Arbeitsberatung | 05.08.2016

Erntehelfer richtig bezahlen

In diesen Tagen beginnt wieder die Ernte: Was bei der Bezahlung der vielen Erntehelfer zu beachten ist, darüber klärt die Abteilung Arbeitsberatung/Löhne im Südtiroler Bauernbund auf.

Um Arbeitsstreitigkeiten zu vermeiden, sollten die Löhne der Erntehelfer überwiesen werden. (Foto: Thorben Wengert, www.pixelio.de)

Um Arbeitsstreitigkeiten zu vermeiden, sollten die Löhne der Erntehelfer überwiesen werden. (Foto: Thorben Wengert, www.pixelio.de)

Der Erntehelfer hat Anrecht auf den Mindestlohn pro Stunde, der vom Kollektivvertrag (Lohntabellen) vorgesehen ist. Der Arbeitgeber darf diesen Mindestlohn für die vom Arbeiter geleisteten Stunden nicht unterschreiten. In der Landwirtschaft kommt es zudem häufig vor, dass die Löhne der Arbeiter in bar bezahlt werden. Das betrifft vor allem jene Arbeiter, die nur kurze Zeit bei einem Betrieb beschäftigt sind (beispielsweise Erntehelfer). Die tatsächlich gearbeiteten Stunden der Erntehelfer sind auf dem Lohnstreifen angegeben, um nach dessen Ermittlung feststellen zu können, welcher Nettobetrag dem Arbeitnehmer zu bezahlen ist.
Die Tariflöhne für die Landwirtschaft in Südtirol werden vom Landeskollektivvertrag für landwirtschaftliche Arbeiter festgelegt und in einer Lohntabelle zusammengefasst. Der Lohn ist üblicherweise in brutto definiert: So ist der aktuelle Tariflohn für den Erntehelfer 6,99 Euro brutto. Die Höhe des Nettolohns – welchen der Arbeiter dann effektiv bekommt – hängt dabei maßgeblich vom Jahresgesamteinkommen und von der persönlichen Situation des Arbeiters ab. Die Differenz aus brutto und netto sind jeweils die Sozialabgaben für die Rentenvorsorge und die Einkommenssteuer.

Keine Zahlung des Lohnes an Dritte
Der Arbeiter hat Anrecht auf die Entlohnung für jene Arbeitsleistung, die er erbracht hat. Deshalb hat die Zahlung des Nettolohns direkt an den Arbeiter zu erfolgen, und nicht über eine dritte Person. In diesem Sinne muss der Arbeitgeber gewährleisten, dass der Arbeiter den Lohn auch effektiv erhalten hat.
Bauerbund empfiehlt den

Online-Dienst „Stundenmeldung“
Dem Arbeiter ist grundsätzlich jener Lohn zu bezahlen, welcher auf dem Lohnstreifen aufscheint. Das heißt, dass alle Stunden angegeben werden müssen.
Aufgrund der Arbeitsspitzen im Herbst ist es der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne im Südtiroler Bauernbund nicht möglich, Lohnstreifen/Probelohnstreifen sofort auszuarbeiten. Abhilfe kann hier die Online-Eingabe der Stunden schaffen, mit der Lohnstreifen innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Um den Dienst in Anspruch nehmen zu können, muss sich das Bauernbund-Mitglied an die Mitarbeiter der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung/Löhne wenden. Schon am Folgetag der Aktivierung kann dann mit der Eingabe der Stunden begonnen werden.

Bargeldgrenze
Nachdem 2011 die Bargeldgrenze auf 1000 Euro herabgesetzt worden war, hat sich diese staatliche Regelung nun wieder geändert und  beträgt jetzt 3000 Euro. Dies bedeutet, dass in bar Transaktionen von bis zu 2999,99 Euro getätigt werden können. Betroffen sind auch jene Summen, die über den (einzelnen) Lohnstreifen ausbezahlt werden. Allgemein können Bankbehebungen über 3000 Euro getätigt werden, doch wie hoch der maximale Betrag ist, der pro Tag abgehoben werden kann, sollte mit der Bank abgeklärt werden.
Die beste Alternative zur Bezahlung des Lohns in bar ist die Überweisung auf ein vom Arbeiter angegebenes Bankkontokorrent. Dieses Konto kann bei einer italienischen oder ausländischen Bank eingerichtet werden. Neben der Banküberweisung können Löhne dem Arbeiter auch mittels eines Schecks bezahlt werden, wobei hier ein normaler Scheck oder ein Zirkularscheck verwendet werden kann.

Probleme bei Lohnausbezahlung in bar
Wird die Zahlung des Lohnes in bar vorgenommen, so ist besondere Vorsicht geboten: Im Falle einer Arbeitsstreitigkeit muss der Arbeitgeber nämlich nachweisen können, dass er dem Arbeitnehmer den Lohn ausgezahlt hat. Aus diesem Grund empfiehlt sich als Zahlungsmodalität Banküberweisung oder Scheck. Wird der Lohn dennoch bar ausgezahlt, soll sich der Arbeitgeber vom Arbeiter auf jeden Fall eine Zahlungsbestätigung unterzeichnen lassen. Achtung: Die Unterschrift auf dem Lohnstreifen bestätigt nur die Aushändigung des Lohnstreifens, aber nicht die Zahlung des Nettobetrages!

Empfehlungen zur Absicherung
Der Bauernbund empfiehlt deshalb jedem landwirtschaftlichen Arbeitgeber, vom Arbeiter bei der Zahlung des Lohns eine Bestätigung unterschreiben zu lassen. Mit der Unterschrift unter ein solches Schreiben bestätigt der Arbeiter sowohl den Nettolohn erhalten zu haben als auch die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden. Die rechtliche Absicherung des Arbeitgebers ist somit im Falle eines Streitfalles um einiges höher.
Außerdem wird bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses empfohlen, eine Saldoquittung unterschreiben zu lassen. Damit bestätigt der Arbeiter, alle zustehenden Bezüge erhalten zu haben und keine Lohnforderungen zu stellen.
Beide Bestätigungen sind online abrufbar.