Innovation | 27.04.2018

Einblicke in Kärntner Fischzucht

Drei Kärntner Fischzuchtbetriebe waren Ziel einer Bauernbund-Lehrfahrt Ende März. Die Betriebsleiter teilten ihre langjährige Erfahrung und konnten den interessierten Teilnehmern hilfreiche Tipps für den Neueinstieg in die Fischzucht geben.

Sieglinde Prenter beim Filetieren einer Regenbogenforelle

Sieglinde Prenter beim Filetieren einer Regenbogenforelle

Am Vormittag stellte Betriebsleiter Andreas Hofer den Vollerwerbsbetrieb „Fischzucht Feld am See“ vor, welcher sich auf die Salmonidenproduktion spezialisiert hat und ausschließlich von Bachwasser gespeist wird: „Entnimmt man Wasser aus Fließgewässern muss man auf die richtige Qualität und Menge achten“, erklärte Hofer. Das Gewässer darf vor allem nicht anfällig für Trübfrachten nach Gewittern sein und muss ganzjährig eine konstante Wassermenge mit passender Temperatur liefern. Bei Bachwasseranlagen hat man auch häufig mit höherem Parasitendruck und Verpilzungen bei den Fischen zu kämpfen. Eine Besonderheit des Betriebs ist eine rein mechanische Filteranlage für das zufließende Bachwasser. Die Ablagerungen in den Becken konnten dadurch drastisch reduziert werden, und die Unabhängigkeit vom elektrischen Strom ist der große Vorteil dieses Systems. Hofer betont: „Eine gute Planung der Anlage ist das Um und Auf.“
Verarbeitet, veredelt und verkauft wird der gesamte Fisch direkt im eigenen Betrieb. Bei der Verarbeitung sind klare Hygienestandards vorgeschrieben. So ist eine zeitliche oder räumliche Trennung für die Verarbeitung von frischem und veredeltem Fisch einzuhalten. Abnehmer der Fischspezialitäten sind vorwiegend Privatkunden und die Gastronomie.
Neben dem Speisefisch werden im Jahr zusätzlich ca. 1,5 Mio. Setzlinge mit einem innovativen Brutsystem produziert, welches sich durch geringen Arbeitsaufwand und minimale Ausfälle auszeichnet. Ein weiteres Standbein hat sich Andreas Hofer durch einen Freizeitfischerteich aufgebaut, welcher vor allem von Familien gerne besucht wird.

Grundkapital Wasser
Die Fischzucht Natmeßnig nahe dem Ossiacher See wird seit 50 Jahren vom Forstwirt Marbod Natmeßnig im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Anlage besteht aus fünf Becken, welche von 40 Sekundenliter reinstem Quellwasser gespeist werden. „Eine ausreichende Wassermenge von guter Qualität stellt das Grundkapital in der Fischzucht dar“, erklärt Natmeßnig. Seine Quelle weist ganzjährig eine konstante Wassermenge und eine Temperatur von 8 °C auf, ist frei von Trübungen und somit bestens für die Haltung von Forellen und Saiblingen geeignet. Durch die kühle Wassertemperatur erreicht das Fleisch höchste Qualität und ist reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren.
Natmeßnig bemerkt, dass die Kundenanforderungen über die Jahre stetig gewachsen sind. Haben die Konsumenten früher noch vorwiegend Fische im Ganzen gekauft, wird heute filetierter und veredelter Fisch bevorzugt.

Biofischzucht als Aushängeschild
Abschließend stellte sich die Fischzucht Zedlegger am Fuße von Ulrichsberg vor, welche auf biologische und naturnahe Haltung von Saiblingen und Forellen setzt. Betriebsleiterin Sieglinde Prenter bewirtschaftet mit ihrer Familie zwölf Naturteiche, welche von einer 20-Sekundenliter-Quelle gespeist werden. „Höchste Qualität zu angemessenen Preisen“ lautet die Devise bei den Prenters. Bei einer Verkostung von hausgemachtem Saiblingstatar konnten sich die Teilnehmer selbst von der exzellenten Qualität überzeugen. Vermarktet wird alles ab Hof und auf Vorbestellung. Dadurch kann Zeit für die Vermarktung und Transport eingespart werden, welche den Arbeiten am Hof gewidmet werden kann. Passend zum Betriebskonzept wird auch Schule am Bauernhof angeboten.
Dank der fachlichen Begleitung von Markus Payr, dem Obmann vom Österreichischen Verband für Fischereiwirtschaft und Aquakultur, gab es auch während der Busfahrt zu den Betrieben genügend Möglichkeiten für Diskussion und Austausch zu verschiedenen Fragen der Fischzucht. Es wurde deutlich, dass die bäuerliche Fischzucht auch eine Nische für Südtirols Landwirtschaft darstellen kann.
Die eintägige Lehrfahrt wurde von der Bauernbund-Abteilung Innovation und Energie in Zusammenarbeit mit der Weiter­bildungs-genossenschaft im Rahmen des ­Förderprojektes „Bäuerliche Fischzucht“ organisiert.

Wer Interesse an regelmäßigen Neuigkeiten zum Thema oder einem Lokalaugenschein hat, kann sich gerne beim SBB-Innovationsschalter (Tel. 0471 999418, michael.eisendle@sbb.it) melden.