Südtiroler Landwirt, Technische Beratung | 06.12.2018

Hilfe bei vielen Baufragen

Bauvorhaben bringen eine Vielzahl von Fragen für die bäuerliche Familie mit sich. Die Betriebsberatung/Technisches Büro des Südtiroler Bauernbundes bietet dazu ein umfangreiches Bauprojektmanagement in Form von Arbeits- und Unterarbeitspaketen. von Andrea Fischnaller und Hermann Stuppner, SBB-Betriebsberatung

Bis das neue Wirtschaftsgebäude steht, ist es ein langer Weg. Das Technische Büro der SBB-Betriebsberatung kann dabei eine große Hilfe sein.

Bis das neue Wirtschaftsgebäude steht, ist es ein langer Weg. Das Technische Büro der SBB-Betriebsberatung kann dabei eine große Hilfe sein.

Die vorhandenen baulichen Wirtschaftsstrukturen sind oftmals zu klein, lassen ein zeitgemäßes Arbeiten nicht mehr zu oder sind aufgrund des fortgeschrittenen Alters sanierungsbedürftig.
Soll die Landwirtschaft auch in der nächsten Generation fortbestehen, muss in vielen Fällen etwas unternommen und eine betriebsorientierte Lösung gefunden werden. Vor dieser Herausforderung steht eine Vielzahl vor allem klein strukturierter bäuerlicher Betriebe in unserem Land.
So erging es auch Franz aus Ulten. Der alte, niedere und dunkle Anbindestall entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Tierwohls. Sein Wunsch war es, dem Vieh eine erhöhte Lebensqualität in Form von mehr Bewegungsfreiheit, Licht und Luft zu gewähren. Um den traditionellen „Ultner Blockbau“ aufrechtzuerhalten, sollten Stall und Stadel saniert, zugleich jedoch ein moderner Laufstall geschaffen werden. Für ihn stellten sich vorab viele Fragen hinsichtlich des Bauvorhabens.
Ob, was, wie und wie groß sind dabei grundlegende Überlegungen, kosten die meisten Bauvorhaben doch viel Geld und nehmen Einfluss auf kommende Generationen. Auch das Technische Büro des Südtiroler Bauernbundes ist sich dessen bewusst und versucht, seinen Mitgliedern bei obgenannten Fragestellungen, der Planung selbst bis hin zum Bauabschluss beratend zur Seite zu stehen. Aus vier Arbeitspaketen können die Mitglieder bedarfsspezifische Dienstleistungen wählen.

Arbeitspaket eins: Beratung
Für jedes Bauvorhaben – unabhängig, ob Planungs- oder Bauphase bereits begonnen oder abgeschlossen – kann ein kostenloses Erstgespräch in den Bereichen Hoch- und Tiefbau in Anspruch genommen werden. Hierbei werden die Machbarkeit, die geltenden gesetzlichen Parameter (vor allem Urbanistik), die notwendigen Genehmigungsverfahren und die Fördermöglichkeiten unter die Lupe genommen.
Eine grobe Kostenschätzung sowie die Finanzierbarkeit werden ebenfalls mit einbezogen.
Im Hochbau betrifft dies vor allem Bauprojekte für Wirtschafts- und Almgebäude, Maschinen-, Verarbeitungs- und Lagerräume, Holzlager- und Düngerstätten sowie Bienenstände. Bodenverbesserungen, Wege- und Straßenbau sowie die Errichtung von Stützbauwerke werden im Tiefbau angeboten.

Unverbindliches Angebot
Besteht im Zuge des Erstgespräches Interesse, das Bauvorhaben über das Technische Büro des Südtiroler Bauernbundes abzuwickeln, wird ein unverbindliches schriftliches Angebot mit allen für das Bauvorhaben benötigten Dienstleistungen erstellt. Damit wird der potenzielle Bauherr über die technischen Spesen in Kenntnis gesetzt und kann anschließend frei entscheiden, ob und wer schlussendlich sein Bauvorhaben betreuen soll.
Auch Reinhard aus dem Sarntal wandte sich an das Technische Büro des Bauernbundes. Zusammen mit seinem Vertrauenstechniker hat er das Einreichprojekt für den ­Abbruch und Wiederaufbau seines Wirtschaftsgebäudes ausgearbeitet. Eine dritte Meinung war ihm dabei sehr wichtig. So wurde im Zuge einer Erstberatung der gesamte Plan mit den ­Mitarbeitern des Technischen Büros besprochen. Reinhard konnte einige wertvolle Tipps und Hilfestellungen gewinnen und im Projekt einarbeiten.

