Internationales | 12.04.2017

Syriens Bauern brauchen Hilfe

Der landwirtschaftliche Sektor in Syrien muss dringend neu gestartet werden, allein um den Bedarf an humanitärer Hilfe zu verringern und der Migration entgegenzuwirken. Dafür hat sich die Welternährungsorganisation (FAO) vergangene Woche in Brüssel ausgesprochen. von AgraEurope

Neben dem menschlichen Leid hat der Krieg in Syrien bislang umgerechnet mehr 15 Milliarden Euro Schaden in der Landwirtschaft verursacht.

Neben dem menschlichen Leid hat der Krieg in Syrien bislang umgerechnet mehr 15 Milliarden Euro Schaden in der Landwirtschaft verursacht.

In ihrem Bericht, den die FAO auf der internationalen Geberkonferenz für Syrien und der Region Anfang April in Brüssel vorstellte, ging sie auf die Folgen des jahrelangen Konfliktes auf die Landwirtschaft ein. Zusätzlich zu den schweren menschlichen Leiden habe der Konflikt umgerechnet mehr 15 Milliarden Euro Schaden in der Landwirtschaft verursacht. Dazu zählten verlorene Ernten und Viehbestände, aber auch zerstörte landwirtschaftliche Vermögenswerte wie Traktoren, Maschinen, Nutzfahrzeuge, Tierkliniken, Tierhütten, Gewächshäuser, Bewässerungssysteme und Verarbeitungsanlagen.
Die FAO fürchtet einen deutlich höheren Wert, wenn das gesamte Ausmaß der Schäden in den Hauptkonfliktgebieten beurteilt werden kann. Trotz des Potentials der syrischen Landwirtschaft sei bisher sehr wenig investiert worden, um die landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen während des sechsjährigen Konflikts zu retten und zu schützen und die Erholung des Sektors zu unterstützen, kritisiert die UN-Organisation. 

Kosten hängen vom Ausgang des Konfliktes ab
Die anfänglichen Kosten für den Wiederaufbau des syrischen Agrarsektors über einen Zeitraum von drei Jahren schätzt die FAO auf zwischen 10 und 17 Milliarden Euro – je nachdem, ob es eine Veränderung des Konflikts, eine teilweise Rückkehr zum Frieden oder eine volle Rückkehr zum Frieden gibt. Den ländlichen Haushalten sei klar, was sie benötigten, um ihre landwirtschaftliche Produktion wiederaufzunehmen oder zu fördern, heißt es weiter. Dazu zählten Dünger, Saatgut und Veterinärmedizin. 

Erste umfassende Beurteilung der Kriegsschäden
Der FAO-Bericht gilt als die erste umfassende Beurteilung der Schäden des Krieges in Syrien auf den landwirtschaftlichen Sektor. Dafür wurden den Angaben zufolge mehr als 3500 Haushalten in dem kriegsgeplagten Land befragt, über 380 Gruppeninterviews geführt sowie primäre und sekundäre landwirtschaftlichen Daten analysiert. Bei der internationalen Geberkonferenz für Syrien und die Region in Brüssel haben die Vertreter der 70 teilnehmenden Staaten, Organisationen und Zivilgesellschaft für 2017 insgesamt 5,6 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für alle Lebensbereiche zugesagt; davon kommen 3,7 Milliarden Euro von der EU und ihren Mitgliedstaaten. Für Syrien, Jordanien und Libanon stellte die EU-Kommission für das Jahr 2018 zusätzliche 560 Millionen Euro in Aussicht.