Bauernbund | 02.03.2018

"Trends als Chance sehen und nutzen"

Die Herausforderungen für den Südtiroler Bauernbund und die Landwirtschaft insgesamt standen im Mittelpunkt des Bauern- und Bäuerinnentages des SBB-Bezirks Burggrafenamt in Marling. Dabei zeigte sich, dass die Landwirtschaft insgesamt gut für die Zukunft gerüstet ist. Ausbaufähig sei die überbetriebliche Zusammenarbeit. von Michael Deltedesco

Bernhard Burger: „Grundeigentümer in die Planung und die Entscheidungen miteinbeziehen.“

Bernhard Burger: „Grundeigentümer in die Planung und die Entscheidungen miteinbeziehen.“

Gleich zu Beginn des Bauern- und Bäuerinnentages ging Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger auf die großen Aufgaben der nächsten Jahre ein. Und da steht das Großraubwild ganz oben auf der Liste: „Es hat auch im vergangenen Jahr wieder Risse im Bezirk gegeben. Da der Herdenschutz nicht funktioniert, muss der Schutzstatus für den Wolf gesenkt werden.“ Die Politik bemühe sich zwar, Lösungen zu finden, allerdings sei es besonders in Brüssel und Rom schwer, Gehör zu finden.

Schutz des bäuerlichen Eigentums
Ein weiteres Thema im Bauernbund-Bezirk Burggrafenamt ist der Schutz des bäuerlichen Eigentums. „Wir verstehen, dass es neue Rad- und Mountainbike-Wege, Langlaufloipen, Skipisten oder Aufstiegsanlagen braucht. Dabei darf es aber keine Verlierer geben. Die Grundeigentümer müssen in die Planung und die Entscheidungen miteinbezogen werden“, forderte Burger. Zudem brauche es klare Vereinbarungen. Gleiches gilt auch für neue Verkehrsprojekte. „Die Vorgehensweise bei der Umfahrung in Rabland können wir so nicht akzeptieren. Wir sprechen uns für eine nachhaltigere Lösung aus“, unterstrich Burger. Mehr Geschwindigkeit müsse es hingegen beim Ausbau des Breitbandnetzes geben. „Auch die Menschen auf dem Land haben ein Anrecht auf schnelles Internet.“

Herausforderungen für den Verband
Neue, teilweise globale Trends wie etwa Urbanisierung, Gesundheit, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit, betreffen nicht nur die Bäuerinnen und Bauern, sondern stellen auch den   Südtiroler Bauernbund als Dienstleister vor Herausforderungen. Auf die Herausforderungen, besonders auf die Digitalisierung, ging Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner ein. Rinner appellierte, die großen Trends als Chance zu sehen. „Besonders die Nachhaltigkeit bietet Möglichkeiten, die unsere Betriebe nutzen müssen. Wir haben dafür die besten Voraussetzungen.“
Nach wie vor wichtig bleibt die politische Arbeit: „Gerade die letzten Jahre, wo viele Anliegen erfolgreich umgesetzt werden konnten, haben gezeigt, wie wichtig eine verlässliche politische Vertretung auf Gemeinde-, Landes-, römischer und EU-Ebene ist.“

Einstimmung auf Superwahljahr
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler stimmte die knapp 100 anwesenden Bäuerinnen und Bauern daher auch auf ein Superwahljahr ein: Nach den Parlamentswahlen folgen im Herbst die Landtagswahlen, danach werden die Orts- und Bezirksbauernräte sowie die Bauernbund-Spitze gewählt und im Mai nächsten Jahres das EU-Parlament. Tiefenthaler rief dazu auf, sich an den Wahlen zu beteiligen. „Wichtig ist, dass wir weiterhin politisch gut vertreten sind.“ Erfreut zeigte sich Tiefenthaler über den Erfolg der Bauernbund-Basiswahlen, aus der Maria Hochgruber Kuenzer, Sepp Noggler, Franz Locher und Joachim Reinalter als meistgewählte bäuerliche Kandidaten hervorgegangen sind. Sie haben sich in der Kellerei Meran Burggräfler in Marling vorgestellt und erklärt, was sie im Falle einer Wahl in den Südtiroler Landtag erreichen möchten.

Drei wichtige Gesetze stehen an
Landesrat Arnold Schuler sprach in seinen Grußworten die drei für die Landwirtschaft wichtigen Gesetze an, die in den nächsten Monaten genehmigt werden sollen: das Höfegesetz, das Landesraumordnungsgesetz und das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft. Weitere Themen waren die Wildruhezonen und das Großraubwild. Da die Probleme mit Wölfen in mehreren Ländern zunehmen, hofft Schuler auf eine Aufweichung des sehr hohen Schutzstatus.
Klare Worte fand Landesrat Arnold Schuler für die Kritik an der Integrierten Produktion im Obstbau: „Obwohl wir Musterschüler sind und eine Vorreiterrolle einnehmen, hat die Kritik das erträgliche Maß überschritten. Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam im Gespräch und nicht mit Polemik lösen.“

Unternehmensnetzwerke nutzen
Ein zweites zentrales Thema auf dem Bauern- und Bäuerinnentag waren die Kooperationen in der Landwirtschaft. Um die Auslastung der Maschinen und Arbeitskräfte der vielen kleinen bäuerlichen Betriebe zu verbessern und damit Kosten zu senken, können seit einiger Zeit auch Unternehmensnetzwerke gegründet werden. „Dabei schließen sich zwei oder mehrere Betriebe zusammen und helfen sich gegenseitig. Dabei bleiben die einzelnen Betriebe aber eigenständig“, erklärte der Meraner Bauernbund-Bezirksleiter Stefan Ganner. Wie ein Unternehmensnetzwerk in der Praxis funktioniert und was es betriebswirtschaftlich für die einzelnen Betriebe bedeutet, war Thema von Unternehmensberater und Bauer Christian Gruber. Beide unterstrichen, dass in vielen Fällen Formen der Zusammenarbeit sinnvoll sind, da die Maschinenkosten in den Betrieben immer mehr steigen würden.