Arbeitspaket zwei: Planung
Wird es ernst und soll das Technische Büro mit der effektiven Planung beginnen, so arbeiten die Mitarbeiter bei größeren Bauvorhaben zunächst ein Vorprojekt mit einer gründlichen Bestands- und Bedarfserhebung, einen erster Planentwurf und eine projektbezogene Kostenschätzung aus. Handelt es sich um kleinere Bauvorhaben, starten sie direkt mit der Ausarbeitung des Einreichprojektes. Falls die Voraussetzungen bezüglich Grundverfügbarkeit nicht gegeben sind, müssen diese zunächst eingeräumt werden (z. B. Landschafts- und Bauleitplanänderungen). Parallel zur Projekterstellung kann auch ein Business- und Finanzierungsplan ausgearbeitet werden.
Nach einem ausführlichen Erstgespräch mit den Mitarbeitern des Technischen Büros entschloss sich Franz, das Projektierungsangebot anzunehmen und die weiteren Arbeitspakete in Anspruch zu nehmen. Aufbauend auf eine Bestands- und Bedarfserhebung wurde ein individuelles Einreichprojekt ausgearbeitet, welches Anforderungen an das Tierwohl, das Gebäudebild und die Arbeitsdurchführung kombinierte.

Ausreichend Zeit für Planung vorsehen
Für die Planung sollte der Bauherr ausreichend Zeit einplanen. Eine gute Planung läuft oft über ein Jahr, sodass Details mehrmals durchdacht, umgeändert und angepasst werden können. So ist es auch Franz ergangen, welcher die Planungsphase als wichtigsten Abschnitt des Bauvorhabens sieht. Er schaute sich vorab eine Vielzahl von neuen Laufställen an, nahm Kontakt mit Stalleinrichtungsfirmen auf und suchte nach der optimalen Lösung für seinen kleinen Betrieb. Er zeigte sich sehr erfreut über das ausgearbeitete Projekt, auch weil er aktiv in den Entscheidungsprozess eingebunden war und seine persönlichen Vorstellungen verwirklichen konnte.
Nachdem das definitive Einreichprojekt bei der Gemeindebaukommission eingereicht wurde und die Baukonzession vorliegt, kann man ein Beitragsansuchen für das Bauvorhaben stellen. Für Franz hat das Technische Büro dieses Unterarbeitspaket übernommen und dazu einen Kostenvoranschlag laut Richtpreisverzeichnis für Land- und Forstwirtschaft ausgearbeitet.
Für fast alle Bauvorhaben im Bereich Hochbau ist mittlerweile eine statische Meldung an das Amt für Stahlbetonbauten notwendig, und ein Sicherheitskoordinator muss ernannt werden. Diese Teilleistungen werden vom Technischen Büro des Bauernbundes nicht angeboten, auf Wunsch kann es diese jedoch extern vermitteln.

Arbeitspaket drei: Bauphase
Nach abgeschlossener Planungsphase können die effektiven Bauarbeiten beginnen. Dazu muss zunächst der Bauleiter mittels Baubeginnmeldung die Baustelle eröffnen.
Vor allem der Bauleiter hat in der Vergangenheit immer mehr an Wichtigkeit gewonnen: War es früher nicht viel mehr als eine Unterschrift auf dem Papier, spielen heute eine genaue Absteckung des Bauvorhabens, Besprechungen der Abweichungen gegenüber dem genehmigten Projekt vor deren Realisierung und die Kontrolle der jeweiligen Baufortschritte eine zunehmend wichtige Rolle.
Falls gewünscht, kann man mittels detaillierter Teilabrechnung um eine Teilauszahlung des Beitrags ansuchen. Das Technische Büro übernimmt für die geplanten Projekte auch meist die bauliche Verantwortung, so wie es auch bei Franz der Fall war.

Arbeitspaket vier: Bauabschluss
Sind die Bauarbeiten vor Ort abgeschlossen, ist der Bau auf dem Papier jedoch noch nicht beendet. Dies ist erst der Fall, sobald die zuständige Gemeinde die Benutzungsgenehmigung ausgestellt hat.
Voraussetzung dafür ist die Meldung des Bauendes und die Erklärung des Bauleiters, dass alles gemäß genehmigtem Projekt und eventuell folgenden Varianteprojekten realisiert worden ist. Zudem ist im Bereich Hochbau die Aktualisierung der Grundbuchs- und Katasterdaten erforderlich. Neben den vorzulegenden Erklärungen vonseiten des Bauleiters und der Aktualisierung der Katasterdaten kann die Gemeinde je nach Bauvorhaben eine Vielzahl an weiteren Erklärungen und Konformitätsbescheinigungen zur Ausstellung der Benutzungsgenehmigung einfordern. Liegen diese vor, dann stellt die Gemeinde die Benutzungsgenehmigung aus – und der Bauherr kann um die Endauszahlung ansuchen.

Bauherren mit dem Ergebnis zufrieden
Ein Bauvorhaben, unabhängig ob groß oder klein, bringt sehr viel bürokratischen Aufwand mit sich. Auch Franz ist zufrieden mit dem Endergebnis und den in Anspruch genommenen Dienstleistungen des Bauernbundes. Er konnte den Altbestand, welchen seine Ahnen respektvoll aufgebaut haben, erhalten und eine zukunftsorientierte Erweiterung seines kleinen Bergbauernhofes im Ultental erreichen. War er zunächst nicht vom Offenfront-Stall überzeugt, ist er mittlerweile froh, diese Bauart in seinem Stall umgesetzt zu haben. Seit dem Umbau seines Stalles hat er eine weitere Planierung und die Errichtung einer Holzlagerstätte zusammen mit dem Technischen Büro des Südtiroler Bauernbundes abgewickelt.

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