Bauernbund | 01.09.2017

Almwirtschaft oder Wolf, beides geht nicht!

Ein klares Nein zum Großraubwild, ein klares Ja zu einer EU-Agrarpolitik, die Berggebiete besonders berücksichtigt: So das Fazit des 3-Länder-Treffens der Bauernbünde von Südtirol, Tirol und Bayern. von Michael Deltedesco

Einigkeit herrschte nicht nur beim Fototermin des 3-Länder-Treffens am Griesserhof in Vahrn. Auch inhaltlich ist man auf einer Linie.

Einigkeit herrschte nicht nur beim Fototermin des 3-Länder-Treffens am Griesserhof in Vahrn. Auch inhaltlich ist man auf einer Linie.

Drei Länder, eine Meinung: Das beschreibt das 3-Länder-Treffen wohl am besten. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass ein rasches Umdenken bei den Bären- und Wolfsprogrammen nötig ist. „Wir müssen Druck besonders auf die politisch Verantwortlichen in Rom und Brüssel machen. Der Wolf hat einen besonderen Schutzstatus, weil er lange Zeit als eine vom Aussterben bedrohte Tierrasse galt. Das ist aber bei über 2000 Tieren alleine in Italien lange schon nicht mehr der Fall. Daher muss auch eine Regulierung möglich sein“, stellte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler die Position des Südtiroler Bauernbundes klar. Dass Brüssel den Schutzstatus des Wolfs von der derzeit höchsten Schutzstufe absenken wird, glauben Tiefenthaler und der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann nicht. „Dafür bräuchte es einen einstimmigen Beschluss der Umweltminister.“ Allerdings seien sehr wohl Möglichkeiten der Entnahme vorgesehen, sofern es „zu Verwerfungen mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit kommt“. Mehr Chancen gebe es aber auf nationaler Ebene, weil die Nationalstaaten einen politischen Ermessensspielraum haben. Ein Beispiel dafür ist Schweden, wo eine Obergrenze festgelegt wurde. Breitet sich die Wolfspopulation zu sehr aus, können Tiere entnommen werden. Leo Tiefenthaler sagt: „In Italien ist man davon leider noch weit entfernt. Seit 15 Jahren wird um einen Wolfsplan gerungen, der eine Entnahme von bis zu fünf Prozent der Population vorsieht. Allerdings fehlt derzeit noch der politische Wille – besonders auf Ebene der Regionen – den Plan umzusetzen.“ Zudem bräuchte es deutlich mehr Entnahmen, damit sich die derzeitige Population nicht weiter erhöht. Ein weiteres Problem ist, dass es immer mehr Einkreuzungen mit Hunden gibt. „Hier stellt sich die Frage, ob es sich bei den Mischlingen um Wölfe oder doch eher um Hunde handelt.“ Diese sogenannten Hybriden müsste man entnehmen dürfen, fand Dorfmann.
Auf alle Fälle werden die Bauernverbände die jeweiligen Regierungen auf das Konfliktpotential des Wolfs in den Alpen aufmerksam machen. „Unser Ziel ist weiter ein wolfsfreies Südtirol“, betonte Tiefenthaler. „Besonders in den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass ein Nebeneinander von Wolf und Nutztieren nicht funktioniert.“ Auch die von vielen Wolfsfreunden immer wieder ins Spiel gebrachten Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune, Herdenschutzhunde u. ä., sind in Südtirol nicht umsetzbar. „Oder sollen unsere Bauern Zehntausende Hektar Almen einfach mal schnell einzäunen?“, fragte der Bauernbund-Obmann

EU-Agrarpolitik: Finanzierung sichern
Ein weiteres aktuelles Thema, das bei dem 3-Länder-Treffen diskutiert wurde, war die künftige EU-Agrarpolitik. Besonders um die Frage der Finanzierungen wird es harte Diskussionen geben, da nach dem Brexit-Votum einer der größten Nettozahler der EU wegfällt. „Die fehlenden Einnahmen können nur durch zusätzliche Einkünfte oder durch Einsparungen ausgeglichen werden. Wenn eingespart werden soll, wird wohl die Landwirtschaft zum Handkuss kommen. Ziel muss daher sein, für einen gleichbleibenden Haushalt zu kämpfen“, sagte Dorfmann.
Aber auch inhaltlich tut sich derzeit einiges. So hat eine Arbeitsgruppe innerhalb der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament ein Papier ausgearbeitet, das viele Anliegen enthält, die auch die drei Bauernverbände formuliert hatten. So soll die erste Säule beibehalten und weiter vernünftig mit Finanzmitteln ausgestattet werden. Zudem sollen die Flächenprämien vereinheitlicht werden. Die Rolle der Produzenten ist in der Lebensmittelkette zu stärken. Derzeit profitiert vor allem der Handel von Preissteigerungen. Nicht zuletzt sollten Innovationen und Junglandwirte stärker unterstützt werden. Nach der Online-Umfrage durch die EU will die Kommission noch heuer ein erstes „Reflektionspapier“ zur EU-Agrarpolitik vorlegen.
Zuvor aber diskutiert das Parlament über eine Omnibus-Verordnung. Interessant aus Sicht der Landwirtschaft sind die geplanten Änderungen beim Versicherungswesen. So soll die Schadensschwelle bei den Ernteversicherungen von 30 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden. Auch sollen Mutualitätsfonds, d. h. Solidaritätsfonds unter Bauern gestärkt werden.
Immer wieder taucht auch die Idee einer Einkommensversicherung für die Landwirtschaft auf. Davon ist Dorfmann weniger begeistert. Das derzeitige System sei deutlich besser als eine eventuelle Einkommensversicherung.

Josef Geisler, Obmann des Tiroler Bauernbundes und Landeshauptmann-Stellvertreter, Herbert Dorfmann, EU-Abgeordneter, Leo Tiefenthaler, Landesobmann Südtiroler Bauernbund und Alfred Enderle, Bezirkspräsident Bayerischer Bauernverband

Josef Geisler, Obmann des Tiroler Bauernbundes und Landeshauptmann-Stellvertreter, Herbert Dorfmann, EU-Abgeordneter, Leo Tiefenthaler, Landesobmann Südtiroler Bauernbund und Alfred Enderle, Bezirkspräsident Bayerischer Bauernverband