Bauernbund | 10.02.2018

„Wir akzeptieren nicht alles“

Es waren vor allem die aktuellen Themen wie das bäuerliches Eigentum, das Großraubwild und das Höfe- bzw. Landesraumordnungsgesetz, die bei der Diskussionsrunde auf der Bauernbund-Klausurtagung zur Sprache kamen. von Michael Deltedesco

Die bäuerlichen Vertreter aus Landtag und Parlament diskutierten heute mit 200 Funktionären des Südtiroler Bauernbundes:

Die bäuerlichen Vertreter aus Landtag und Parlament diskutierten heute mit 200 Funktionären des Südtiroler Bauernbundes:

Ein EU-Abgeordneter, zwei „römische“ Abgeordnete, ein Landesrat und drei Landtagsabgeordnete: Das Podium auf der Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes in Terlan war prominent besetzt. Den Politikern haben die Funktionäre vergangene Woche eine Reihe von Anliegen mit auf den Weg gegeben.

Bauerngrund respektieren
Den Anfang machte aber traditionell Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler mit seinem Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen. Er kritisierte, dass Grundeigentümer bei Projekten nicht miteinbezogen werden: „Es kann nicht sein, dass sie von Infrastrukturprojekten aus den Medien erfahren, wie bei der Verlegung der Autobahn in Leifers oder dem Ausbau der Bahnstrecke Bozen-Meran geschehen.“
Ein Dauerthema auf Bauernbund-Tagungen ist die Freizeitnutzung auf bäuerlichem Grund. „Wir sind nicht dagegen“, sagte Tiefenthaler, „sondern wollen nur klare Spielregeln, wie es sie heute mit den Mountainbike-Vereinbarungen schon gibt.“ Dennoch laufe nicht alles wie gewünscht. „Immer wieder werden im Internet Mountainbiketouren angepriesen oder Radführer gedruckt, ohne jemals mit den Grundeigentümern gesprochen zu haben“, kritisierte Tiefenthaler. Eine große Herausforderung werden die E-Bikes. „Hier wird es schnell klare Regeln brauchen.“ Sehr genau wird der Bauernbund auch die weitere Entwicklung rund um den Flughafen beobachten.

„Steuern auf Desaster zu“
Ein großes Thema war das Großraubwild. Sollte es nicht schnelle Lösungen geben, steuert die Almwirtschaft für den Villanderer Ortsobmann Konrad Senn „auf ein Desaster zu. Die Folge ist, dass die Tiere nicht mehr gealpt werden. Der Herdenschutz führt zu nix.“ Auch Oswald Karbon, Ortsobmann von Kastelruth, befürchtet einen Rückgang der Almtätigkeit. Wie Herbert Dorfmann berichtete, versucht man auf europäischer Ebene, den Schutzstatus des Wolfs zu lockern. „Das sei aber nicht einfach, und letztlich sind die Mitgliedsstaaten gefordert.“ In Italien bewege sich da wenig, berichtete Senator Hans Berger. Landesrat Arnold Schuler verwies darauf, „dass Wolf-Befürworter immer wieder mit der Artenvielfalt argumentieren. Aber der Wolf selbst bedroht die Artenvielfalt auf den Almen, wenn Almen nicht mehr bewirtschaftet werden. Das wird häufig vergessen.“
Ein weiteres Thema waren die Wahlen. Bei den Landtagswahlen stehen mit den vier Meistgewählten der Basiswahl – Maria Hochgruber Kuenzer, Josef Noggler, Franz Locher und Joachim Reinalter – die vom Südtiroler Bauernbund unterstützten Kandidaten fest (siehe auch S. 4). Schon in drei Wochen wird das Parlament neu gewählt (siehe auch S. 22). Tiefenthaler rief dazu auf, fleißig zur Wahl zu gehen: „Es ist wichtig, dass Südtirol gut in Rom vertreten ist und die Landwirtschaft auch in den nächsten Jahren verlässliche Ansprechpartner hat.“

Mehrere wichtige Gesetze vor Verabschiedung
Auch einige wichtige Gesetze waren Thema der Diskussion mit den politisch Verantwortlichen. Kritik gab es an der Überarbeitung des Höfegesetzes. Unter anderem kritisierten die Höfekommissionspräsidenten Georg Mayr und Peter Pardatscher, dass die Präsidenten der lokalen Höfekommissionen nie zu einer Aussprache mit dem Landesrat geladen und in die Überarbeitung eingebunden waren. Zudem wurde angezweifelt, ob mit dem aktuellen Entwurf die Ziele der Anpassung – die Vermeidung von Spekulation – erreicht werden kann. Landesrat Schuler sicherte ein Treffen zu.

Gemeinsame Agrarpolitik
Spannend dürften die Verhandlungen über die neue EU-Agrarpolitik werden. Die Bauernbund-Funktionäre hoffen, dass die Anliegen der Landwirtschaft im Berggebiet wieder berücksichtigt werden. Zudem sollten Jung-landwirte besser unterstützt werden. „Die größte Herausforderung wird aber sein, das EU-Agrarbudget zu halten“, so Tiefenthaler.
Ein weiteres Anliegen des Bauernbundes ist, noch stärker mit der Gesellschaft zu kommunizieren. „Wir müssen allen die Landwirtschaft näherbringen und erklären, wie Bäuerinnen und Bauern arbeiten und was sie tagtäglich leisten“, fasste Tiefenthaler zusammen.
Ein Diskussionspunkt war die Biolandwirtschaft. Der Pusterer Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler mahnte an, den Markt genau zu beobachten und ein Überangebot zu vermeiden, weil sich das negativ auf den Preis auswirken würde. Raimund Prugger, der Bezirksobmann des Vinschgaus, sprach die Probleme rund um den Nationalpark Stilfser Joch an. Einige Funktionäre sprachen sich für einen stärker tierbezogenen Ansatz in der Förderpolitik aus. Und nicht zuletzt kam auch die Förderung von Bewässerungsanalgen im Obstbau zur Sprache. Hier wurde die sehr knappe Förderung kritisiert.

Gezeigt wurde bei der Klausutagung auch dieses Kurzvideo zum Thema Hagelschutzversicherungen: