Betriebsberatung | 02.02.2017

Neue Regeln bei Wildschäden

Das Land hat die Wildschadenvergütungen und Beihilfen für Vorbeugemaßnahmen neu geregelt. Hier ein Überblick über die nun geltenden Bestimmungen. von SBB-Betriebsberatung

Wildzäune instand zu halten, ist eine Voraussetzung, damit Wildschäden vergütet werden.

Wildzäune instand zu halten, ist eine Voraussetzung, damit Wildschäden vergütet werden.

Das Land Südtirol musste die bisherigen Richtlinien an die EU-Rahmenregelungen anpassen. Davon betroffen sind die Vergütungen für Wildschäden und Beiträge für Wildzäune, Scheuchanlagen usw.
In der Folge listen wir die einzelnen Entschädigungen und Förderungen auf. Landwirte sollen vor allem auf die Termine zum Einreichen der Gesuche achten: Nicht immer ist es möglich, das ganze Jahr über anzusuchen. Eine weitere Einschränkung können die Mindestschadensummen darstellen; und bei den Geflügelschäden muss die Meldung an die zuständige Forststation erfolgen.

Wildschäden an Kulturpflanzen
Die Beihilfen für Wildschäden an Kulturpflanzen werden für die Wiederherstellung von zerstörten Kulturen oder als Entschädigungen von Schäden gewährt, die Hasen oder geschütztes Wild verursacht haben. Eine Wiederherstellung trifft z. B. dann zu, wenn Apfelbäume von Hasen angenagt worden sind und ersetzt werden müssen. Verursachen hingegen Siebenschläfer Fraßschäden an Trauben, kann der Landwirt um eine Schadenvergütung ansuchen.
In Randgebieten des Stilfser-Joch-Nationalparkes werden auch Schäden von Schalenwild, sprich von Reh- und Rotwild vergütet, vorausgesetzt, dass geförderte Wildzäune gut instand gehalten wurden.

Kritik vom Südtiroler Bauernbund
Keine Vergütung gibt es für Vogelfraßschäden oder für Schäden in Wiesen und Weiden. Vor einigen Jahren war diese Vergütung noch vorgesehen. Dass sie nicht wieder eingeführt wurde, sorgt für Unverständnis beim Südtiroler Bauernbund, wie Direktor Siegfried Rinner erklärt: „Es ist uns schon klar, dass es sich hier um größere Summen handelt, die ausbezahlt werden. Immerhin richten Vögel besonders in Randgebieten zum Wald wie in den Hanglagen von Bozen und Überetsch beträchtliche Schäden an.“ Laut Erfahrung der Bauern würde es ausreichen, in der letzten Reifephase einige Vögel zu schießen: Die Abschreckung würde einen Großteil der Vögel bis zur Ernte fernhalten, würde aber die Existenz der Vogelarten in keiner Weise gefährden. „Doch Tier- und Umweltschutzverbände haben durch gerichtliche Eingaben erreicht, dass die Politik keine Abschüsse mehr erlaubt“, berichtet Rinner. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Gesellschaft einerseits ein paar Abschüsse von Vögeln verbietet, andererseits aber die Bauern auf den beträchtlichen Schäden alleine sitzen lässt.

Mindestschaden
Der Schaden muss bei Obst- oder Rebanlagen mindestens 2000 Euro, bei anderen Kulturen mindestens 500 Euro erreichen. Der Betrag beläuft sich auf 80 Prozent der zugelassenen Ausgabe.
Bauern müssen das Gesuch umgehend nach Entdeckung des Schadens beim Landesamt für Jagd und Fischerei einreichen bei Ernteschäden spätestens 14 Tage vor Erntebeginn. 

Schäden durch Kleinraubtiere
Beihilfen gibt es auch für Schäden, die Fuchs, Marder oder Greifvögel an landwirtschaftlichen Nutztieren anrichten. Ausgeschlossen sind Schäden an Tieren, die zu Liebhaberzwecken gehalten werden. Der Mindestschaden muss sich auf 200 Euro belaufen. Bei Geflügelschäden zählen Schäden innerhalb eines Monats.
Die Beihilfe beläuft sich auf 80 Prozent des Schadens. Das Gesuch ist bei der örtlich zuständigen Forststation einzureichen.

Schäden durch Großraubtiere
Auch wenn Bär oder Wolf Schäden an landwirtschaftlichen Nutztieren und Bienen anrichten, gibt es eine Beihilfe. Voraussetzung ist, dass Bienenstände im Ultental, am Deutschnonsberg und auf dem Mendelkamm vor Bärenangriffen geschützt sind. Falls ein Beitrag für einen Elektrozaun gewährt wurde, muss dieser ordentlich errichtet und instand gehalten worden sein.
Die Entschädigung beträgt 100 Prozent des Schadens, wobei eventuell erhaltene Versicherungsentschädigungen davon abgezogen werden. Zuständig für diese Beihilfe ist das Landesamt für Jagd und Fischerei oder dessen Dienststellen.

Schutz vor Großraubtieren
Als Schutz der Nutztiere vor Großraubtieren gelten vor allem Zäune, die die Herden oder Bienenstöcke schützen.
Der Beitrag beträgt 70 Prozent der zugelassenen Ausgabe. Man kann von 1. Jänner bis Ende Mai beim Landesamt für Jagd und Fischerei oder dessen Dienststellen ansuchen. In Sondersituationen kann das Amt für Jagd und Fischerei jederzeit Zaunmaterial auf eigene Kosten ankaufen und leihweise zur Verfügung stellen.

Wildschadenverhütung
Zur Wildschadenverhütung an landwirtschaftlichen Kulturen fördert das Land Wildzäune mit einer Höhe von mindestens zwei Metern, Wildroste, wieder verwertbare Monoschutzsäulen, Netze sowie Elektrozäune und Scheuchanlagen.
Keine Förderung gibt es für Wildzäune in Wäldern, Wiesen und Weiden und für Zäune für kleine Grundstücke unter 1000 Quadratmeter sowie für Hagelschutznetze.
Die anerkannten Kosten müssen bei Obst- und Rebanlagen mindestens 2000 Euro und in allen übrigen Fällen 500 Euro erreichen. Eine Beihilfe für ein und dasselbe Grundstück wird nur höchstens alle 15 Jahre gewährt.
Die Beihilfe beträgt 40 Prozent für Wildzäune (Einzelbetrieb) und Wildroste sowie 45 Prozent für Gemeinschaftsanlagen. Monoschutzsäulen, Netze und Elektrozäune fördert das Land mit 50 Prozent. Die Beihilfen für Wildzäune und Wildroste können um zehn Prozent erhöht werden, wenn es ein Jagdverbot gibt, wenn sich landwirtschaftliche Grundstücke im Wald befinden oder der Bau in schwierigem Gelände erfolgt.

Ansuchen kann man beim Landesamt für Jagd und Fischerei von 1. Jänner bis Ende Mai, immer vor Beginn der Arbeiten bzw. der Investition.


Die Anlaufstellen
Auskünfte zu den Wildschäden erteilt das Landesamt für Jagd und Fischerei (Brennerstraße 6, Bozen, Tel. 0471 415170) und dessen Dienststellen (s. u.) oder der Mitarbeiter der Bauernbund-Betriebsberatung Stephan Mutschlechner im Südtiroler Bauernbund, Bozen, Tel. 0471 999421.
Hier die Dienststellen des Landesamtes:
Ost (Bruneck, Tel. 335 8489862),
Mitte (Bozen, Tel. 335 8489804),
West (Meran, Tel. 335 8489803).

Informationen, Merkblätter und Gesuchsformulare finden Interessierte auch auf der Internetseite der Landesabteilung Forstwirtschaft. Unter der folgenden http://bit.ly/wildschaden gelangen Sie direkt auf diese Seite mit Informationen über die Wildschadensvergütung durch das Land. Wenn Sie hier klicken, kommen Sie auf die Seite mit den Schutzmaßnahmen.