Arbeitsberatung | 08.06.2017

Arbeiter richtig beschäftigen - 2. Teil

Wenn Betriebsinhaber Arbeitnehmer beschäftigen, müssen sie verschiedene formelle Verpflichtungen ein­halten. Der „Südtiroler Landwirt“ hat sie in der jüngsten Ausgabe beschrieben (Nr. 10, S. 31). Was darüber ­hinaus zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Ernte: Loslegen dürfen Arbeiter erst, wenn der Betrieb die Hausaufgaben gemacht hat. (Foto: www.pixabay.com)

Ernte: Loslegen dürfen Arbeiter erst, wenn der Betrieb die Hausaufgaben gemacht hat. (Foto: www.pixabay.com)

Vor allem in folgenden Bereichen müssen Arbeitgeber verschiedene Vorschriften beachten: Steuernummer, Verleih von Arbeitern, Nicht-EU-Bürger, Lohnstreifen, Abfertigung und Selbstkündigung. Die Bauernbund-­Abteilung Arbeitsberatung hat die wichtigsten Informationen dazu zusammengetragen.

Beantragung der Steuernummer
Für die Meldung der Arbeitnehmer benötigt man deren Steuernummer. Da viele Arbeiter aus den östlichen EU-Ländern kommen, muss – sofern der Arbeiter das erste Mal in Italien arbeitet – die Steuernummer beantragt werden. Die Bauernbund-Arbeitsberatung empfiehlt, die Steuernummer so früh wie möglich zu beantragen.
Fragt der Betrieb um eine Steuernummer für einen Arbeiter, der das erste Mal in Italien arbeitet, an, muss er dazu ein eigenes Formular verwenden. Das Formular ist in der Bauernbund-Arbeitsberatung oder auf deren Internetseite im geschützten Bereich erhältlich. Es beinhaltet auch einen Teil, in dem der Arbeiter den Betrieb bevollmächtigt, die Steuernummer zu beantragen. Die Steuerämter akzeptieren nur noch das original unterschriebene Formular.
Darüber hinaus sind folgende Dokumente für die Steuernummer nötig: Kopie des Reisepasses und bei Nicht-EU-Bürgern zusätzlich das Original bzw. der Postabriss der Aufenthaltsgenehmigung.
Das Formular liegt auch bei den einzelnen Steuerämtern auf. Es ist jedoch zu empfehlen, bereits mit dem vorausgefüllten Formular zum Steueramt zu gehen, um längere Wartezeiten zu vermeiden.

Verleih von Arbeitern
Der Verleih von Arbeitern an andere Bauern bzw. von anderen Bauern ist gesetzlich verboten. Arbeitet ein Arbeiter bei zwei verschiedenen Arbeitgebern, muss er bei beiden Betrieben gemeldet sein. Außerdem müssen alle Betriebe die Voraussetzungen erfüllen, um Arbeiter zu beschäftigen.
Einzige Ausnahme bilden autorisierte Leiharbeitsfirmen, die in ein entsprechendes Album eingetragen sind. Sie dürfen Arbeitnehmer verleihen. In diesem Fall schließt der Betrieb einen Vertrag mit diesen Firmen ab.
Falls Personen den Verleih von Arbeitern anbieten oder anbieten, die Erntearbeiten zu übernehmen, sollte unbedingt überprüft werden, ob die Eintragung in das Verzeichnis der Leiharbeitsfirmen besteht.
Im vergangenen Herbst wurden die Bestimmungen in diesem Bereich verschärft. So wird nun auch die systematische Ausnutzung von Arbeitskräften strafrechtlich geahndet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeiter unter dem kollektivvertraglich vereinbarten Lohn bezahlt wird oder wiederholt die Regeln zur Arbeitszeit verletzt werden.

Nicht-EU-Bürger
Werden Nicht-EU-Bürger angestellt, die sich schon im Land befinden, ist darauf zu achten, dass sie eine für Arbeitszwecke gültige Aufenthaltsgenehmigung bzw. den Abriss der Post für deren Verlängerung besitzen.

Datenmitteilung für Lohnstreifen
Für jeden gemeldeten Arbeiter muss der Betrieb am Ende des Monats das Lohnbuch und den Lohnstreifen ausarbeiten. Deshalb müssen innerhalb Monatsende die von den Arbeitern gearbeiteten Tage und Stunden mitgeteilt werden. Vorzugweise ist dazu der vom Bauernbund-Lohnbüro zur Verfügung gestellte Kalender zu verwenden. Wurde die Anmeldung der Arbeiter von zu Hause aus gemacht, muss eine Kopie der Anmeldebestätigung übermittelt werden.
Weiters muss auch das vom Arbeiter unterschriebene Formular für die Steuerabsetzbeträge im Lohnbüro abgegeben werden.

Abfertigung
Die Abfertigung des landwirtschaftlichen Taglöhners ist als Stundenwert festgelegt. Sie ist auf jedem Lohnstreifen figurativ enthalten. Der Betrag ist auf dem letzten Lohntreifen des Arbeitsverhältnisses ausgewiesen und muss dem Arbeiter ausbezahlt werden.

Selbstkündigung
Arbeitnehmer, die von sich aus kündigen, müssen dies über eine elektronische Prozedur erledigen. Dies gilt auch, wenn das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einverständnis aufgelöst wird. Dies kann der Arbeitnehmer selbst auf der Internetseite des Arbeitsministeriums vornehmen bzw. über einen autorisierten Intermediär.

Kostenloser Dienst beim Patronat
Zu den autorisierten Intermediären gehören auch die Patronate. Das Patronat ENAPA des Südtiroler Bauernbundes bietet diesen Dienst an.