Bauernbund | 11.12.2017

„Bauern braucht es mehr denn je“


Mit der Frage, ob es die Bauern noch braucht und welchen Stellenwert die Landwirtschaft in Zukunft haben soll, hat sich die Bauernbund-Bezirksversammlung in Neumarkt befasst. Die Antwort darauf war klar und eindeutig. Gleich zwei Mal gab es zudem Grund zum Feiern. von Michael Deltedesco

Bezirksobmann Reinhard Dissertori schwor die Mitglieder auf die Bauernbund-Basiswahl ein.

Bezirksobmann Reinhard Dissertori schwor die Mitglieder auf die Bauernbund-Basiswahl ein.

Auf kein leichtes Jahr hat der Unterlandler Bauernbund-Bezirksobmann Reinhard Dissertori auf der traditionellen Bezirksversammlung zurückgeblickt. Die tiefen Temperaturen und Hagelschläge in einigen Gegenden haben für Schäden im Obst- und Weinbau gesorgt. Sorgen bereitet den Unterlandler Bauern auch, dass die Verlängerung der Flughafenlandebahn noch immer nicht vom Tisch ist. „Hier werden wir sehr genau hinschauen“, stellte Dissertori klar. Die Zulaufstrecken zum BBT seien hingegen nötig. Ein klares Nein gibt es zum geplanten Müllverbrennungsofen.

Aufruf zu reger Beteiligung an Basiswahl
Mit Spannung wird die in kürze beginnende interne Basiswahl zu Ermittlung der Kandidaten für die Landtagswahlen erwartet. „Ich rufe alle Mitglieder auf, sich an der Wahl zu beteiligen. Es ist wichtig, dass die Landwirtschaft wieder gut im Landtag vertreten ist“, betonte Dissertori. Einen ähnlichen Appell richtete auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler an die Anwesenden. Ein weiteres Thema in Neumarkt war die Reform der Landesraumordnung. Der Bauernbund habe sich in die Verhandlungen aktiv eingebracht und Verbesserungsvorschläge vorgelegt. Tiefenthaler lobte die enge Zusammenarbeit der im Südtiroler Wirtschaftsring vertretenen Verbände, besonders beim Thema Wertausgleich. Eine große Herausforderung für die Zukunft sieht Dissertori in der Sortenerneuerung. „Mit neuen, den Erfordernissen des Marktes angepassten Sorten ist es leichter, ein angemessenes Einkommen zu erzielen.“

Kritik für Kritik an der Landwirtschaft
Kritik gab es an der Diskussion über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Häufig geht es nicht mehr um eine sachliche Diskussion auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern darum, die Landwirtschaft generell in ein schlechtes Licht zu rücken“, erklärte Dissertori und ergänzte: „Natürlich muss und wird sich die Landwirtschaft weiterentwickeln, um noch besser zu werden. Im Vergleich zum Ausland ist der Anbau in Südtirol aber bereits auf einem sehr guten und hohen Niveau, auch was den Umweltschutz oder das Tierwohl anbelangt. Das wird leider viel zu oft vergessen.“   
Dass es die Landwirtschaft in Südtirol „mehr denn je braucht“, stellte der Ex-Landeshauptmann-Stellvertreter von Tirol und ehemalige Tiroler Bauernbundobmann Anton Steixner klar. „Sogar der Dümmste weiß, dass die Lebensmittel nicht vom Himmel fallen. Die Produktion hochwertiger Qualitätslebensmittel, die Pflege der Kulturlandschaft, die Erzeugung erneuerbarer Energien, die Pflege von Tradition und Bräuchen und einiges mehr, das sind die Leistungen, die die Landwirtschaft erbringt. Und diese braucht es in Zukunft mehr denn je.“

Ohne Spezialisierung geht es nicht
Hart ging Steixner mit jenen ins Gericht, die noch immer ein sehr „romantisches“ Bild von der Landwirtschaft haben. „Bei den aktuellen Preisen für Lebensmitteln geht es ohne eine gewisse Spezialisierung nicht – außer, die Preise steigen sehr, sehr deutlich.“ Mehr für Lebensmittel zu bezahlen, dazu sei aber nur eine sehr kleine Gruppe bereit. „Ich bin aber zuversichtlich, dass diese Konsumenten mehr werden.“ Ähnlich argumentierte auch Landesrat Arnold Schuler. „Wer fordert, dass in Südtirol Getreide statt Äpfel angebaut werden soll, muss wissen, dass ein durchschnittlicher Südtiroler Betrieb im Tal mit Getreide auf ein Einkommen von 2000 Euro bis 3000 Euro im Jahr kommen würde. Damit könnte keiner leben.“
Steixner appellierte an die anwesenden Bauern, offen für Neues zu sein und sich, wenn nötig, ein zweites Standbein am Hof aufzubauen. Er selbst habe seinen Milchviehbetrieb in Tirol auf Bio-Heumilch umgestellt und seit kurzem eine eigene Fischzucht als Zuerwerb. Was das Image der Landwirtschaft anbelangt, sieht Steixner die Bauern allgemein sehr wertgeschätzt. Einige wenige schwarze Schafe würden aber am Image der Landwirtschaft kratzen. „Denen muss man klarmachen, was eine gute landwirtschaftliche Praxis ausmacht.“ Betriebe, die sich nicht an die Spielregeln halten würden, dürften nicht mehr unterstützt werden.

JHV Unterland 2

Neuer Erbhof in Montan
Nachdem die Frage, ob es die Bauern noch braucht, klar und deutlich mit Ja beantwortet wurde, hatten die Anwesenden gleich zwei Mal Grund zum Feiern. Landesrat Arnold Schuler überreichte der Familie von Hannes und Evelyn Pichler vom Schießnerhof in Montan die Erbhofurkunde. Seit mehr als 200 Jahren ist der Hof im Besitz der Familie. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man auf die Ereignisse der letzten 200 Jahre blickt“, betonte Schuler und fuhr fort: „Dass Südtirols Landwirtschaft trotz der Kleinstrukturiertheit der Betriebe so gut dasteht und der Strukturwandel weniger stark zu spüren ist als in anderen Regionen, liegt an der hervorragenden Arbeit der Genossenschaften, einer weitblickenden Landwirtschaftspolitik, an der Erschließung der Höfe und nicht zuletzt am geschlossenen Hof.“

Neuer Bezirkssitz feierlich eröffnet
Zweiter feierlicher Höhepunkt war die Eröffnung des neuen Bauernbund-Bezirkssitzes in Neumarkt mit Dekan Josef Haas. Den Werdegang des Neubaus beschrieb der Bezirksleiter Alexander Golser. Mit dem Neubau habe der südlichste Bauernbund-Bezirk nun endlich einen würdigen Sitz, der auch der gestiegenen Beratungstätigkeit gerecht werde. Gedankt und gedacht wurde bei der Eröffnung auch dem ehemaligen Bezirksobmann Georg Jageregger, der sich immer für den Neubau stark gemacht hatte und leider allzu früh verstorben ist.

Mit dem Banddurchschnitt wurde der neue Sitz feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Mit dem Banddurchschnitt wurde der neue Sitz feierlich seiner Bestimmung übergeben.