Arbeitsberatung | 15.03.2018

Lohn überweisen wird Pflicht

Die Zahlung des Nettolohns in bar ist endgültig Geschichte: Ab 1. Juli sind nur mehr rückverfolgbare Zahlungsmittel (z. B. Überweisung) zulässig. Das gilt auch bei der Bezahlung von Erntehelfern. von Thomas Wieser, SBB

Die üblichste rückverfolgbare Zahlungsart ist die Überweisung auf ein Bankkonto. (Foto: Marc Boberach/pixelio.de)

Die üblichste rückverfolgbare Zahlungsart ist die Überweisung auf ein Bankkonto. (Foto: Marc Boberach/pixelio.de)

Bei der Bezahlung des Lohns an landwirtschaftliche Arbeiter – somit auch an Erntehelfer – mussten die Betriebe immer schon einige Dinge beachten. So muss dem Arbeiter mindestens der vom Kollektivvertrag vorgesehene Tariflohn bezahlt werden, und es musste bei Barzahlungen die Bargeldgrenze (erst 1000 Euro, später 3000 Euro) eingehalten werden.
Ab 1. Juli gilt nun neu: Die Bezahlung des Lohnes muss über ein rückverfolgbares Zahlungsmittel (z. B. Überweisung) erfolgen. Dies bedeutet: Lohnzahlungen in bar sind nicht mehr zulässig.

SBB bemüht sich um Änderung
Diese Neuerung bei der Bezahlung der Arbeitnehmer wurde in letzter Minute in das diesjährige Bilanzgesetz eingefügt und gilt für alle Wirtschaftssektoren.
Betroffen ist somit auch die Landwirtschaft mit ihren vielen saisonalen Arbeitsverhältnissen. Bei diesen kurzen Arbeitsverhältnissen, bei denen die Arbeiter oft aus dem Ausland kommen, ist in der Praxis die Bezahlung des Lohnes am Ende des Monats bzw. am Ende des Arbeitsverhältnisses nach wie vor üblich. Außerdem sind es die Arbeiter gewohnt, den Lohn in bar zu bekommen. Aus diesen Gründen wird sich der Südtiroler Bauernbund dafür einsetzen, die Bestimmung wieder abzuschaffen bzw. im Sinne der Landwirtschaftsbetriebe abzuändern.

Zahlungsarten
Ab 1. Juli muss die Lohnzahlung gemäß den neuen Bestimmungen auf folgende Weise erfolgen:
- mittels einer Banküberweisung an das vom Arbeitnehmer angegebene Konto (IBAN). gemäß der Formulierung der Norm kann es sich auch um ein ausländisches Konto handeln;
- mittels anderer elektronischer Bezahlsysteme, z. B. aufladbarer Karten;
- mittels Hinterlegung des Betrages des Lohnes in bar bei einem Bank- bzw. Postschalter, wo der Arbeitnehmer ein Konto eingerichtet hat;
- mittels der Ausstellung eines Schecks, der direkt auf den Arbeitnehmer lautet. Falls dies aus nachweislichen Gründen nicht möglich ist, kann der Scheck auch an eine vom Arbeitnehmer bevollmächtigte Person lauten. Bei den bevollmächtigten Personen muss es sich um den Ehepartner, den zusammenlebenden Partner bzw. einen Verwandten in direkter Linie handeln.

Die neue Bestimmung verbietet ausdrücklich jede Barzahlung. Dies gilt auch für Vorschüsse auf die Entlohnung.

Ausnahme und Strafen
Von der Bestimmung ausgenommen sind lediglich die Arbeitsverhältnisse mit öffentlichen Verwaltungen und Hausangestellten. So kann man Pflegekräfte und Haushaltshilfen weiterhin in bar entlohnen. Bei Nichteinhaltung der Bestimmung ist eine Strafe von 1000 bis 5000 Euro vorgesehen.

Tariflohn einhalten
Weiterhin gilt: Alle landwirtschaftlichen Arbeiter haben zumindest Anrecht auf den kollektivvertraglich vorgesehenen Tariflohn. Er darf auf keinen Fall unterschritten werden.
Die Tariflöhne für die Landwirtschaft in Südtirol werden vom Landeskollektivvertrag für landwirtschaftliche Arbeiter festgelegt und in einer Lohntabelle zusammengefasst. Der Lohn ist üblicherweise in brutto definiert. So ist der aktuelle Tariflohn für den Erntehelfer 7,16 Euro brutto. Die Höhe des Nettolohns (den der Arbeiter dann effektiv bekommt) hängt maßgeblich vom Jahresgesamteinkommen und von der persönlichen Situation des Arbeiters ab. Die Differenz aus brutto und netto sind die Sozialabgaben für die Rentenvorsorge und die Einkommenssteuer.

Falls bei Arbeitsverhältnissen bis zum ­1. Juli der Lohn in bar bezahlt wird, muss der Arbeiter den Erhalt der Summe unbedingt schriftlich bestätigen. Die Unterschrift auf dem Lohnstreifen bestätigt nur die Aushändigung des Lohnstreifens, nicht aber die Zahlung des Nettobetrages.