Internationales, Politik | 13.03.2018

Dorfmann: Familienbetriebe stärken

Der Südtiroler Europaabgeordnete Herbert Dorfmann hat im Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments in Straßburg seinen Bericht zur Ernährung und Landwirtschaft der Zukunft präsentiert. Er spricht sich darin vorrangig für die Stärkung der familiengeführten Betriebe und eine Vereinfachung der gesamten Agrarpolitik aus.

Die EU-Fördergelder sollten gerechter verteilt werden, fordert Herbert Dorfmann in seinem Bericht.

Die EU-Fördergelder sollten gerechter verteilt werden, fordert Herbert Dorfmann in seinem Bericht.

Das Europäische Parlament hat Herbert Dorfmann die ehrenvolle Aufgabe übertragen, den Bericht des Europäischen Parlaments für die EU- Agrarpolitik in den Jahren 2020 bis 2027 auszuarbeiten.
Ziel ist es laut Dorfmann, die Landwirtschaft für die kommenden großen Herausforderungen zu rüsten: „Die neue gemeinsame Agrarpolitik muss den Anforderungen der Bauern in Europa im nächsten Jahrzehnt gerecht werden: Die Landwirtschaft hat die Aufgabe, ausreichend und sichere Lebensmittel herzustellen, sie muss im internationalen Wettbewerb bestehen, die technologische und digitale Innovation nutzen, nachhaltig sein sowie die Bauern vor Marktkrisen und Unwetterschäden bestmöglich schützen.“
Familiengeführte Betriebe müssten erhalten und gefördert werden. „Die Landwirtschaft muss für junge Menschen attraktiv bleiben, benachteiligte Gebiete und Berggebiete müssen vor Abwanderung und Landflucht bewahrt werden“, erklärt Dorfmann.

Besondere Aufmerksamkeit für Jungbauern
Herbert Dorfmann schlägt in seinem Bericht vor, den Jungbauern besondere Aufmerksamkeit zu widmen und so der vielerorts in Europa grassierenden Veralterung der Landwirtschaft entgegenzuwirken.
Vor allem in benachteiligten Gebieten brauchen Bauern weiterhin Direktzahlungen, um ihr Einkommen abzusichern. Daher wird im Bericht vorgeschlagen, die Prämienberechnung in Europa zu vereinheitlichen und so das System einfacher, transparenter und vor allem fairer machen zu machen. Heute beruht die Berechnung noch auf historischen Produktionsdaten, welche die heimischen Bergbauern klar benachteiligen.

Mehr Förderungen für kleine Betriebe
„Direktzahlungen sollen stärker auf kleine und mittlere Familienbetriebe konzentriert werden, denn der Fokus der europäischen Landwirtschaftspolitik muss auf familiengeführten Betrieben liegen. Wir müssen sicherstellen, dass Familienbetriebe mehr Unterstützung erhalten als industrielle Großbetriebe“, fordert Herbert Dorfmann hervor. Heute erhalten 20 Prozent der Höfe in Europa 80 Prozent der Betriebsprämien. Um eine fairere Verteilung zu erreichen, sollten zukünftig Direktförderungen degressiv mit der Größe abnehmen und es sollte eine absolute Obergrenze geben.
Im Gegenzug für öffentliche Zahlungen müssen die Bauern Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit liefern. Herbert Dorfmann schlägt daher vor, die bereits geltenden Umweltauflagen und -programme zusammenzufassen und klarer zu machen. Wenige, aber dafür klare Auflagen bringen mehr, schaffen weniger Bürokratie und sind leichter kontrollierbar.

Marktordnungen beibehalten und Finanzierung sichern
Um weiterhin einen stabilen Absatz der europäischen Lebensmittel zu gewährleisten und gleichzeitig den Verbrauchern Lebensmittel zu angemessenen Preisen anbieten zu können, appelliert Herbert Dorfmann, die für Südtirol wichtigen Marktordnungen für Obst, Gemüse und Wein beizubehalten und das EU-Schulprogramm für Obst und Milch weiterzuführen.
„Die europäische Agrarpolitik kann nur dann die vorgeschlagenen Ziele erreichen, wenn sie über ausreichend finanzielle Mittel verfügt,“ erinnert Herbert Dorfmann und drängt darauf, „dass für die Landwirtschaft nach 2020 ein mindestens gleich großes Budget wie derzeit zur Verfügung steht.“

Auswirkungen des Brexit abfedern
Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU werde es nicht leichter werden, den EU- Haushalt zu erstellen und Geld bereitzustellen. Zudem sei das Vereinigte Königreich ein wichtiger Markt für Lebensmittel aus der EU, auch aus Südtirol. „Wir müssen mit einer gezielten Politik bereits jetzt darüber nachdenken, wie wir die Auswirkungen des Austritts abfedern können. Zudem muss Ernährungssicherheit in Europa und in der Welt, Nachhaltigkeit und Offenheit für Innovation unsere Politik kennzeichnen“, betont Dorfmann.
 
Nach der gestrigen Vorstellung des Berichts im Europäischen Parlament in Straßburg können nun die Abgeordneten Abänderungsanträge einbringen. Die Schlussabstimmung im Parlament ist für Ende Mai geplant.


Hier ein Interview von Herbert Dorfmann zu seinem Bericht auf dem Online-Portal „agrarheute“