Arbeitssicherheit | 03.08.2017

In Sicherheit ernten

Vor Beginn der Ernte empfiehlt die Stabsstelle Arbeitssicherheit des Bauernbundes, die ­wichtigsten Punkte im Bereich der Arbeitssicherheit zu kontrollieren. Hier einige wichtige Punkte, die eingehalten werden ­müssen.

Bestimmte Arbeitsmittel, z. B. Hebebühnen, müssen periodisch überprüft werden. (Foto: www.agrarfoto.at)

Bestimmte Arbeitsmittel, z. B. Hebebühnen, müssen periodisch überprüft werden. (Foto: www.agrarfoto.at)

Wer die Bestimmungen im Bereich der Arbeitssicherheit einhält, trägt maßgeblich dazu bei, die Ernte sicher einzubringen: Besonders beim Hantieren mit Maschinen und Geräten gilt es, Sicherheitsbestimmungen einzuhalten und Ausbildungen zur Arbeitssicherheit zu absolvieren.

Traktoren
Traktoren müssen gegen die Gefahr des Umkippens geschützt sein und ein Rückhaltesystem für den Fahrer aufweisen. Daher müssen alle Traktoren mit einem Überrollschutz oder einer genormten Fahrerkabine und einem Sicherheitsgurt ausgerüstet sein. Zum Lenken von landwirtschaftlichen Fahrzeugen – ausgenommen für die selbstfahrenden einachsigen Arbeitsmaschinen – benötigt man den Führerschein (Kat. B oder A1 mit Einschränkungen).

Hebebühnen und Obsterntemaschinen
Bei Inbetriebnahme bestimmter Arbeitsgeräte wie z. B. Hebebühnen/Obsterntemaschinen sind diese beim nationalen Unfallinstitut INAIL – Landesdirektion Bozen zu melden. Im Umlauf befindliche Maschinen, welche noch nicht gemeldet wurden, müssen umgehend gemeldet werden. Zur Durchführung der ersten periodischen Überprüfung muss der Arbeitgeber oder Benutzer einen Antrag an das INAIL stellen. Das INAIL hat dann 45 Tage Zeit, um die erste periodische Überprüfung durchzuführen. Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss sich der Arbeitgeber oder Benutzer direkt an die befähigten Sachverständigen wenden. Hebebühnen und Obsterntemaschinen, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Diese Auslegung hat das Arbeitsinspektorat bestätigt.
Arbeitsmittel dürfen nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Geräte von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es bei der Ernte der Fall sein kann.

Ausbildungen im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitgeber
Jeder landwirtschaftliche Arbeitgeber benötigt eine Dienststelle für Arbeitsschutz sowie einen Leiter dieser Dienststelle mit entsprechender Ausbildung. In Landwirtschaftsbetrieben mit bis zu 30 jährlichen Arbeitseinheiten (JAE) kann der Arbeitgeber selbst die Funktion des Leiters der Dienststelle für Arbeitsschutz ausüben. Zu diesem Zweck muss er einen eigenen Kurs besuchen (jetzt 32 Stunden, früher 16 Stunden). Die Ausbildung ist grundsätzlich vor Übernahme der Funktion als Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz durchzuführen, dies gilt auch bei einer Übernahme des Betriebes bzw. bei der Erstanstellung von lohnabhängigen Arbeitnehmern. Ebenso kann ein eigener Mitarbeiter oder ein externer Techniker mit der notwendigen Ausbildung zum Leiter der Dienststelle für Arbeitsschutz ernannt werden. Diese 32-stündige Ausbildung beinhaltet außerdem nicht die Ausbildung für Brandschutz/Notfallmanagement und Erste-Hilfe.

Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragte
Grundsätzlich ist jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, verpflichtet, einen Brandschutzbeauftragten zu ernennen und diesen entsprechend auszubilden. Diese Pflicht gilt auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Familienbetriebe sind von dieser Bestimmung nicht betroffen.
Zudem muss jeder landwirtschaftliche Betrieb, der Arbeiter beschäftigt, einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und diesen entsprechend ausbilden. Diese Pflichten gelten auch für jene Betriebe, die nur für einen kurzen Zeitraum Erntearbeiter beschäftigen. Zusätzlich sehen die Kontrollkriterien des Zertifizierers GlobalG.A.P. (z. B. Obstbau) vor, dass mindestens eine Person mit einer Erste-Hilfe-Schulung anwesend sein muss, wenn im Betrieb landwirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden. Damit müssen auch Familienbetriebe einen Erste-Hilfe-Beauftragten ernennen und die entsprechenden Aus- und Weiterbildungen besuchen. Die Funktion des Brandschutz- und Erste-Hilfe-Beauftragten kann vom Arbeitgeber selbst, von einem im Betrieb mitarbeitenden Familienmitglied oder von einem Arbeitnehmer ausgeübt werden. Wir empfehlen, auf die Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Koffers bzw. Verbandskastens zu achten und auch deren Verfallsdatum zu kontrollieren.

