Wirtschaft | 25.09.2018

Positives Geschäftsklima

Das Geschäftsklima in der Südtiroler Landwirtschaft bleibt positiv und fast alle Genossenschaften beurteilen die Auszahlungen an die Bauern als zufriedenstellend. Dies ergibt sich aus der Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO - Instituts für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Gute Preise, aber auch immer höhere Kosten: So lautet das aktuelle Stimmungsbild bei den Südtiroler Milchbauern.

Gute Preise, aber auch immer höhere Kosten: So lautet das aktuelle Stimmungsbild bei den Südtiroler Milchbauern.

Die landwirtschaftlichen Genossenschaften sind optimistisch: 95 Prozent bewerten die Auszahlungspreise zumindest als befriedigend, fast die Hälfte melden sogar gute Erzeugerpreise. Das Geschäftsklima bleibt daher positiv und die Investitionen, insbesondere in Gebäude und Maschinen, nehmen zu. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen der Landwirtschaft.

Obstbau: Marktpreise deutlich gestiegen
Das Geschäftsklima im Obstbau ist sehr positiv, trotz des aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen starken Produktionsrückgangs im vergangenen Jahr. Das knappe Angebot an Äpfeln in ganz Europa hat zum vorzeitigen Ende der Vermarktungssaison und zu einem deutlichen Anstieg der Marktpreise geführt. So hat sich beispielsweise der Großhandelspreis für die am meisten angebaute Sorte Golden Delicious gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Folglich konnten heuer alle Genossenschaften angemessene, in zwei Dritteln der Fälle sogar gute, Erzeugerpreise an die Obstbauern und -bäuerinnen auszahlen.
Für das Landwirtschaftsjahr 2018/2019 ergeben sich hingegen einige Bedenken aufgrund des starken Produktionswachstums in Europa, insbesondere in Polen. Dies wird voraussichtlich zu Preissenkungen führen. Die Südtiroler Obstgenossenschaften erwarten aber keine dramatischen Rückgänge. Darüber hinaus waren heuer die Wetterbedingungen in Südtirol günstiger als im Vorjahr, was eine wesentliche Steigerung der Apfelproduktion ermöglichen wird.

Milch: Mit Preisen steigen auch Kosten
Im Milchsektor ist das Geschäftsklima gut. Die Südtiroler Milchhöfe und Sennereien melden wachsende Marktpreise für ihre Produkte und das Geschäftsvolumen nimmt sowohl auf dem Südtiroler als auch auf dem italienischen Markt zu. Es steigen aber auch die Kosten, wie auch Joachim Reinalter, der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, betont: „Im Milchsektor herrscht eine positive Stimmung, auch wenn die Herausforderungen nicht fehlen. Am Markt herrscht eine starke Konkurrenz und Südtirol versucht sich durch seine Qualität von der Masse zu differenzieren. Aufgrund der Trockenheit in vielen Gebieten Europas werden die Kosten für die Futtermittel steigen, was sich auf die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion negativ auswirken wird.“ Die den Landwirten gezahlten Erzeugerpreise werden von 96 Prozent der Genossenschaften als (zumindest) befriedigend angesehen.

Weinbau: Teils bescheidene Produktion
Im Weinsektor sind die Bewertungen der Genossenschaften weniger einheitlich. Die meisten halten die Erzeugerpreise für „gut“, aber immerhin ein Fünftel der Kellereien halten sie für unbefriedigend und melden sinkende Umsätze. Dies ist hauptsächlich auf die erheblichen Ernteausfälle zurückzuführen, die im vergangenen Jahr in einigen Landesteilen zu einer bescheidenen Weinproduktion führten. Im Hinblick auf die Ernte 2018 gibt es jedoch Optimismus: dank der guten Wetterbedingungen wird heuer mit einer Produktion von rund 350.000 Hektolitern gerechnet.

Fazit: Wer auf Qualität setzt, gewinnt
Handelskammerpräsident Michl Ebner weist auf die Herausforderungen hin, vor denen die Südtiroler Landwirtschaft steht: „Der zunehmende Wettbewerb bedeutet, dass die Betriebe weiterhin stark auf Qualität setzen müssen, zum Beispiel auf den biologischen Landbau. In dieser Nische ist Südtirol eine der führenden Regionen Europas und es gibt noch gute Wachstumspotenziale.“ Auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler sieht jene Betriebe klar im Vorteil, die auf Qualität setzen: „Die Landwirtschaft darf aber nicht stehenbleiben, sondern muss sich permanent weiterentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“