Produktion | 29.01.2018

Wie es mit dem Obstbau weitergeht

Beim traditionellen Obstbauseminar des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) informierten sich in Lichtenstern am Ritten rund 150 Landwirte über aktuellste Trends und Themen rund um den Obstbau. von Julia Strobl, Versuchszentrum Laimburg und Klaus Kapauer, ALS

Über die Zukunft des Obstbaus in Südtirol haben rund 150 Landwirte in Lichtenstern am Ritten diskutiert.

Über die Zukunft des Obstbaus in Südtirol haben rund 150 Landwirte in Lichtenstern am Ritten diskutiert.

Seit nunmehr fast 30 Jahren stellt der ALS jährlich ein spannendes und informatives dreitägiges Seminarprogramm zusammen, um Landwirte über die wichtigsten Neuigkeiten im Obstbau zu informieren. Die diesjährige Ausgabe des Obstbauseminars fand vom 22. bis 24. Jänner im Haus der Familie in Lichtenstern statt. Die behandelten Themen reichten von Düngung, Sonderkulturen, Schnitttechniken über Probleme des Pflanzenschutzes bis hin zu Fragen zur Zukunft der Landwirtschaft.

Suche nach neuen Schwerpunkten
Wie ein roter Faden zog sich die Frage nach der Zukunft der Landwirtschaft im Allgemeinen und des Obstbaus im Speziellen durch die drei Seminartage. Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg, zeigte in seinem Referat mögliche Entscheidungshilfen für einen zukunftsorientierten Obstbaubetrieb auf. Laut Steinbauer könnten der vermehrte Fokus auf Qualität, die Spezialisierung in Nischen wie Sonderkulturen oder die biologische Landwirtschaft mögliche Strategien bilden. Die gewählte Strategie solle jedoch auf einer gründlichen Analyse der Ist-Situation sowie der Zukunftstrends basieren.

Zur Zukunft der integrierten Produktion
Roland Zelger, ehemaliger Direktor des Amts für Versuchswesen am Versuchszentrum Laimburg, stellte in seinem Vortrag zur integrierten Produktion die kritische Frage: „Integrierte Produktion - quo vadis? Ist die IP noch innovativ oder wird sie nur noch verwaltet?“ Zelger ging den Fragen nach, wie sich die Umsetzung des integrierten Konzeptes seit seiner Einführung in den 80er-Jahren entwickelt hat, warum trotz integrierter Produktion der Pflanzenschutz in der Kritik steht und wie die schwindende Glaubwürdigkeit der integrierten Produktion als nachhaltige Wirtschaftsweise noch gerettet werden könnte.

Bedeutung von Asien am Weltmarkt steigt
Christiane Bell von der Firma BayWa ging in ihrem Vortrag auf die künftige Veränderung des Weltmarktes ein, in der ihrer Meinung nach Asien eine wichtige Rolle spielen wird. Dieser Umstand wird auf die Obstwirtschaft einen entscheidenden Einfluss haben. Die Digitalisierung der Gesellschaft bringt starke Veränderungen im Kaufverhalten mit sich, sodass sich auch in der Obstvermarktung neue Wege auftun. Kritisch sieht Christiane Bell den Versuch der Einzelhandelsketten, das Konsumverhalten der Kunden durch den gezielten Einsatz von Eigenmarken zu steuern.
Claudio Mazzini von Coop Italia ging auf das veränderte Konsumverhalten in Italien ein. Der Produzent muss sich der Anforderung stellen, dem Konsumenten den hohen Wert eines guten Nahrungsmittels zu vermitteln und durch hochwertige Qualität das Genusserlebnis zu steigern. Peter van Arkel berichtete über die Entwicklung des Obstbaus in Polen und in der Ukraine und deren zukünftigen Einfluss auf den Apfelmarkt. Jos de Wit aus den Niederlanden ging auf Technologien der Zukunft ein, mit denen ein noch sparsamerer Umgang mit den Ressourcen möglich ist.

