Marketing | 21.07.2016

Wasser, Seife und fleißige Hände

Mit dem Filzen hat sich Rita Amort einen gutgehenden Nebenerwerb auf ihrem Hof in Altrei geschaffen. Seit drei Jahren verkauft sie ihre Werkstücke unter der Qualitätsmarke „Roter Hahn“.

Ein Filzhut entsteht: mit viel Zeit, Geduld und handwerklichem Können. (Foto: Roter Hahn)

Ein Filzhut entsteht: mit viel Zeit, Geduld und handwerklichem Können. (Foto: Roter Hahn)

Wer Rita Amort beim Filzen zuschaut, merkt schnell, dass sie damit mehr verbindet als reines Handwerk. Es ist die Leidenschaft für den Werkstoff Wolle, die ihre kleinen Kunstwerke so besonders macht: „Ich wollte immer, dass die Leute in meinen Stücken meine Handschrift erkennen. Dass sie sagen, ,das ist ein Hut von der Rita oder eben die Patschen von der Rita‘. Und das habe ich erreicht!“ Stolz schwingt in ihrer Stimme mit, wenn Rita Amort das sagt. Zu Recht: Immerhin hat sie sich diesen Ruf hart erarbeitet. Denn angefangen hat sie bei null, ohne Vorkenntnisse. Aber mit viel Energie und dem festen Willen, sich etwas Eigenes zu schaffen.

Etwas aus dem Bauernhof machen
Es war im Jahr 2004, als Rita und ihr Mann Reiner beschlossen, die Milchkühe zu verkaufen und stattdessen an die 30 Tiroler Bergschafe an den Hof zu holen. Das war in der Zeit, als Rita an der Fachschule Laimburg den Lehrgang zur Gartenführerin absolvierte. Bei einem Lehrausflug, den die Kursteilnehmer nach Österreich machten, lernte sie einen Bauernhof kennen, an dem die Familie selbst Getreide anbaute und daraus Brot buk. Der Bauer hatte für die Kursteilnehmer eine Botschaft, die Ritas Leben verändern sollte: „Tut etwas auf euren Höfen“, sagte er zu den Besuchern, „und lasst euch von nichts und niemandem aufhalten!“ Rita kam von dieser Lehrfahrt mit der Überzeugung heim, dass sie etwas mit ihrem Hof machen wollte. Nur wusste sie noch nicht so recht, was: Der Amort­hof liegt ziemlich entlegen in Altrei, einer hoch gelegenen Gemeinde im Südtiroler Unterland. Nur drei Hektar umfasst die Betriebsfläche der Familie Amort: Davon ist ein Teil Grünland, der Rest Garten und Acker. Hier, auf etwa 1200 Metern über dem Meer, bauen Reiner und Rita Amort heute Lupinen für den bekannten „Voltruier Kaffee“ an, Getreide für das eigene Brot, Mais, Kartoffeln und Gemüse.
Die erste Schur der Schafe brachte eine tolle Wollqualität. Aber Rita Amort hatte noch keine Ahnung vom Filzen. Die Wolle lagerte sie deshalb zunächst und besuchte einen Kurs um das Handwerk zu lernen. Dann ging es ans Probieren: Unermüdlich und mit viel Liebe und Geduld erlernte Rita das Filzen und entwickelte ihre eigene Technik, ihren eigenen Stil, für den sie heute weitum bekannt ist. Der von Einheimischen und Gästen gleichermaßen gesucht und geschätzt wird.

Kunden kommen auf den Hof
Inzwischen kann sie es sich aussuchen, ob und zu welchen Veranstaltungen oder Märkten sie hingeht und ihre Stücke ausstellt. Denn sie müsste sich nicht mehr präsentieren, die Kunden suchen sie. Viele rufen an oder kommen vorbei, um sich die kleine Werkstatt anzusehen und Rita bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Einige Stücke hat sie immer auf Vorrat da, zum Großteil fertigt sie aber auf Bestellung. „Die Kunden müssen schon ein bissl Geduld mitbringen, wenn sie etwas von mir haben möchten“, sagt die geschickte Bäuerin und schmunzelt. „So mancher Gast bestellt beim ersten Urlaub, um das Teil beim nächsten Urlaub mitnehmen zu können.“ Denn gut Ding braucht gut Weil‘, wie das Sprichwort schon sagt. „Ich kann pro Tag nur eine Tasche oder einen Hut fertigen, denn das Filzen braucht viel Zeit. Und Kraft“, ergänzt Rita Amort. Denn nur wenn die Werkstücke durch das stete Walken mit den Händen die erwünschte Festigkeit erhalten, sind sie widerstandsfähig und haltbar. Auch das sind Qualitätsmerkmale, die der Bäuerin sehr am Herzen liegen.

