Bauernbund | 02.05.2017

„Bewusst Tirol“ ist Vorzeigeprojekt

Beim Treffen des Landesbauernrates mit der Bundesvorstehung des Tiroler Bauernbundes wurde die Forderung nach einem wolffreien Ostalpenraum bekräftigt. Vorgestellt wurde auch das Tiroler Konzept für die Verwendung einheimischer Produkte. Ein Thema dürfte zukünftig beide Bauernbünde beschäftigen: das Tierwohl. von Michael Deltedesco

Südtirol und Tirol an einem Tisch: miteinander stärker auftreten und voneinander lernen.

Südtirol und Tirol an einem Tisch: miteinander stärker auftreten und voneinander lernen.

Derzeit streifen nur vereinzelt Wölfe durch Südtirol oder Tirol, aber schon bald könnten sich Rudel bilden und damit die Berglandwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Doch dazu wollen es die beide Bauernbünde gar nicht erst kommen lassen und fordern stattdessen, zusammen mit anderen Bauernvertretern, einen wolffreien Ostalpenraum.
Ob es dazu kommen wird, ist fraglich, denn besonders in Italien sei die Wolfslobby sehr einflussreich, unterstrich Landesobmann Leo Tiefenthaler. „Die Bauernbünde werden sich mit aller Kraft für eine Region ohne Wolfsrudel einsetzen, auch weil es geeignetere Gebiete in Europa gibt und die Wölfe keinesfalls vom Aussterben bedroht sind“, stellte Bauernbund-Obmann Tiefenthaler klar. Zudem müsse es Regulierungsmöglichkeiten geben, so wie das beispielsweise in Nordeuropa der Fall ist. 

Konzept „Bewusst Tirol“ vorgestellt
Ähnlich wie der Südtiroler Bauernbund wollen auch die Tiroler Bauernvertreter den Absatz heimischer Lebensmittel vor Ort im Tourismus, in der Gastronomie, im Handel und in öffentlichen Strukturen fördern. Vor mittlerweile sechs Jahren haben deshalb das Land Tirol, Agrarmarketing Tirol und Tirol Werbung das Projekt „Bewusst Tirol“ gestartet. Josef Geisler, Obmann es Tiroler Bauernbundes, erklärte den Sinn des Konzeptes: „Ziel des Projektes ist, den Absatz in der Gastronomie zu forcieren und den Betrieben gleichzeitig die Möglichkeit zu bieten, sich durch die Verwendung von regio­nalen Produkten von den Wettbewerbern abzuheben. Hotels und Gasthöfe, die bei einzelnen Produktgruppen einen festgelegten Anteil an heimischen Produkten erreichen, werden mit dem Gütesiegel ‚Bewusst Tirol‘ ausgezeichnet.“  

Derzeit stünden vor allem Milch und Milchprodukte im Mittelpunkt der Kampagne. Mit diesem Jahr soll das Projekt auf Fleisch- und Wurstwaren ausgeweitet werden. Zudem werden saisonale Schwerpunkte gesetzt. Jährlich werden jene Betriebe, die eine ausreichend große Menge an Tiroler Produkten verwenden, ausgezeichnet. „2016 haben 176 Betriebe und 40 Gastro-Großhändler das ‚Bewusst Tirol‘-Gütesiegel erhalten“, erklärte Geisler zufrieden.

Nach den ersten tollen Erfolgen hat die Agrarmarketing Tirol die Initiative auf öffentliche Küchen und Gemeinschaftsverpflegungen ausgedehnt. „Von 110 kontaktierten öffentlichen Einrichtungen, die etwa ­14 Millionen Essen verabreichen, haben etwa 80 Prozent Interesse am Projekt bekundet“, sagte Geisler. Während die Küchen besonders bei Milch, Rahm, Butter und Topfen bereits sehr viele heimische Produkte verwenden, gebe es bei Käse noch erhebliches Potenzial. Im laufenden Jahr 2017 sollen erstmals auch öffentliche Einrichtungen ausgezeichnet werden, die verstärkt auf heimische Lebensmittel setzen. 

Anbindehaltung auf dem Prüfstand
Derzeit ist die Anbindehaltung weder in Tirol noch in Südtirol ein öffentlich diskutiertes Thema, früher oder später könnte es aber eines werden – mit Sicherheit aber ab dem Moment, in dem einige Handelsketten ihre Ankündigung wahr machen sollten und Milch von Kühen aus Anbindehaltung aus den Regalen nehmen.
Eine Arbeitsgruppe in der Landwirtschaftskammer Tirol hat sich deshalb eingehender mit dem Thema befasst. Von Anbindehaltung soll nur mehr dann gesprochen werden, wenn die Kühe das ganze Jahr im Stall stehen – und das ganz ohne Auslauf. Diese Form der Haltung sollte künftig die Ausnahme sein und vor allem dort akzeptiert werden, wo es keine Alternativen gibt.
Die kombinierte Haltung hingegen sieht einen Auslauf vor: entweder in einem Laufhof, auf der Weide oder bei der Alpung. Daneben gibt es zwei weitere „Kategorien“: die Laufstallhaltung ohne Auslauf und die Laufstallhaltung mit Auslauf. Ziel müsse klar sein, von der reinen Anbindehaltung wegzukommen, wobei klar gesagt werden muss, dass sich die Milch aus Anbindehaltung nicht von der Milch von Kühen aus Laufställen unterscheidet. Auch sind die Kühe aus der kombinierten Anbindehaltung keineswegs weniger gesund als andere Tiere. Das Tierwohl ist damit ebenfalls gegeben.