Bauernbund | 05.02.2018

Landwirtschaft muss sich rechnen

Die Nachhaltigkeit, mehr Dialog mit der Gesellschaft, die Sicherung des bäuerlichen Einkommens und die Nutzung von neuen Erwerbsmöglichkeiten, sind die Herausforderungen der Berglandwirtschaft in den nächsten Jahren. Auf der Bezirksversammlung des Südtiroler Bauernbundes in Wiesen wurde Kritik an immer mehr Bürokratie laut. von Michael Deltedesco

Sie standen den zahlreichen Anwesenden Rede und Antwort: Sepp Noggler, Viktor Peintner, Maria Hochgruber Kuenzer, Siegfried Rinner, Arnold Schuler, Konrad Obexer.

Sie standen den zahlreichen Anwesenden Rede und Antwort: Sepp Noggler, Viktor Peintner, Maria Hochgruber Kuenzer, Siegfried Rinner, Arnold Schuler, Konrad Obexer.

Wohin muss sich die Berglandwirtschaft entwickeln, war die zentrale Frage der SBB-Bezirksversammlung im Wipptal. Für Landesrat Arnold Schuler ist die Nachhaltigkeit ein ganz großes Thema in den nächsten Jahren. Mit Nachhaltigkeit sei aber nicht nur mehr Ökologie gemeint, die zu Recht von immer mehr Konsumenten gefordert werde. „Auch Nachhaltigkeit in Form von Versorgungssicherheit und nicht zuletzt die ökonomische Nachhaltigkeit werden zunehmend wichtiger.“ Ein Schwerpunkt auch der Politik ist daher die Einkommenssicherung in der Berglandwirtschaft. „Die Landwirtschaft sowie der Zu- und Nebenerwerb zusammen müssen sich rechnen, damit sich junge Menschen weiterhin entscheiden, die Höfe auch in Zukunft zu bewirtschaften“, so Schuler. Die Zahlen der landwirtschaftlichen Fachschulen würden ihn auf alle Fälle zuversichtlich stimmen.
Interessant sei die derzeitige Diskussion über eine Ernteversicherung, die z. B. bei Trockenheit oder Nässe helfen könnte, die Ernteausfälle abzufedern und damit das Einkommen zu stützen. Nach wie vor zu niedrig seien die Preise für heimische Lebensmittel. Noch nie gaben Konsumenten so wenig Geld für Nahrungsmittel aus wie derzeit. 
Dass das letzte Jahr nicht ganz einfach war, daran erinnerte Bezirksobmann Konrad Obexer. Alles in allem war 2017 aber ein durchschnittlich gutes Jahr. Er appellierte, offen für Neues zu sein und sich bietende Chancen zu nutzen. Für einige Betriebe könnten auch Nischenkulturen interessant sein. Sehr erfolgreich war der Urlaub auf dem Bauernhof.

Mehr Dialog mit der Gesellschaft gewünscht
Eine wichtige Aufgabe wird sein, mit der Gesellschaft noch stärker in Dialog zu treten und den Konsumenten die Landwirtschaft und ihre Leistungen näherzubringen. Dazu tragen Veranstaltungen wie der Bauernhof-Sonntag im Mai bei, wo sich jeder Interessierte von der Arbeit der Bauern selbst überzeugen kann.
Zudem muss in der Kommunikation die harte Arbeit der Bergbauern stärker mit den bäuerlichen Produkten verknüpft werden. „Die große Chance der Berglandwirtschaft, auch auf immer härter umkämpften Lebensmittelmärkten, sind Qualität und Differenzierung. Die Konsumenten müssen wissen, dass unser Produkte von kleinen Höfen stammen, die noch von der bäuerlichen Familie selbst bewirtschaftet werden. Das schätzen die Konsumenten“, war Schuler überzeugt. Großes Potential sieht der Landesrat in der Fleischproduktion. „Auch wenn die Milch die Haupteinkommensquelle in der Berglandwirtschaft bleiben wird, ist das Potential von Fleisch noch viel zu wenig genutzt.“ Weiter stärken will Schuler die Aus- und Weiterbildung sowie die Forschung, indem die Zusammenarbeit von Uni Bozen und dem Versuchszentrum Laimburg ausgebaut wird.
Für SBB-Direktor Siegfried Rinner bietet auch die Soziale Landwirtschaft neue Chancen – für die Gesellschaft wie für die Bäuerinnen und Bauern. Entscheidend für die Berglandwirtschaft ist weiters, sich an den Verhandlungen über die EU-Agrarpolitik nach 2020 zu beteiligen.

Zu den Wahlen gehen

Apropos Beteiligung: Direktor Rinner rief die zahlreichen Anwesenden dazu auf, zu dem Parlaments- und Landtagswahlen zu gehen und die Stimme abzugeben. Gerade die Landwirtschaft sei auf eine gute Vertretung in Rom und in Bozen angewiesen. „Die letzten Jahre, in denen sehr viel erreicht werden konnte, haben gezeigt, wie wichtig eine gute Vertretung der bäuerlichen Interessen und direkte Ansprechpartner sind.“ Mit Sorge beobachte Rinner den Trend, Kompetenzen von den Gemeinden in Richtung Landesverwaltung zu verschieben – auch wenn immer das Gegenteil behauptet werde.
Für Landesobmann-Stellvertreter Viktor Peintner stellen Wolf und Bär eine der größten Herausforderungen dar. Er wiederholte die Forderung aus dem Bauernstand, eine Regulierung des Bestandes zu ermöglichen. Die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer sprach sich für gleiche Chancen zwischen Stadt und Land aus. Der ländliche Raum müsse daher weiter gestärkt werden. Sepp Noggler berichtete über die anstehenden Gesetze im Landtag, wie das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft, das Höfegesetz oder das Raumordnungs- und Landschaftsschutzgesetz.
In der anschließenden Diskussion beklagten sich mehrere Teilnehmer über immer mehr Bürokratie. Auch das sei eines der großen Themen der nächsten Jahre.