EU-Ländern. Falls der Arbeiter das erste Mal in Italien arbeitet, muss für ihn die Steuernummer beantragt werden. Es ist zu empfehlen, die Steuernummer so früh wie möglich zu beantragen. Wenn der Betrieb die Steuernummer für einen Arbeiter, der erstmals in Italien arbeitet, anfragt, muss er dazu ein eigenes Formular verwenden. Es beinhaltet auch einen Teil, in dem der Arbeiter den Betrieb bevollmächtigt, die Steuernummer zu beantragen. Das Formular wird von den Steuerämtern nur noch original unterschrieben akzeptiert.
Zudem braucht es folgende Dokumente für die Steuernummer: Kopie des Reisepasses; bei Nicht-EU-Bürgern zusätzlich Original bzw. Postabriss der Aufenthaltsgenehmigung.

Gemeinschaftliche Anstellung
Seit vergangenem Jahr ist die gemeinschaftliche Anstellung von Arbeitnehmern in der Landwirtschaft möglich. Dabei können zwei oder mehrere Betriebe zusammen Arbeitnehmer beschäftigen. Voraussetzung ist, dass die Betriebsinhaber bis zum dritten Grad (Nichte/Neffe, Onkel/Tante) verwandt bzw. verschwägert sind. Unter Verschwägerten versteht man dabei die Verwandten des Ehepartners.   
Um die gemeinschaftliche Anstellung anwenden zu können, müssen die Betriebe ein Abkommen abschließen. Darin legen sie fest, welcher Betrieb die Verpflichtungen übernimmt. Dieses Abkommen muss dann mit „sicherem Datum“ – z.B. per zertifizierte E-Mail (PEC) – an den Südtiroler Bauernbund geschickt werden. Wenn Betriebe die Möglichkeit der gemeinschaftlichen Anstellung nutzen wollen, sollten sie sich mindestens eine Woche vorher in der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne des Südtiroler Bauernbundes melden.
Die jeweiligen Arbeitgeber haften solidarisch für die vertraglichen und sozialrechtlichen (Beiträge NISF/INPS) Verpflichtungen. Ein Arbeitnehmer hat somit zwei oder mehrere Arbeitgeber, er bekommt aber nur einen Lohnstreifen, auf dem alle gearbeiteten Stunden und der Lohn angeführt sind. Die einzelnen Betriebe müssen jedoch weiterhin die Stunden getrennt notieren, da sie bei der Meldung an das NISF/INPS getrennt angeführt werden müssen.

Verleih von Arbeitern
Der Verleih von Arbeitern an andere Bauern bzw. von anderen Bauern ist vom Gesetz her verboten. Arbeitet ein Arbeiter bei zwei verschiedenen Arbeitgebern, muss er bei beiden gemeldet sein. Eine Ausnahme bildet hier die im vorherigen Absatz beschriebene gemeinschaftliche Anstellung.  
Falls Betriebe den Verleih von Arbeitern anbieten, oder falls sie anbieten, die Erntearbeiten zu übernehmen, sollte unbedingt abgeklärt werden, ob die Abwicklung rechtlich korrekt erfolgt.  

Nicht-EU-Bürger
Werden Nicht-EU-Bürger angestellt, die sich schon im Land befinden, so ist darauf zu achten, dass sie eine für Arbeitszwecke gültige Aufenthaltsgenehmigung bzw. den Abriss der Post für deren Verlängerung besitzen (s. ausführlich auf S. 33).
Daten für Lohnstreifen mitteilen
Für jeden gemeldeten Arbeiter müssen am Ende des Monats das Lohnbuch und der Lohnstreifen ausgearbeitet werden. Deshalb müssen innerhalb Monatsende die von den Arbeitern gearbeiteten Tage und Stunden mitgeteilt werden. Vorzugweise ist dazu der vom Lohnbüro zur Verfügung gestellte Kalender zu verwenden. Wurde die Anmeldung der Arbeiter von zu Hause aus gemacht, muss eine Kopie der Anmeldebestätigung übermittelt werden.
Des Weiteren muss auch das vom Arbeiter unterschriebene Formular für die Steuerabsetzbeträge im Lohnbüro abgegeben werden.

Abfertigung
Die Abfertigung des landwirtschaftlichen Taglöhners ist als Stundenwert festgelegt. Sie ist auf jedem Lohnstreifen figurativ enthalten. Der Betrag ist auf dem letzten Lohnstreifen des Arbeitsverhältnisses ausgewiesen und muss dem Arbeiter ausbezahlt werden.

„Voucher“ – geringfügige Beschäftigung
Während in den anderen Wirtschaftssektoren alle Arbeiter mittels Wertgutscheine – so genannte Voucher – beschäftigt werden können, ist dies in der Landwirtschaft nur für Pensionisten, Studenten und Bezieher von Arbeitslosenzahlungen möglich.
Für die Bezieher von Arbeitslosenzahlungen war diese Beschäftigungsform in der Landwirtschaft im vergangenen Jahr nicht möglich, heuer ist es jedoch wieder erlaubt. Diese Personengruppen können für Tätigkeiten mit saisonalem Charakter mit Wertgutscheinen bezahlt werden. Der Gutschein ist dabei stundenbezogen. Das heißt: Dem Arbeiter muss ein Mindestbetrag pro Stunde bezahlt werden. In der Landwirtschaft ist dies der Tariflohn der entsprechenden Einstufung gemäß Kollektivvertrag.
Betriebe können Wertgutscheine nur mehr über den telematischen Kanal ankaufen, wobei die Gutscheine, die über die Tabaktrafik angekauft werden, in diese Kategorie fallen. Voucher in Papierform können nicht mehr verwendet werden.   

Selbstkündigung durch den Arbeitnehmer
Seit März dieses Jahres müssen alle Arbeitnehmer, die von sich aus kündigen, dies über eine elektronische Prozedur machen. Dies gilt auch, falls das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einverständnis aufgelöst wird. Dies kann der Arbeitnehmer selbst auf der Internetseite des Arbeitsministeriums machen bzw. über einen autorisierten Intermediär. Zu den autorisierten Intermediären gehören auch die Patronate. Das Patronat ENAPA des Südtiroler Bauernbundes bietet diesen Dienst an.

Bauernbund berät Mitglieder
Für weitere Fragen zur Beschäftigung von landwirtschaftlichen Arbeitern können sich interessierte Mitglieder an die Mitarbeiter der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung/Löhne wenden.