Politik, Bauernbund | 25.08.2017

Wolf und Bär: „Jetzt reicht es!“

Nach den jüngsten Raubzügen von Wölfen mit Dutzenden gerissenen Tieren schlägt der Südtiroler Bauernbund erneut Alarm. „Die Politik muss bei den Großraubtieren die Notbremse ziehen“, fordert Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Von schockierenden Bildern wie diesem hier (aufgenommen nach den Rissen am Fedaiapass) haben die Bauern endgültig genug. (Foto: Georg Reiterer)

Von schockierenden Bildern wie diesem hier (aufgenommen nach den Rissen am Fedaiapass) haben die Bauern endgültig genug. (Foto: Georg Reiterer)

Wenn nichts geschieht, sieht der Bauernbund die gesamte Almwirtschaft in Gefahr. „Wenn wir Südtirol nicht frei von Wölfen und Bären halten, wird es die Almbeweidung, die seit Jahrhunderten Tradition hat, bald nicht mehr geben. Darauf weisen wir bereits seit Jahren hin“, erinnert Tiefenthaler. Werden die Almen aufgelassen, dann haben der Tourismus und das ganze Land ein Problem.

Häufiges Thema im Landesbauernrat
Der Landesbauernrat hat sich kürzlich wiederholt mit den Großraubtieren befasst. Über 80 tote Schafe am Fedaia-Pass, 30 teils qualvoll gerissene Schafe im Ultental, ein gerissenes Eselfohlen am Pordoijoch und erste Schafrisse im Grenzgebiet der Seiser Alm, wo die Bauern ihre 400 Schafe nun vorzeitig von der Alm holen, sind die schreckliche Bilanz der jüngsten Raubzüge von Wölfen. Und das, obwohl noch kein Wolfsrudel dauerhaft in Südtirol lebt. „Ich will mir nicht vorstellen, was mit den Tieren passiert, sobald sich bei uns ein Rudel gebildet hat“, betont Tiefenthaler.
Entsprechend aufgebracht sind die weideviehhaltenden Bauern. Sie wollen ihre Tiere nicht mehr den Wölfen zum Fraß aussetzen. „Unsere Befürchtungen haben sich schneller bewahrheitet als von vielen geglaubt. Die Ereignisse der vergangenen Wochen zeigen ganz klar, dass der Wolf ein Bewirtschaften der Almen unmöglich macht“, sagt Tiefenthaler. Daher werden immer mehr Bauern ihre Schafe, Ziegen und Rinder nicht mehr auf die Almen auftreiben. Der Bauernbund-Obmann warnt: „Den Bergbauern reicht es! Wird nichts unternommen, läuft Südtirol ernsthaft Gefahr, seine Almwirtschaft zu verlieren.“

Almen sind für Landschaftsbild unverzichtbar
Und gehen Almen verloren, hat das ganze Land ein Problem, betont Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner: „Die Almen sind für das Landschaftsbild und damit den Tourismus unverzichtbar, ihre Bewirtschaftung schützt vor Naturgefahren und erhöht die Tier- und Pflanzenvielfalt. Almen sind zudem beliebte Freizeit- und Erholungsgebiete für die Bevölkerung.“
Rinner ruft alle Südtirolerinnen und Südtiroler auf, diese Zusammenhänge zu berücksichtigen und sich entsprechend für eine Weiterbewirtschaftung der Almen und eine Verhinderung der Ansiedelung von Wölfen und Bären auszusprechen. „Die Bergbauern brauchen hier auch die Solidarität der städtischen Bevölkerung.“
Von der Politik fordert der Südtiroler Bauernbund, alles dafür zu tun, um die Ansiedelung von Bären und Wölfen zu stoppen. „Es muss jetzt endlich etwas passieren, sonst werden die Probleme immer größer“, betont Tiefenthaler. 

Wolf und Bär sind nicht bedroht
Der Bauernbund-Obmann weist erneut darauf hin, dass Bären und Wölfe keine bedrohten Tierarten mehr sind. „Es macht keinen Sinn, diese Großraubtiere überall in Europa zu verbreiten. Es gibt genügend Gebiete, wo Bären und Wölfe einen geeigneten Lebensraum haben. Hier in Südtirol aber haben wir den Platz und die Voraussetzungen nicht. Südtirol ist zu dicht besiedelt, um konfliktfrei mit Großraubtieren leben zu können.“ Daher müsse das Land frei von Großraubtieren gehalten werden, fordert Tiefenthaler.
Der Bauernbund unterstützt Politiker auf lokaler, staatlicher und EU-Ebene, die sich für einen bär- und wolfsfreien Raum einsetzen. „Wir sind auch solidarisch mit dem Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi, der die notwendige Entscheidung zum Abschuss einer Bärin getroffen hat, um die Sicherheit der Bürger zu garantieren.“

Mehr Bilder von den gerissenen Schafen am Fedaiapass auf Flickr

(unten aufs Foto klicken)


Schafe Fedaia Pass 2017


Schuler: „Arbeiten auf allen Ebenen“
Bei einer Aussprache im Landesressort für Landwirtschaft haben sich Bauern und Almbewirtschafter Anfang dieser Woche mit Landesrat Arnold Schuler unterhalten. „Ich bin mir der schwierigen Lage durchaus bewusst“, versicherte Schuler den Bauern. Bei allem Verständnis für die Emotionen, müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen allerdings respektiert werden, betonte der Landesrat und erläuterte das bisherige Vorgehen.
Es werde auf drei Ebenen an einer Lösung des Problems, sprich an einer geordneten Entnahme der Wölfe, gearbeitet: "Auf europäischer Ebene treten wir für eine Lockerung der Schutzklausel für Wölfe ein, da der Wolf gar nicht mehr zu den bedrohten Tierarten gehört, und auf gesamtstaatlicher Ebene sind wir bestrebt, den sogenannten Wolfsplan abzuschließen", sagte er. Außerdem sei eine Durchführungsbestimmung in Ausarbeitung, die es dem Land Südtirol erlauben soll, Wölfe und Bären in Notsituationen zu entnehmen. Da für große Beutegreifer - dazu gehören Wolf und Bär - aber das Umweltministerium zuständig ist, sei der Spielraum für Südtirol eng, sagte Schuler.

Rinner: Vorhandene Spielräume nutzen
Laut Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner gelte es, die sehr wohl vorhandenen Spielräume zu nutzen: „Es gibt Möglichkeiten der Intervention, und diese erfordern den uneingeschränkten Einsatz von Politik und Bauernbund. Wir müssen den Druck erhöhen und brauchen dazu auch die Unterstützung der Südtirolerinnen und Südtiroler.

Hier geht's zu einem Video eines gerissenen Kalbes.