Bauernbund | 10.08.2016

„Das Klettern hat mich stark gemacht“

Florian Riegler ist Obst- und Weinbauer und einer der bekanntesten Kletterer des Landes. Im Interview mit dem "Südtiroler Landwirt" erzählt er, warum er bei der Initiative des Südtiroler Bauernbundes „Dein Südtiroler Bauer“ mitmacht und wie er das Klettern und seine Arbeit unter einen Hut bringt.

Florian Riegler: "Wir müssen mit den Leuten reden und unsere Arbeit erklären."

Florian Riegler: "Wir müssen mit den Leuten reden und unsere Arbeit erklären."

Südtiroler Landwirt: Der Bauernbund hat dich gefragt, ob du bei der Initiative „Dein Südtiroler Bauer“ mitmachst. Warum hast du ja gesagt?
Florian Riegler: Für mich ist die Mitarbeit eine tolle Erfahrung. Ich bin ja eher ein moderner Bauer, und es gibt in Südtirol viele fleißige Bäuerinnen und Bauern mit gut bewirtschafteten Höfen. Sich für die Landwirtschaft hinzustellen, war deshalb für mich eine Ehre.

Ziel der Initiative ist der Dialog mit der Bevölkerung. Die Südtiroler sollen verstehen, wie Bauern arbeiten und was sie leisten. Warum ist das wichtig?
Im Dialog mit Nicht-Bauern merke ich, dass das Wissen, wie Lebensmittel erzeugt werden, weniger wird. Manche meinen, die Äpfel wachsen von alleine und man müsse nur einmal im Jahr mit dem Traktor hinfahren und sie ernten. Als Bauern mehr mit den Leuten zu reden ist wichtig, weil man heute aktiv auf die Leute zugehen muss, damit sie sich nicht zusehends von der Landwirtschaft entfernen.

Als Obst- und Weinbauer stehst du auch für die Wirtschaftsleistungen der Landwirtschaft. Welche Beispiele kennst du von deinem Betrieb?
Ich arbeite immer wieder mit lokalen Betrieben zusammen, beim Einkauf von Betriebsmitteln, beim Neubau des Hofgebäudes oder bei der Gerätereparatur. Mein Mechaniker ist nur drei Kilometer von meinem Hof entfernt. Ich liefere an die Genossenschaft in Frangart und an die Kellerei Bozen. Zudem nutze ich die Dienste von Beratungsring, Laimburg und Bauernbund, die ihrerseits Arbeitsplätze schaffen. Dass es sich dabei um sichere Arbeitsplätze handelt, haben die Jahre der Wirtschaftskrise gezeigt. Vielen ist nicht bewusst, dass die Landwirtschaft eine treibende Kraft in der Wirtschaft ist.

Der Obstbau stand letzthin in der Kritik, Stichwort Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Was machst du, um möglichst naturnah und umweltschonend zu arbeiten?
Pflanzenschutzmittel setze ich nur dann ein, wenn es notwendig ist. Dabei greife ich auch zu Biomitteln. Mein Nachbar ist Biobauer und wir kommen gut miteinander aus, weil ich mich mit ihm abspreche und mit der Abdrift aufpasse. Ich glaube, dass wir Bauern Verständnis für die Bevölkerung haben müssen und umgekehrt. Wenn man mit den Leuten redet, verstehen 99 Prozent, dass wir Pflanzenschutz nicht zum Spaß betreiben, sondern er im rechten Maß notwendig ist.

Deine zweite Leidenschaft ist das Klettern: Gibt es Parallelen zwischen dem Klettern und deiner Arbeit als Bauer?
Beide Tätigkeiten finden im Freien statt und man ist abhängig von Natur und Wetter. Viel wichtiger aber ist: Es braucht überall Leidenschaft, um es gut zu machen. Laufend muss ich mich neuen Situationen stellen und Herausforderungen meistern. Für Erfolg und Misserfolg bin ich selbst  verantwortlich. Beim Klettern ist die Lage überschaubarer: Es gibt nur dich und den Berg, alles hängt von dir selbst ab. Die Landwirtschaft ist hingegen komplexer: Neben meinen eigenen Entscheidungen muss ich Märkte und viele weitere Faktoren im Auge haben, die ich nicht alleine beeinflussen kann.

Welche Erfahrungen aus dem Klettern helfen dir bei deiner Arbeit als Bauer?
Ich bin von Natur aus ein ungeduldiger Mensch. Durch das Klettern habe ich gelernt, ruhig zu bleiben, auch wenn die Lage schwierig wird. Das nützt einem auch als Bauer, beispielsweise wenn es gilt, Entscheidungen zu treffen oder Rückschläge zu überwinden. Das Meistern von scheinbar ausweglosen Situationen am Berg hat mich gestärkt. Dieses Selbstvertrauen hilft mir fortan in allen Lebenslagen.

Du hast Bergregionen in aller Welt bereist. Wie unterscheidet sich unsere Landwirtschaft von diesen?  
Im Vergleich wird klar, welcher Wert darin besteht, dass wir Südtiroler Kleinbauern eine gute Wertschöpfung aus kleiner Anbaufläche erzielen können, während in anderen Ländern hundert oder tausend Hektar Fläche in der Ebene notwendig sind, um als Bauer zu überleben. Das starke Genossenschaftswesen, der gemeinsame Ein- und Verkauf, die Beratungsorganisationen und die angewandte Innovation sind unsere Stärken. Ich finde es bemerkenswert, dass wir es dadurch im Obstbau zu einem Global Player geschafft haben.

Interview: Tobias Egger


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Ein weiterer Testiomonial für „Dein Südtiroler Bauer“ ist Manuela Wallnöfer vom Hof am Schloss in Lichtenberg bei Prad. Sie macht sich für regionale Lebensmittel stark. Wer wissen will, warum sie das tut, kann dies in einem Dolomiten-Artikel vom 21. Mai 2016 nachlesen. Den Link dazu finden Sie hier.