Bauernbund | 22.03.2018

„Müssen besser sein als die anderen“

Die Landwirtschaft im Eisacktal steht im Vergleich zu anderen Berggebieten gut da. Dennoch müssen sich die bäuerlichen Betriebe weiterentwickeln, denn die Herausforderungen nehmen zu, hieß es auf der Bezirksversammlung des Südtiroler Bauernbundes in Vahrn. von Michael Deltedesco

Bezirksobmann Konrad Obexer blickte auf das abgelaufene Landwirtschafts-Jahr zurück.

Bezirksobmann Konrad Obexer blickte auf das abgelaufene Landwirtschafts-Jahr zurück.

Um die vielen kleinstrukturierten bäuerlichen Betriebe und damit eine flächendeckende Bewirtschaftung im Bezirk zu sichern, sind verstärkte Anstrengungen nötig. Darauf wies Landesrat Arnold Schuler hin: „Wir müssen weiter an der Qualität unserer Produkte arbeiten. Wir können nicht bei Menge und Kosten mit anderen Mitbewerbern mithalten, sondern müssen uns durch eine besondere Qualität von den Konkurrenten abheben. Kurz: Wir müssen besser sein als andere Anbauregionen. Und dazu gehört, dass wir uns weiterentwickeln, denn die Mitbewerber holen auf.“

Pflanzenschutz: Einsatz reduzieren
Im Obstbau zum Beispiel soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter reduziert werden. „Ein Schwerpunkt der Forschung ist es, Alternativen zu den Pflanzenschutzmitteln im Obst- und Weinbau zu finden – in Form von natürlichen Gegenspielern oder resistenten Sorten“, betonte Schuler. Auf einem guten Weg sei die Milchwirtschaft. Besonders der hohe Verarbeitungsgrad in den Milchhöfen sichere den sehr guten Auszahlungspreis.
Ein Thema des Abends war erwartungsgemäß das Großraubwild. Landesrat Schuler unterstrich nochmals, dass es möglich sein müsse, Wölfe zu entnehmen. Das sei in anderen EU-Ländern durchaus üblich. Auch in der anschließenden Diskussion wurde der Wolf mehrmals angesprochen.  

Holz als Baustoff aufwerten
Große Anstrengungen sind in den letzten Jahren unternommen worden, um die Holznutzung zu stärken. „Für nicht wenige Bauern ist die Waldbewirtschaftung ein zusätzliches Einkommen. Wir haben einen Holztisch eingerichtet, wo sich die Beteiligten austauschen. Zudem wollen wir Anreize für Hausbauer schaffen, Holz als Baustoff zu verwenden. Und nicht zuletzt will das Land selbst verstärkt Holzhäuser bauen“, berichtete Schuler.
Auch die Kommunikation mit der Gesellschaft will Schuler stärken: „Wir müssen die Landwirtschaft besser erklären und zeigen, was unsere Bäuerinnen und Bauern leisten.“

Herausforderung neue EU-Agrarpolitik
Eine ganz große Herausforderung werden für den Landesrat die Verhandlungen über die neue gemeinsame EU-Agrarpolitik nach 2020.
Zentrale Themen in den Diskussionen sind für Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler die Junglandwirteförderung, die besondere Berücksichtigung des Berggebiets als benachteiligtes Gebiet, ein Angleich der derzeit sehr unterschiedlichen Betriebsprämien und die Absicherung des EU-Agrarbudgets. „Durch das Ausscheiden Großbritanniens wird es nicht einfach werden, das derzeitige Budget zu halten. Zudem gibt es derzeit eine sehr interessante Diskussion über eine Ernte- bzw. Einkommensversicherung für die Landwirtschaft“, betonte Tiefenthaler.

Wichtige Gesetze auf der Zielgeraden
Auf Landesebene sollen noch heuer das Landesraumordnungsgesetz, das Höfegesetz und das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft im Landtag behandelt werden, die allesamt für die Landwirtschaft von großer Bedeutung sind. Der Südtiroler Bauernbund werde sich weiter   sehr intensiv mit diesen Gesetzen beschäftigen.
Eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance sieht Tiefenthaler in der Digitalisierung. Er rief dazu auf, die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, zu nutzen.
Bezirksobmann Konrad Obexer ging in seiner Eröffnungsrede auf das abgelaufene Jahr ein. Dabei bedankte er sich bei Georg Mitterrutzner für die gute Zusammenarbeit. Mitterrutzner war bis vor kurzem Leiter des Forstinspektorats Brixen.
Die vier bäuerlichen Landtagskandidaten Maria Hochgruber Kuenzer, Sepp Noggler, Franz Locher und Joachim Reinalter, die bei der SBB-internen Basiswahl am meisten Stimmen erhalten haben, haben sich auf der Bezirksversammlung vorgestellt und ihre Schwerpunkte präsentiert.