Bauernbund | 27.01.2018

Landwirtschaft ist Botschafterin Südtirols

Südtirols Bauern produzieren nicht nur qualitativ hochwertige Lebensmitteln und tragen damit zur Ernährungssicherheit bei, sondern sind auch Botschafter für Südtirol im Ausland. So hieß es heute (Samstag) auf der Jahresversammlung des Bauernbund-Bezirks Bozen in Terlan. von Michael Deltedesco

Bezirksobmann Karl Framba: "Wissenslücke, die es gibt, müssen wir schließen"

Bezirksobmann Karl Framba: "Wissenslücke, die es gibt, müssen wir schließen"

Südtirol als Genussland präsentieren, darauf will IDM Südtirol mehr noch als in der Vergangenheit den Schwerpunkt in der Kommunikation setzen. Dabei sollen die bäuerlichen Produkte, die bereits jetzt Botschafter des Landes sind, noch stärker mit den Menschen, die sie produzieren, und der einmaligen Landschaft, in der sie wachsen, verbunden werden. Und hier komme der Südtiroler Landwirtschaft eine zentrale Rolle zu, brachte es Maximilian Alber von IDM Südtirol auf den Punkt. Die heimische Landwirtschaft genieße hohe Sympathie: Die kleinen familiengeführten Betriebe würden mit Authentizität, Vertrauen und Verlässlichkeit verbunden, lobte Alber. In Zukunft sei es die Aufgabe, der Gesellschaft den bäuerlichen Alltag und die Leistungen der Bauernfamilien näherzubringen – durch Informationen und emotionale Geschichten.

Zwei wichtige Gesetzesvorhaben vor dem Abschluss 
Kommunikation war auch eines der Stichworte von Bezirksobmann Karl Framba. „Die Landwirtschaft muss noch mehr mit der Gesellschaft kommunizieren und ihr die bäuerliche Arbeit näherbringen. Die Wissenslücke, die es gibt, müssen wir schließen.“ Doch das ist nicht die einzige Herausforderung. So hat sich der SBB intensiv mit dem neuen Landesraumordnungs- und Landschaftsschutzgesetz und dem Höfegesetz befasst. „Wir hoffen, dass bei der Landesraumordnung und dem Landschaftsschutz die berechtigten Anliegen der Landwirtschaft berücksichtigt werden.“ Was die Reform des Höfegesetzes betrifft, solle damit der Spekulation vorgebeugt werden. Bauern, die selbst ihre Felder bearbeiten, sollen aber weiterhin die Möglichkeit haben, ihren Hof zu schließen, sofern er die Voraussetzungen erfüllt.

Wenig Respekt vor bäuerlichem Eigentum
Ein Thema auf jeder Bezirksversammlung ist das bäuerliche Eigentum. Framba kritisierte die fehlende Miteinbeziehung der Grundeigentümer bei vielen Bauvorhaben. „Gerade in unserem Bezirk stehen einige Projekte an, wie der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bozen und Meran, die Umfahrung Bozen, die Verlegung der Autobahn oder der Ausbau der Verbindung ins Überetsch. Es kann nicht sein, dass wir von vielen Vorhaben aus den Medien erfahren und niemand mit uns spricht“, ärgerte sich Framba. Auch die Entwicklung beim Flughafen Bozen werde der SBB-Bezirk sehr genau verfolgen. 

Ein weiteres Thema, das den Bezirk beschäftigt, ist das Großraubwild. Hier forderte Framba,   Eingriffe in den Bestand zu erlauben. „Was in anderen Ländern möglich ist, muss auch bei uns möglich sein.“ Weitere Themen auf der Jahresversammlung waren die Wildruhezonen, die nicht erwünscht sind, der Wassernutzungsplan und die Düngung in den Natura-2000-Gebieten, wo eine praxistaugliche Lösung gefunden werden muss. Für das Wahljahr 2018 rief Framba dazu auf, zahlreich zur Wahl zu gehen und damit eine gute Vertretung der Landwirtschaft zu sichern.
Landesobmann Leo Tiefenthaler ging auf das Biokonzept 2025 ein, das den Bioanbau im Land forcieren soll. Große Hoffnung setzt Tiefenthaler auf das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft, das u.a. die Betreuung von alten Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung oder die Tiertherapie auf den Bauernhöfen vorsieht. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner motivierte die Anwesenden zu mehr Zusammenhalt. Eine der Hauptaufgaben heuer sei es, eine stärkere Zusammenarbeit unter den landwirtschaftlichen Institutionen anzustreben. 
Zwei langjährige Mitarbeiter, die im letzten Jahr in den Ruhestand getreten sind, wurden von Bezirksobmann Karl Framba feierlich verabschiedet. Walter Hörwarter war seit Juni 1976 im Südtiroler Bauernbund beschäftigt und ist im Sommer in Pension gegangen. Als Bezirksleiter   hat er maßgeblich dazu beigetragen, den SBB-Bezirk Bozen aufzubauen. Zudem war er als Urbanistikexperte gefragt. Bezirkssekretärin Edith Scarizuola war ebenfalls seit 1976 im SBB und ist mit Jahresende in den Ruhestand getreten. Framba dankte beiden für die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit. 

Stampferhof in Gries ist neuer Erbhof
Einen Erbhof zu besitzen, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Darauf hat Landesrat Arnold Schuler hingewiesen. Voraussetzung ist, dass der Hof über 200 Jahre im Besitz einer und derselben Familie ist.
Dass es in Südtirol über 1.160 Erbhöfe gibt, ist für Schuler ein Zeichen der Stabilität. Während es in anderen Regionen einen starken Strukturwandel gibt, ist die Situation in Südtirol deutlich positiver. Das ist auch dem Fleiß und Einsatz der bäuerlichen Familien, den Sonderkulturen, die mehr Wertschöpfung bieten, der Arbeit der Genossenschaft und nicht zuletzt der großen Verbundenheit mit dem Erbe der Vorfahren zu verdanken. Eine besondere Bedeutung hat auch der Geschlossene Hof. Dadurch wird verhindert, dass ein Hof immer und immer wieder aufgeteilt wird.
Ein neuer Erbhof ist der Stampferhof von Paul und Poliana Spornberger aus Gries. Seit 1795 ist der Biobetrieb, auf dem Äpfel und Trauben angebaut werden, im Eigentum der Familie Spornberger. Seit damals wurde der Hof immer vom Vater auf dem Sohn übergeben. Heute hat die Familie Spornberger von Landesrat Arnold Schuler die Erbhofurkunde erhalten.

Dank an langjährige Mitarbeiter: (v.l.) Leo Tiefenthaler, Walter Hörwarter, Edith Scarizuola, Karl Framba und Siegfried Rinner

Freude über die Erbhofurlunde: (v.l.) Karl Framba, Paul, Rafael und Poliana Spornberger, Andreas Mayr (Bezirksleiter), Arnold Schuler, Leo Tiefenthaler