Bauernbund | 27.03.2018

„Qualität ist unsere große Stärke“

Das Großraubwild, die zukünftige europäische Agrarpolitik und die Bürokratie sind einige der Themen, die die Bauern im Pustertal derzeit beschäftigen. Neben einem zuversichtlichen Ausblick gab es auf dem großen bäuerlichen Informationstag in Bruneck aber auch nachdenkliche Stimmen. von Michael Deltedesco

Die politsch Verantwortlichen und die Vertreter des Bauernbundes standen den Besuchern Rede und Antwort.

Die politsch Verantwortlichen und die Vertreter des Bauernbundes standen den Besuchern Rede und Antwort.

Die Berglandwirtschaft komme langsam an ihre Grenzen, warnte Bauernbund-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler: „Immer neue Vorschriften auf Produktionsseite und ein zunehmend mächtiger Handel machen das Arbeiten schwieriger. Was wir Bauern wollen, ist, einfach unsere Arbeit tun zu können.“ Die Berglandwirtschaft brauche Sicherheit, Lösungen für ihre Anliegen und Unterstützung. Sonst würden in den nächsten Jahren gar einige Betriebe die Bewirtschaftung aufgeben. Dennoch war Tschurtschenthaler optimistisch: „Unsere große Stärke ist die hohe Qualität unserer Produkte.“ Und dafür sei der Konsument bereit, auch mehr Geld auszugeben.  

Ländlichen Raum weiter stärken
Landeshauptmann Arno Kompatscher sicherte die weitere Unterstützung des ländlichen Raumes zu. „Es wird noch mehr Initiativen zur Stärkung des ländlichen Raumes geben, wie die Bereitstellung von Einrichtungen, eine Breitbandverbindung, die Kinderbetreuung, ein funktionierendes Wegenetz, Erschließungen und einiges mehr.“
Zudem sicherte Kompatscher seine Unterstützung in den Verhandlungen über die gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 zu. „Besonders für die ländliche Entwicklung sind die Mittel aus Brüssel von enormer Bedeutung.“ Auch der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann ging in einer Videobotschaft auf die Verhandlungen über die gemeinsame Agrarpolitik ein: „Ein Ziel muss ein, Einsparungen im Agrarbudget zu verhindern“, betonte er. In der 1. Säule, jener der Betriebsprämien, forderte Dorfmann eine Angleichung der Prämien zwischen allen Regionen. „Noch wichtiger ist aber die 2. Säule, jene der ländlichen Entwicklung. Diese muss weiterhin gut finanziert weitergeführt werden. Dazu braucht es Vereinfachungen“, forderte Dorfmann.

Operationelles Programm auch für Milchwirtschaft
Was die Milchwirtschaft betrifft, sprach sich Dorfmann für ein operationelles Programm, ein Förderprogramm für Genossenschaften, ähnlich der Obstwirtschaft aus. Zudem könnte es schon bald eine Versicherung gegen Trockenschäden geben, die auf dem Mutualitätsprinzip basiert. Was in Brüssel derzeit auch diskutiert wird, ist eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung entlang der Lebensmittelkette. „Beim Produzenten kommt zunehmend weniger Geld an. Der Übermacht des Handels muss hier entgegengewirkt werden.“ Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner stellte die Neuerungen 2018 vor, u. a. bei den Zusatzrentenfonds, der Rente und der elektronischen Rechnungslegung.
Für Landesrat Arnold Schuler muss der Kontakt mit den Konsumenten gestärkt werden. Dazu gehöre auch, glaubwürdig zu bleiben. Daher müsse die flächenbezogene Landwirtschaft noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Den Trend zur Nachhaltigkeit sieht Landesrat Arnold Schuler als Chance, da Südtirol hier bereits gut aufgestellt sei.
Die großen Herausforderungen der Politik sieht Schuler in der Forschung und den Förderungen der Betriebe. Zudem müsse Bürokratie abgebaut werden.

Abgeordnete und Kandidaten setzen Schwerpunkte
Die bäuerlichen Abgeordneten Maria Hochgruber Kuenzer und Sepp Noggler berichteten über das Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft und die Rente, die Landtagskandidaten Franz Locher und Joachim Reinalter sprachen über die Milchwirtschaft und das Großraubwild.
Einig waren sich alle Beteiligten, dass es Maßnahmen gegen das Großraubwild braucht. Für Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler ist das Ziel nach wie vor „ein wolfs- und bärenfreies Südtirol, auch wenn dies schwer zu erreichen sein wird. Was aber möglich sein muss, ist eine Entnahme von Wölfen. In anderen EU-Staaten ist dies kein Problem.“ Wenn sich die Wölfe ungehindert ausbreiten würden, wäre die funktionierende Almwirtschaft in Gefahr.