Bauernbund | 07.12.2018

"Einsatz hat sich gelohnt"

Sowohl verbandspolitisch als auch mit Produktion und Vermarktung können die Bauern im Pustertal mit dem heurigen Jahr zufrieden sein. Klar wurde auf der traditionellen Bezirks-Jahreshauptversammlung des Südtiroler Bauernbundes aber auch, dass die Herausforderungen zunehmen.

Seit der Bezirks-Jahreshauptversammlung gibt es einen Erbhof im Pustertal mehr: den Mutznhof in Toblach.

Seit der Bezirks-Jahreshauptversammlung gibt es einen Erbhof im Pustertal mehr: den Mutznhof in Toblach.

Ein neues Landesraumordnungsgesetz, die Überarbeitung des Höfegesetzes, das Großraubwild und die Landtagswahlen sind nur einige der Schwerpunkte, mit denen sich der   Südtiroler Bauernbund heuer beschäftigt hat. Mit dem Erreichten ist der Pustertaler Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler zufrieden. „Unser Ziel war und ist, die Interessen der Landwirtschaft zu vertreten und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass unsere kleinen, bäuerlichen Familienbetriebe möglichst gut hochwertige Lebensmittel produzieren und die Kulturlandschaft pflegen können.“ Die Landwirtschaft im Bezirk sei modern und zukunftsweisend, den Herausforderungen besonders an die Produktion wolle man offen begegnen. Das gelte besonders für das Tierwohl, das sowohl Produzenten als auch Konsumenten ein großes Anliegen ist. 
Kritik übte Tschurtschenthaler an den „ewigen Besserwissern, die meinen, den Bauern die Landwirtschaft erklären zu müssen. Wir sind durchaus offen für Kritik, nur sollte sie konstruktiv und realistisch sein. Ich lade gerne jeden ein, ein paar Tage auf einem Bergbauernhof mitzuarbeiten. Dann kann jeder sehen, was Bergbauern leisten.“ Mit den Konsumenten wollen die Pusterer Bauern jedenfalls noch stärker in Kontakt treten. An die Adresse des Tourismus richtete Tschurtschenthaler den Appell, noch mehr auf heimische Produkte zu setzen – bei den Milchprodukten genauso wie bei Kartoffeln und Gemüse.

Große Sturmschäden auch im Pustertal
Ein großes Thema auf der Jahreshauptversammlung in Bruneck waren die Sturmschäden. Im Pustertal sind über 1.500 Hektar Wald betroffen. „Etwa 300.000 m³ Holz liegen in den Wäldern am Boden. Um die Bauern zu unterstützen, werden wir die Regeln für den Holztransport und die Suche nach Nasslagerplätze vereinfachen“, versprach Landesrat Arnold Schuler. Auch werde versucht, die Verladung von Holz am Bahnhof in Bozen zu ermöglichen. Um den betroffenen Waldbesitzern zusätzlich unter die Arme zu greifen, seien bereits Fördermittel reserviert worden. Zudem sind spezielle Maßnahmen für die Aufforstung in Ausarbeitung. Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler appellierte an die Verantwortlichen der Fernheiz- und Sägewerke, die außergewöhnliche Situation nicht auszunutzen und verlässliche Partner der Waldeigentümer zu bleiben. Die Waldbesitzer rief er auf, bei der Waldarbeit vorsichtig zu sein und sie gegebenenfalls ausgebildeten Dienstleistern zu überlassen. Ein tragisches Schicksal wie jenes von Giovanni Costa, SBB-Ortsobmann von St. Martin i. Thurn, der bei den Unwettern das Leben verloren hat, dürfe sich nicht wiederholen. An Costa wurde in einer Schweigeminute gedacht.

Neuer Erbhof: Mutznhof in Toblach
Feierlicher Höhepunkt der Bezirk-Jahreshauptversammlung war die Überreichung der Erbhofurkunde an die Familie Johannes und Martina Kugler vom Mutznhof in Toblach. Aus einem kleinen Hof hat die Familie in den letzten 2 Jahrhunderten einen vorbildlichen Hof gemacht, zu dem 18 ha Wiesen und 35 Rinder gehören. Er ist Heimat für drei Generationen. Für Landesrat Arnold Schuler stehe die Familie Kugler für etwas, was Südtirols Landwirtschaft besonders auszeichnet: Familien, die mit großer Leidenschaft Bauernhöfe bewirtschaften. Deshalb haben laut Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut bäuerliche Familienbetriebe auch zukünftig eine große Bedeutung: Konsumenten wollen eine Landwirtschaft, die von kleinen Familienbetrieben geprägt ist. Eine solche Landwirtschaft entspricht ihren Wertevorstellungen nämlich am besten.

Ehrung für Hans Berger
Viele Jahre war Hans Berger politisch tätig. Als ehemaliger Regionalrat, Landesrat und Senator hat er sich stets für die heimische Landwirtschaft eingesetzt. „Mit seinem Hausverstand, seinem Ehrgeiz und Fachwissen sowie seinem Durchsetzungsvermögen war Hans Berger immer ein verlässlicher Ansprechpartner“, lobte Anton Tschurtschenthaler. Dafür wurde Berger auf der Jahreshauptversammlung gedankt.
In den Ruhestand verabschiedet wurde hingegen Sebastian Messner. Er war über 30 Jahre lang im SBB-Patronat Enapa beschäftigt und hat seit 2004 das Patronat in Bruneck sehr gewissenhaft geführt. 
Auf einige der Schwerpunkte des letzten Jahres ging Bezirksleiter Walter Hintner ein. Ein Thema waren die Pachtverträge, Hofübergaben und Erbschaften. Er rief die Anwesenden dazu auf, schriftliche Pachtverträge abzuschließen, wenn landwirtschaftliche Flächen von Dritten bearbeitet werden. Nur sie würden für Rechtssicherheit sorgen. Auch Hofübergaben und Erbschaften sollten gut geplant sein, damit Unsicherheiten oder Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Einen Rückblick über das abgelaufene Jahr auf Landesebene gab Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.