Produktion | 17.09.2018

Murmeltier-Jagd unter Auflagen

Bis 30. September dürfen Murmeltiere aus Schad- und Hauptverbreitungsgebieten entnommen werden. Allerdings unter ganz konkreten Auflagen und Bedingungen. Der „Südtiroler Landwirt“ fasst sie in seiner aktuellen Ausgabe zusammen. von Guido Steinegger

In Südtirol leben derzeit auf mehr als 50.000 Hektar über 55.000 Murmeltiere.

In Südtirol leben derzeit auf mehr als 50.000 Hektar über 55.000 Murmeltiere.

Seit 1. September und noch bis Ende des Monats dürfen Murmeltiere in Südtirol gejagt werden. Für die Entnahme gelten strenge Auflagen: Sie grenzen sowohl die für die Jagd zugelassenen Gebiete als auch die Höchstgrenzen ein. Zudem ist festgelegt, wer die Tiere erlegen darf bzw. wie der Abschuss zu belegen ist. Nach Unterzeichnung des entsprechenden Dekretes durch den Landeshauptmann hat das Landesamt für Jagd und Fischerei den direkt interessierten Organisationen das Dekret mit dem überarbeiteten Managementplan, eine Zusammenfassung der diesjährigen Abschusspläne und die Bejagungsvorschriften übermittelt. Insgesamt sind heuer 1939 Murmeltiere zum Abschuss freigegeben. Damit wird die nachhaltige jagdliche Entnahme von 2017 fortgeführt. Da die Schadmeldungen abgenommen haben, ist der Abschussplan für Schadgebiete gegenüber dem Vorjahr fast halbiert.

Unterschiedliche Abschusszeiten
Wie im Vorjahr gliedern sich die Abschusspläne in zwei Teile. Erstens die „Schadgebiete“: 751 Murmeltiere sind in diesen Gebieten seit 1. und bis 30. September zum Abschuss freigegeben. Der erlaubte Abschuss ist beschränkt auf einen Umkreis von höchstens 150 m (im Jahr 2018 gemeldet und von der Forstbehörde bestätigt). Die Örtlichkeiten sind im Abschussplan genau festgelegt und die betreffenden Reviere erhalten eine entsprechende Karte.
Zweitens die „Hauptverbreitungsgebiete“: Hier sind insgesamt 1188 Murmeltiere zum Abschuss freigegeben – davon mindestens 50 Prozent dies- bzw. einjährige und maximal 50 Prozent ältere Tiere; allerdings erst, sobald der Abschussplan für Schadgebiete erfüllt ist. Erlaubt ist dies frühestens seit dem 10. und ebenfalls bis zum 30. September.

Murmeltiere Grafik

Die Land stützt sich mit seinem Dekret auch auf ein positives Gutachten der Höheren Anstalt für Umweltschutz und Forschung ISPRA und hat nach deren Vorgaben aus dem Vorjahr das „Bejagungskonzept für das Murmeltier 2017–21“ überarbeitet. Dies ist wichtig, da das Konzept nur so rechtlichen Anfechtungen – z. B. durch Tierschutzorganisationen – standhalten kann. Die ISPRA hat insbesondere auf ein umfassendes Monitoring Wert gelegt. Mit der Überwachung und Kontrolle der Maßnahmen sind das Landesforstkorps und die hauptberuflichen Jagdaufseher beauftragt. Das Landesamt überprüft laufend den Erhaltungszustand der Murmeltierpopulationen.

Maximal fünf Prozent entnehmen
In Südtirol leben derzeit auf mehr als 50.000 Hektar über 55.000 Murmeltiere. Die Population ist gemäß der europäischen Habitatschutzrichtlinie in einem günstigen Erhaltungszustand. Daher – so argumentiert das Landesamt für Jagd und Fischerei – ist eine jagdliche Nutzung nachhaltig verträglich. Das Dekret des Landeshauptmanns gilt für weitere drei Jahre, wobei alljährlich ein Fachgutachten des ISPRA einzuholen ist. Im Zeitraum 2017 bis 2021 dürfen maximal fünf Prozent des Frühjahrsbestandes entnommen werden, davon höchstens 2,5 Prozent des landesweiten Murmeltierbestandes in gemeldeten Schadgebieten, und weitere maximal 2,5 Prozent in allen Populationen von mindestens 100 Individuen.
Auch im kommenden Jahr müssen Grundeigentümer Schäden wieder melden, um gezielte Abschüsse auf diesen Flächen zu ermöglichen - im Frühjahr wird der „Südtiroler Landwirt“ rechtzeitig darauf hinweisen.