Südtiroler Landwirt, Bäuerlicher Notstandsfonds | 14.04.2017

Brücken zur Hilfe bauen

Ob es ein Brand, ein Todesfall oder eine schwere Krankheit ist: Wenn Menschen unverschuldet in Not geraten, ist der Bäuerliche Notstandsfonds (BNF) zur Stelle. Vor zwei Wochen blickte der BNF bei Raffeiners Orchideenwelt in Gargazon auf ein ereignis- und spendenreiches Jahr zurück. von Bernhard Christanell

Der Scheck der Aktion „Flugretter helfen“ über 19.000 Euro wurde in Gargazon übergeben.

Der Scheck der Aktion „Flugretter helfen“ über 19.000 Euro wurde in Gargazon übergeben.

Seine Vollversammlung hatte der Bäuerliche Notstandsfonds in diesem Jahr unter das Motto „Sich helfen lassen ... wir möchten eine Brücke sein“ gestellt. Obmann Sepp Dariz erklärte, was es damit auf sich hat: „Jedes Jahr können wir vielen Menschen helfen, doch noch viel mehr würden Hilfe benötigen. Vielen fehlt der Mut, in einer Notlage Hilfe von außen zu suchen. Für diese Menschen möchten wir eine Brücke sein.“

Brandfälle und familiäre Notsituationen fast gleichauf
Nicht nur eine Brücke, sondern eine wertvolle Hilfe war der Bäuerliche Notstandsfonds im vergangenen Jahr für 99 Familien und Einzelpersonen, die eine direkte finanzielle Unterstützung erhalten haben. Von diesen 99 Betroffenen kamen 67 aus dem bäuerlichen Umfeld. Insgesamt konnten 1.338.000 Euro ausbezahlt werden. Bei den Gründen für die Notsituationen liegen Brände und andere Katastrophen (498.700 Euro bzw. 37 Prozent) sowie familiäre Notsituationen (480.500 Euro bzw. 36 Prozent).
Als „besondere Stärke des Bäuerlichen Notstandsfonds“ bezeichnete Dariz den Umstand, dass dieser den Betroffenen nicht nur unmittelbar nach dem Unglücksfall zur Seite steht, sondern Härtefälle über mehrere Jahre hinweg betreut. Allein im vergangenen Jahr gab es 34 solcher Fälle.
Neben der direkten Unterstützung hat der BNF auch an mehreren Hilfsprojekten weitergearbeitet. So konnten über das Projekt „Zukunft schenken“ 25 Schul- und Studienbeihilfen in der Höhe von durchschnittlich 1100 Euro gewährt werden. Zu den drei bestehenden mobilen Holzblockhäusern, die vor allem bei Brandfällen als vorübergehende Unterkunft für die betroffenen Familien zum Einsatz kommen, kam im vergangenen Jahr noch ein viertes dazu.
Auch die Förderkredite „Ethical Banking“ in Zusammenarbeit mit der Raiffeisenkasse Bozen und anderen Partnerkassen wurden im vergangenen Jahr weitergeführt. Insgesamt gibt es bisher 39 Kreditnehmer, die im Schnitt eine Summe von 143.000 Euro erhalten haben. Schließlich gab es über die Hilfsachse der Sonderprojekte und -maßnahmen für die Berglandwirtschaft 269.600 Euro, insgesamt werden hier mittlerweile fünf Projekte betreut.

Über 1,2 Millionen Euro an Spenden gesammelt
Solch hohe Summen können nur ausbezahlt werden, wenn auf der anderen Seite auch genügend Spendengelder hereinkommen. Im Jahr 2016 belief sich die gesamte Spendensumme auf 1.262.000 Euro. Davon waren 766.000 Euro freiwillige Spenden – vor allem von Privatpersonen –, 202.000 Euro kamen über verschiedene Spendensammlungen – viele davon von bäuerlichen Organisationen vor Ort – zusammen, 294.000 Euro wurden über Spenden von Partnern und anderen Einrichtungen überwiesen.
Als ein Beispiel für eine seit Jahren erfolgreiche Spendensammlung wurde in Gargazon die Kalenderaktion „Flugretter helfen“ vorgestellt. Seit Beginn der Aktion im Jahr 2007 wurden über 150.000 Euro an Spendengeldern gesammelt, mit einem in Gargazon überreichten Scheck kamen weitere 19.000 Euro dazu. Weitere regelmäßige Spendenaktionen sind der Weihnachtskeller im Ansitz Altenburg in St. Pauls, der „Zauberhafte Advent“ auf Schloss Rametz in Meran und die Aktion „Austern und Sekt“ in Bozen-Gries. Dariz bedankte sich ganz besonders bei den unzähligen freiwilligen Helfern, ohne die „viele solcher Aktionen niemals möglich wären“.

Hoher Wert des Ehrenamtes
Auch Landesrat Arnold Schuler sprach bei der Versammlung über den wichtigen Beitrag, den Freiwillige in der Gesellschaft leisten: Das Ehrenamt genießt bei uns im Land eine hohe Wertschätzung. Wer ehrenamtlich arbeitet, arbeitet unentgeltlich, aber keinesfalls umsonst“, unterstrich Schuler. Auch Schulers Regierungskollegin Waltraud Deeg, der stellvertretende Bauernbund-Landesobmann Bernhard Burger und Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer dankten dem BNF in ihren Grußworten für seine wertvolle Arbeit und sicherten auch weiterhin ihre Unterstützung zu.
Obmann Sepp Dariz rief schließlich dazu auf, den Bäuerlichen Notstandsfonds auch in diesem Jahr durch die Zuweisung der fünf Promille aus der Steuererklärung zu unterstützen: „Das hilft uns vor allem in unserem Bestreben, die Verwaltungs- und Personalkosten zu decken. Damit kommt auch weiterhin jeder gespendete Euro den Betroffenen direkt zugute.