Bauernbund | 07.12.2017

„Wir können uns nur selber schlagen“

Die bevorstehenden Basiswahlen zur Ermittlung der bäuerlichen Landtagskandidaten, der Nutzen der Landwirtschaft für die Gesellschaft und die Verleihung von drei Erbhofurkunden: Das waren die wichtigsten Themen auf der gestrigen Jahreshauptversammlung des Bauernbund-Bezirks Pustertal in Bruneck. von Bernhard Christanell

Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler rief die Bauern zur Geschlossenheit auf.

Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler rief die Bauern zur Geschlossenheit auf.

Traditionsgemäß fand die Pusterer Bauernbund-Bezirksversammlung am Nikolaustag im Michael-Pacher-Haus in Bruneck statt. Bauernbund-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler rief die Mitglieder und Funktionäre gleich zum Auftakt zur Geschlossenheit auf: „Das Wissen, wie wichtig der Zusammenhalt für die bäuerliche Welt ist, waren vor über 100 Jahren ein Hauptgrund für unsere Vorfahren, den Tiroler Bauernbund zu gründen. Heute scheint dieser Zusammenhalt oft in Gefahr.“ Gerade weil der Anteil der Bäuerinnen und Bauern an der Gesamtbevölkerung abnimmt, müssten diese mehr denn je beweisen, dass sie an einem Strang ziehen. Auch bei den Landtagswahlen im nächsten Jahr gehe es um Geschlossenheit: „Nur damit können wir eine starke bäuerliche Vertretung sichern. Wir können uns nur selber schlagen – wenn wir nämlich so dumm sind, nicht zusammenzuhalten!“, schwor Tschurtschenthaler die Bauern auf den bevorstehenden Wahlkampf ein.

Möglichst starke bäuerliche Vertretung nötig

Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler rief die Bauern auf, sich zahlreich an der bevorstehenden Basiswahl zur Ermittlung der vier bäuerlichen Landtagskandidaten zu beteiligen und alle vier Vorzugsstimmen zu nutzen: „Die Basiswahl ist nur die erste von mehreren Wahlen, die uns in den kommenden Jahren bevorstehen – und bei allen geht es für die Landwirtschaft ums Ganze.“ Die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer wies auf die Wichtigkeit einer möglichst starken bäuerlichen Vertretung im Landtag hin: „Je mehr Vertreter wir dort haben, desto besser können wir unsere Anliegen weiterbringen.“

Ruhiges, mittelmäßiges Wirtschaftsjahr
Bezirksobmann Tschurtschenthaler blickte auch auf das zu Ende gehende Landwirtschaftsjahr zurück: „Wir hatten einen trockenen Winter und ein recht kühles Frühjahr. Insgesamt war es ein ruhiges, mittelmäßiges Wirtschaftsjahr“, fasst Tschurtschenthaler zusammen. Positiv hob er die immer bessere Zusammenarbeit unter den Milchhöfen und die Gespräche über einen Zusammenschluss der Viehzuchtverbände hervor. „Dabei sollten aber wirklich alle mit eingebunden werden und im gleichen Boot sitzen – vor allem im Sinne der Mitglieder“, forderte der Bezirksobmann. Ein weniger gutes Jahr hat die Pustertaler Saatbaugenossenschaft hinter sich: Wegen des sehr nassen und kühlen Jahres war der Ertrag an Kartoffeln niedriger und der Fäulnisbefall höher.

Angebot der Fernheizwerke hat sich bewährt
Das Angebot der Fernheizwerke von 47 Euro je Festmeter Brennholz wird immer stärker genutzt und hat sich vor allem angesichts der großen Vermurungen im Raum Pustertal als sehr gut erwiesen. Tschurtschenthaler dankte allen, die nach den Unwettern Hilfe geleistet haben. Weiters sprach sich der Bezirksobmann gegen die Schaffung von Wildruhezonen und für Übergangslösungen bei der Umsetzung der Digitalisierung aus: „Es darf nicht passieren, dass jemand von einer Förderung ausgeschlossen wird, nur weil er keinen Computer oder Internetzugang zuhause hat.“

Auf schriftliche Vereinbarungen pochen
Auf die Wichtigkeit von schriftlichen Vereinbarungen ging Bezirksleiter Walter Hintner ein: „Ob Wanderwege, Themenwege, Radwege, Skipisten, Langlaufloipen, Rodelbahnen, Reitwege oder anderes mehr – fast immer wird bei diesen Freizeitaktivitäten auch landwirtschaftlicher Grund genutzt. Und das leider nach wie vor allzu oft, ohne dass vorher eine entsprechende klare Vereinbarung mit dem Grundbesitzer getroffen wurde“, bemängelte Hintner. Es müsse immer klar sein, wer der Betreiber einer solchen Einrichtung sei und wer gegebenfalls für den Schaden haftet. Die Bauern sollten auf solche schriftlichen Vereinbarungen pochen.

JHV Pustertal Erbhoefe

Neue Erbhöfe in Kiens, Lappach und Gais
Ein Höhepunkt der Bezirksversammlung war die Verleihung von drei Erbhofurkunden. Landesrat Arnold Schuler, der die Auszeichnung vornahm, unterstrich die besondere Leistung, die eine Familie bringen muss, um den eigenen Hof als Erbhof bezeichnen zu können: „Der Hof muss mindestens 200 Jahre lang in direkter Linie in ein und derselben Familie weitervererbt werden. Wir können sehr stolz darauf sein, dass wir mittlerweile 1166 Erbhöfe im Land zählen – das ist ein Zeichen für viel Freude und Verantwortung von Seiten der Bäuerinnen und Bauern.“ Ausgezeichnet wurden in Bruneck die Familie von Martin Gatterer vom Hilber-Hof in Kiens, die Familie von Josef Rederlechner vom Lenzer-Hof in Lappach und die Familie von Siegfried Mair vom Lanzen-Hof in Gais.

Positiv über eigene Arbeit reden
Als Gastreferent war der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes in Bern, Markus Rediger, zur Versammlung geladen. Er beschäftigte sich mit der Frage, ob es Bauern heute überhaupt noch brauche – und er fand eine klare Antwort: „Es braucht die Bäuerinnen und Bauern mehr denn je – nicht nur, weil sie hochwertige Produkte erzeugen, sondern weil sie viele weitere Leistungen für die Gesellschaft erbringen. Dazu gehört auch, dass sie den ländlichen Raum lebendig erhalten.“ Oft sei in der Gesellschaft die Verbindung zwischen den Lebensmitteln, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, und den Bauernhöfen, auf denen sie produziert werden, verloren gegangen. „Diese Verbindung müssen wir Bauern wieder aufzeigen, indem wir positiv und selbstbewusst über unsere Arbeit kommunizieren“, unterstrich Rediger.