Internationales, Bauernbund | 20.01.2017

Grüne Woche: „Mehr Geld für mehr Leistungen“

Qualität, Regionalität, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und faire Preise für zusätzliche Leistungen der Bauern sind die Themen, die die Landwirtschaft derzeit beschäftigen. Das wurde auch auf der Eröffnung der „Grünen Woche“ in Berlin deutlich. von Michael Deltedesco

Hoher Besuch am Südtirol-Stand: Die Südtiroler Vertreter begrüßten Joachim Rukwied, Minister Christian Schmidt und den regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.

Hoher Besuch am Südtirol-Stand: Die Südtiroler Vertreter begrüßten Joachim Rukwied, Minister Christian Schmidt und den regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.

Mehr Zusammenarbeit will die Ernährungsbranche mit den Konsumenten, hieß es gestern auf der Eröffnung der weltgrößten Leistungsschau „Grüne Woche“, in Berlin. Südtirol ist mit einem eigenen Stand durch die IDM vertreten.

Mit Verbrauchern noch stärker in Kontakt treten
Die „Grüne Woche“ ist nicht nur eine einzigartige Leistungsschau für einen zentralen Wirtschaftssektor, sondern setzt selbst Trends und zeigt, wohin sich die Landwirtschaft entwickelt. Ein Anliegen wurde auf der Eröffnungsfeier besonders hervorgehoben: Die Landwirtschaft will mit den Verbrauchern noch stärker in Kontakt treten. „Wir brauchen die Unterstützung der Konsumenten, und die Konsumenten brauchen uns“, fasste es etwa der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied zusammen. Den Kritikern der Landwirtschaft sagte Rukwied, „dass sich die Landwirtschaft extrem weiterentwickelt hat und sich auch in Zukunft weiterentwickeln wird. Wer von den Bäuerinnen und Bauern aber immer neue Leistungen und noch höhere Standards fordert, muss auch bereit sein, einen höheren Preis zu bezahlen. Höhere Produktionsstandards zum Nulltarif kann es nicht geben, das würden zu Strukturbrüchen führen.“

Veränderungen gebe es auch der Nachhaltigkeit, die eine zentrale Rolle spielt. „Wir sind auf dem richtigen Weg und produzieren heute anders als noch vor einigen Jahren. Diesen nachhaltigen Weg wird die Landwirtschaft konsequent weitergehen“, erklärte Rukwied. Dabei dürfe aber nie vergessen werden, dass die Bäuerinnen und Bauern zunehmend stärker gefordert seien – durch neue Schädlinge auf Produktionsseite und den internationalen Wettbewerb auf Vermarktungsseite. 

Regionalität zunehmend wichtig
Zunehmend bedeutend ist die Herkunft der Produkte. „Der Trend geht ganz klar in Richtung regionale Produkte von idealerweise kleinen Bauernhöfen. Verbraucher vertrauen diesen Lebensmitteln am meisten“, freut sich Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Der Südtiroler Bauernbund ist mit einer Delegation zur „Grünen Woche“ nach Berlin gereist.
Ein weiteres heißes Thema ist die zunehmende Bürokratie, die auch Südtirols Bauern betrifft. „Der EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat versichert, die europäischen Spielregeln vereinfachen zu wollen. Das ist auch dringend nötig“, analysierte Tiefenthaler. Von der EU forderten die Redner auf der Eröffnungsfeier zudem verlässliche Spielregeln. „Die Unterstützungen der Landwirtschaft und die Förderung der ländlichen Räume müssen unbedingt bestehen bleiben, war die klare Botschaft an die EU-Politik“, stimmte Tiefenthaler zu. Erfreut war der Bauernbund auch über das klare Bekenntnis Hogans zur Wichtigkeit des ländlichen Raumes.

Nur starke Landwirtschaft garantiert Versorgungssicherheit
Klarer als in den vergangenen Jahren wurde auf die Bedeutung der Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit hingewiesen. „Im Jahr 2050 werden 60 Prozent mehr Lebensmittel benötigt, um dann über 10 Milliarden Menschen ernähren zu können. Diese Herausforderung kann nur eine funktionierende Landwirtschaft leisten“, war der deutsche Bundesminister Christian Schmidt überzeugt. Dazu müsse die Landwirtschaft weiterhin auf Innovation und Forschung setzen.
Einige waren sich alle, dass die Bäuerinnen und Bauern allen Grund haben, stolz auf ihre Leistungen zu sein. Noch nie sei die Landwirtschaft so produktiv gewesen, waren die Lebensmittel so sicher und das Angebot größer als derzeit.