Ausbildung für Arbeitnehmer
Die Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit für Arbeitnehmer ist auch geregelt und wurde auf zwölf Stunden festgelegt. Betroffen sind Taglöhner, welche mehr als 50 Tag­esschichten pro Betrieb und Jahr leisten, Fixarbeiter, Lehrlinge und Angestellte. Wird ein Arbeitnehmer eingestellt, so muss er die Ausbildung bei Beginn der Tätigkeit absolviert haben. Wenn das nicht möglich ist, muss sie innerhalb von 60 Tagen erfolgen. Die Ausbildung der Arbeitnehmer muss während der Arbeitszeit erfolgen und darf keine Kosten für die Arbeitnehmer zur Folge haben.

Vereinfachte Ausbildung
Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, welche beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, brauchen die 12-stündige Arbeitssicherheitsausbildung nicht zu absolvieren. Sie müssen aber eine verkürzte Ausbildung machen. Diese verkürzte Ausbildung muss mit einer eigenen Ausbildungsbroschüre erfolgen. Dabei werden die Arbeiter mithilfe der Broschüre in die jeweiligen Erntetätigkeiten, für die sie angestellt wurden eingewiesen. Dasselbe gilt für jene Arbeiter, welche mit dem Vertrag für Gelegenheitsarbeit beschäftigt werden. Diese Ausbildungsbroschüre steht in den jeweiligen Bezirksbüros des Südtiroler Bauernbundes bei der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne oder auf der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes zur Verfügung.

Ausbildung für „bestimmte ­Arbeitsmittel“
Das Inkrafttreten der Verpflichtung, eine spezifische Ausbildung für bestimmte Arbeitsmittel zu absolvieren, wurde für alle betroffenen Arbeitsmittel, welche in der Landwirtschaft eingesetzt werden, auf den
31. Dezember 2017 aufgeschoben. Dieser Termin bezieht sich nicht nur auf Traktoren, sondern auf alle Arbeitsmittel, die zur Ausübung der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit verwendet werden – also auch Hebebühnen, Gabelstapler, Bagger usw.
Risikobewertung
Arbeitgeber müssen ihre Risiken und Schutzmaßnahmen mit einer Risikobewertung ausarbeiten. Der Südtiroler Bauernbund hat eine eigene Vorlage zur Risikobewertung ausgearbeitet, die den Standardprozeduren entspricht. Den Mitgliedern steht sie auf der Bauernbund-Internetseite zur Verfügung – mit der gesamten Risikobewertung und einem Musterbeispiel. Familienbetriebe ohne Arbeitnehmer müssen die Risikobewertung aufgrund der Verpflichtung durch Global G.A.P. und Agrios vornehmen. Aufrecht bleiben –  so wie bisher – die Verpflichtungen durch Global-G.A.P. und Agrios. Diese werden erfüllt, indem man die Risikobewertung anhand der schriftlichen Bauernbund-Vorlage vornimmt.
Die Einhaltung der Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit trägt dazu bei, die Ernte sicher einzubringen.

Online-Informationen auf sbb.it
Weitere Informationen, Infoblätter und Formulare/Dokumente finden Sie auf der Internetseite des Südtiroler Bauernbundes unter www.sbb.it/service/arbeitssicherheit


Frage/Antwort

Digitale Broschüre reicht
Kann der Arbeitnehmer die Ausbildungsbroschüre auch digital einsehen, ohne die gedruckte Version zu erhalten?
Ja, sofern dem Arbeitnehmer die notwendige informatische Ausrüstung (PC, Laptop, Tablet usw.) ohne zusätzlichen Aufwand zur Verfügung steht und bei Bedarf die Möglichkeit eines Zugriffs auf das erhaltene Informationsmaterial besteht. In diesem Fall muss die Broschüre nicht ausgedruckt werden. Weiters muss im Ausbildungsnachweis angemerkt werden (unter „Zusätzliche und beigelegte Dokumentation“), dass die Ausbildungsbroschüre digital eingesehen wurde. 

zu den Kurzfilmen "Sichere Ernte"