Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Bauernbund | 01.06.2017

Arbeit der Bauern anerkennen

Anlässlich des Weltbauerntages am 1. Juni erinnert der Südtiroler Bauernbund an die große Bedeutung der Landwirtschaft weltweit. Die Ernährung von über neun Milliarden Menschen und der Klimaschutz werden die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte sein.

Viele Millionen von Kleinbauern tragen weltweit dazu bei, die ständig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. (Foto: Manfred Schütze/pixelio.de)

Viele Millionen von Kleinbauern tragen weltweit dazu bei, die ständig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. (Foto: Manfred Schütze/pixelio.de)

Obwohl die Landwirtschaft Lebensmittel produziert, auf die keiner verzichten kann, und darüber hinaus eine Reihe von existentiellen Aufgaben erfüllt, werden die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern häufig unterschätzt. Zum Weltbauerntag am 1. Juni ist es Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler deshalb ein Anliegen, auf die große Bedeutung der Landwirtschaft hinzuweisen: „Zukünftig werden Bäuerinnen und Bauern weltweit nämlich über neun Milliarden Menschen zu ernähren haben. Lebensmittelversorgung und Lebensmittelsicherheit sind die großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte und nur mit einer funktionierenden und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft zu bewältigen. Und eines der großen Ziele der Vereinten Nationen, die Bekämpfung des Hungers, geht auch nur über die Landwirtschaft“, betont Tiefenthaler. Dabei müsse besonders auf die kleinbäuerlichen Familienbetriebe geachtet werden. „Sie sind es, die die Hauptverantwortung zu tragen haben, und nicht die großen Agrarindustriebetriebe“, stellt Tiefenthaler klar. 

Nachhaltiger und ressourcenschonender produzieren
Neben der Lebensmittelproduktion ist der Klima- und Umweltschutz eine weitere Herausforderung. „Die Land- und Forstwirtschaft wird sich noch stärker der Herausforderung Umwelt- und Klimaschutz stellen. Unser Ziel muss sein, weltweit nachhaltiger und ressourcenschonender zu produzieren“, erklärt der Bauernbund-Obmann. Umgekehrt stelle der Klimawandel die Landwirtschaft vor Herausforderungen. „Eine der großen Fragen wird sein, ob es gelingt, auch in Zukunft die Wasserversorgung der Landwirtschaft sicherzustellen. Da sich die Anbaugebiete verschieben und die angebauten Kulturen ändern, ist mehr denn je von den Bauern Flexibilität gefragt“, weiß Tiefenthaler.

Auf Kundenbedürfnisse noch gezielter eingehen
Eine weitere Aufgabe wird sein, auf die Kundenbedürfnisse noch gezielter einzugehen: „Frische, Natürlichkeit, Vielfalt und Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit, Wertigkeit und Bequemlichkeit ist das, was die Konsumenten wünschen. Wir arbeiten jeden Tag daran, diese Wünsche zu erfüllen“, betont Tiefenthaler.
Sozusagen als „Nebenprodukt“ der Bewirtschaftung des Bodens und der Lebensmittelerzeugung gestalten und pflegen Bauern weltweit die Kulturlandschaft. „Gerade in Südtirol als Tourismusregion ist dieser Umstand von großer Bedeutung“, unterstreicht Tiefenthaler. 

Landwirtschaft beschäftigt 2,6 Milliarden Menschen
Und nicht zuletzt ist die Landwirtschaft ein wichtiger Arbeitgeber. „Weltweit leben 2,6 Milliarden Menschen direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. An all diese Aufgaben soll der Gesellschaft am 1. Juni erinnert werden“, sagt Tiefenthaler.
Auch für Südtirol ist eine funktionierende Landwirtschaft von größter Bedeutung. „Jeder von uns kann die heimische Landwirtschaft unterstützen. Die beste Wertschätzung ist, einheimische Lebensmittel zu erwerben“, erinnert Tiefenthaler. Nur dann seien eine flächendeckende Bewirtschaftung und damit die Pflege der Kulturlandschaft gesichert. Und davon profitiere jeder Bürger.

Bäuerinnen wollen gerechte Preise für alle
Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) plädiert anlässlich des Weltbauerntages für gerechte Preise für alle. Jeder und jede woll für getane Arbeit einen gerechten Lohn erhalten, erklärt Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer: „Gerade wir Bäuerinnen sind hier sensibel und wissen, wieviel Arbeit hinter der Herstellung von Produkten steckt. Und wir möchten die Kleinbäuerinnen und Bauern auch in anderen Teilen dieser Erde unterstützen und einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten.“ Jeder und jede könne einen Beitrag leisten, die Welt ein Stückchen gerechter zu machen. Weltweit sollte jede Person die Möglichkeit haben, mit dem Vorhandenen zu leben und zu wirtschaften. 
Die Bäuerinnenorganisation möchte hier sensibilisieren und bietet seit Kurzem ihren Mitgliedern die Möglichkeit an, „Faire Trade“ Artikel, z.B. Schürzen, Pololeibchen oder Kopftücher; zu erwerben. In Kooperation mit der Firma 3Freunde aus Konstanz, den Südtiroler Weltläden und der Firma Ritter aus Bozen werden so für die Ortsgruppen Artikel erarbeitet.

Initiative startete in Niederdorf
Es war die SBO-Ortsgruppe Niederdorf, die die ersten Schürzen mit fair gehandeltem Stoff bestellte. Die Ortsbäuerin Maria Theresia Oberhammer freut sich, dass ihre Ortsgruppe ein Zeichen gesetzt hat und sich als selbstbearbeitende Bäuerinnen solidarisch mit anderen Bäuerinnen gezeigt hat: „Uns Niederdorfer Bäuerinnen ist das Prinzip der Nachhaltigkeit ein Anliegen, zumal die arbeitenden Menschen in vielen Teilen der Welt vielfach in der Textilverarbeitung unter ökologischen und sozialen Problemen leiden,“ sagt Oberhammer.
Lange war die SBO auf der Suche nach fair gehandelten Stoffen. Die Suche führte sie schließlich zur Firma 3Freunde am Bodensee. Teilhaber Stefan Niedhammer: „Die Baumwolle kommt aus Kirgistan. Im Jahr 2004 beschloss Helvetas, eine Schweizer Hilfsorganisation, das Projekt zu starten, um den Bäuerinnen und Bauern eine verlässliche Einnahmequelle zu erschließen. Mittlerweile kooperieren 3000 Kleinbauern und liefern ca. 500 Tonnen zertifizierte Fairtrade-Biobaumwolle in einer wunderbaren Qualität ab,“ erzählt Niedhammer.
Brigitte Gritsch, Koordinatorin Dritte Weltladen, freut sich über diese Zusammenarbeit: „Der Faire Handel unterstützt die Bäuerinnen im Globalen Süden der Welt, damit auch dort die Traditionen und alten Weisheiten gelebt und weitergegeben werden können. Egal ob in Indien oder in Südtirol, Bäuerinnen müssen unterstützt und wertgeschätzt werden,“ betont Gritsch: „Fördern wir gemeinsam die kleinen Kreisläufe und schaffen dabei mehr Transparenz in der Handelskette!“

Der Ortsbäuerinnenrat der SBO-Ortsgruppe Niederdorf mit ihren Schürzen aus fairem Handel.

Der Ortsbäuerinnenrat der SBO-Ortsgruppe Niederdorf mit ihren Schürzen aus fairem Handel.