Lust Neues auszuprobieren
Anfangs habe sie fast nur Pantoffeln, also „Filzpatschen“ gemacht. Heute reicht ihr Repertoire von Taschen über Mokassins bis zu Hüten und Dekorationsgegenständen aller Art: Besonders beliebt sind kleine Hasen, Schafe oder Hennen, die Rita Amort je nach Jahreszeit oder auch ganzjährig anbietet. Aber immer wieder wagt sie sich an neue Experimente heran: Wie letzthin, als eine Kundin sie um einen so genannten Wetterhut fragte. Das ist ein Hut, der auf der Rückenseite eine Verlängerung hat, die auch die Schultern und den Nacken vor Regen schützt. „Da musste ich mir zuerst mal Gedanken darüber machen, wie ich drangehen sollte“, erzählt Rita. „Als ich’s dann geschafft hatte, war ein ganz besonderes Stück entstanden. Die Kundin war glücklich und ich auch, weil es spannend war und Freude gemacht hat.“
Diese Freude am Schaffen und Probieren ist es wohl auch, die Rita Amort und ihre Arbeiten auszeichnen. Die Qualität und die persönliche Handschrift, die jedes ihrer Stücke trägt. Denn die Bäuerin ist überzeugt: „Zuerst kommt die Arbeit und wenn das Produkt stimmt, dann kommt der Rest ganz von alleine.“ Der Verdienst dürfe nicht an erster Stelle stehen. Dabei hat sie sich mit ihrem „Filzstübele“ einen schönen Nebenerwerb aufgebaut: So kann sie am eigenen Hof arbeiten und muss sich nicht auswärts etwas dazuverdienen. Dadurch bringt sie auch den Haushalt, die Arbeit in der Landwirtschaft und die Führungen zum Lupinenkaffee noch gut in ihrem Alltag unter.

„Händ, die eppes tien welln“
Interessierte Kunden schauen sich gerne an, wie Rita Amort arbeitet. „Es ist schwierig, das Filzen zu erklären, besser man schaut sich’s an“, sagt die Bäuerin. Dabei braucht sie wenige Hilfsmittel: Die eigene Wolle selbstverständlich, darüber hinaus aber nur „wormes Wosser, a Soaft und Händ, die eppes tien welln“, lacht sie verschmitzt.
Seitdem Rita Amort mit ihren Filzarbeiten beim „Bäuerlichen Handwerk“ der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ mitmacht, hat sich der Kundenstock deutlich ausgeweitet „Als ich im „Südtiroler Landwirt“ den ersten Aufruf für bäuerliche Handwerker las, sich für den neuen Katalog zu melden, habe ich das gleich gemacht. Und wurde sofort aufgenommen.“ Sowohl das Produkt selbst als auch seine Güte überzeugten sofort. Das war vor drei Jahren. Seitdem ist Rita Amort mit ihren gefilzten Einzelstücken im Katalog vertreten. Das war für mich noch einmal eine Stufe mehr“, sagt die Bäuerin zufrieden.

Jetzt anmelden!

Alle interessierten bäuerlichen Handwerker können sich ab sofort  zum Marketingpaket „Bäuerliches Handwerk“ anmelden.

Mittlerweile erfüllen acht bäuerliche Handwerker die strengen Qualitätskriterien der Marke „Roter Hahn“ und dürfen dieses Gütesiegel für ihre Produkte tragen. Sie werden im eigens konzipierten Katalog „Bäuerliches Handwerk“ angeführt und im Internetportal www.roterhahn.it präsentiert. Bauernbund-Marketingleiter Hans J. Kienzl freut sich: „Die Teilnahme an diesem Marketingpaket hat das Angebot der einzelnen Betriebe stark aufgewertet und für viele Kunden sichtbar gemacht.“

Die Palette umfasst handwerklich gefertigte Gegenstände aus Holz, Wolle, Eiern oder Horn, die auch im Hofladen oder Einzelhandel präsentierbar sind. Produkte, die eine bestimmte Größe überschreiten (Schränke, Türen usw.), sind nicht Teil der Produktpalette. Die Produkte werden vor Ort begutachtet, um einen bestimmten Qualitätsstandard und die Einhaltung der Kriterien zu gewährleisten.

Alle Interessierten bäuerlichen Handwerker können sich innerhalb 5. August 2016 bei der Abteilung Marketing des Südtiroler Bauernbundes melden: Hannes Knollseisen, info@roterhahn.it, Tel. 0471 999440.