Schwefel als Pflanzenschutzmittel
Ein weiteres Hauptthema des diesjährigen Obstbauseminars war der Pflanzenschutz. Mehrere Mitarbeiter des Instituts für Pflanzengesundheit am Versuchszentrum Laimburg berichteten über verschiedene aktuelle Versuche: Werner Rizzolli und Ulrich Prechsl referierten über Schwefel, bereits seit dem 18. Jahrhundert als Wirkstoff im Obstbau eingesetzt wird und der eine fungizide und akarizide Wirkung hat. Zudem wirkt Schwefel als Dünger und beeinflusst das Immunsystem der Pflanzen. „Besonders geeignet ist Schwefel als Mehltaufungizid in der Nachblüte in einer Strategie mit systemischen Produkten“, betonte Werner Rizzolli. Auf der Sorte Cripps Pink könne Schwefel die Bildung von Blattnekrosen verhindern. In der Nachblüte bringen Schwefelbehandlungen auch einen positiven Nebeneffekt auf Rostmilben. Als problematisch könne sich jedoch die Pflanzenverträglichkeit bei Schwefelbehandlungen erweisen, die sich besonders bei hohen Temperaturen in Kombination mit hoher Globalstrahlung zeigen kann. In diesem Zusammenhang reagieren einige Sorten wie z. B. Braeburn empfindlicher als andere, erklärte der Experte.

Aktuelles zur marmorierten Baumwanze
Stefanie Fischnaller referierte über die marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), einen invasiven Schädling aus Asien, der aufgrund seiner Saugtätigkeit an Früchten Schäden an verschiedenen Kulturpflanzen verursachen kann. Mittlerweile wird die Wanze in großen Teilen Italiens beobachtet und für die Vernichtung großer Mengen an Obst und Gemüse im Feld verantwortlich gemacht. In Südtirol wurden erste Tiere im Jahr 2016 entdeckt, jedoch sind die Fangzahlen im Vergleich zu anderen nahen Regionen Italiens derzeit gering. Bisher beobachtete Wanzenschäden am Apfel sind aufgrund der trockenen Witterung im Jahr 2017 vor allem auf heimische Wanzen zurückzuführen. Über ein flächendeckendes Monitoring des Versuchszentrums Laimburg in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Pflanzenschutzdienst Bozen und dem Beratungsring Berglandwirtschaft BRING wird die Populationsentwicklung der Baumwanze in den nächsten Jahren jedoch genauestens überwacht.

Sortenerneuerung erneut von großem Interesse
Neue Apfelsorten sind für den Südtiroler Obstbau ein wichtiges Thema. Walter Guerra, Leiter des Instituts für Obst-und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg, berichtete über rotfleischige Apfelsorten und stellte aktuelle Daten zum Stand einiger fortgeschrittener Projekte (RedLove®, Red Moon® und Kissabel®) sowie die laufenden Versuche am Versuchszentrum Laimburg vor. Guerra schreibt rotfleischigen Sorten ein großes Potenzial für ein innovatives Produkt zu.
Markus Bradlwarter, Geschäftsführer des Sortenerneuerungskonsortiums Südtirol, führte eine Verkostung neuer Apfelsorten durch, die aus aktuell in Südtirol laufenden oder in naher Zukunft anlaufenden Sortenprojekten stammen. Bei acht der dreizehn verkosteten Sorten handelt es sich um gegen Schorf resistente Sorten.

Worauf man sich mit Clubsorten einlässt
Siegfried Brugger von der Rechtsanwaltssozietät Brugger & Partner prüfte die Anbauverträge von Clubsorten aus der Perspektive eines Produzenten und informierte die Teilnehmer über die wichtigsten Aspekte: Wesentlich sei es für den Produzenten zu wissen, dass sehr viele Pflichten mit dem Unterzeichnen eines Anbauvertrags von Clubsorten einhergehen. Der Produzent müsse über diese Pflichten bestens informiert sein und diese auch genau einhalten. Bei Nichteinhaltung drohen neben der Vertragsauflösung auch sehr hohe Strafen, berichtete Brugger

Anbau von Haselnüssen im Fokus
Im vergangenen Jahr haben erstmals Sonderkulturen den Sprung in das Programm des Obstbauseminars geschafft. Nach der positiven Resonanz aus dem Publikum hatten die Veranstalter beschlossen, den Sonderkulturen fortan einen fixen Platz im Programm einzuräumen. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt bei Haselnüssen, wobei sowohl Vertreter aus der Forschung als auch jene aus der Praxis referierten. Maria Corte vom Versuchszentrum Agrion (Fondazione per la ricerca, lo sviluppo, e l’innovazione dell’agricoltura piemontese), mit dem das Versuchszentrum Laimburg erst kürzlich eine Rahmenvereinbarung geschlossen hat, berichtete über optimale Anbausituationen für die Haselnuss. Die wichtigsten Faktoren seien die Anlage, die Wahl des Ausgangsmaterials, die Pflanzung sowie die weitere Behandlung der Sträucher in der Anlage. Schnitt und Ernte erfolgen meist mechanisch. Bemerkenswert beim Anbau der Haselnüsse sei, dass die Pflanzen erst ab dem siebten Standjahr den vollen Ertrag bringen, erklärte Corte.