Wirtschaft | 18.12.2018

Positives Gesamtbild

Das Geschäftsklima bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften bleibt allgemein positiv. Dies ergibt sich aus der Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Instituts für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Dank guter Absatzzahlen konnten die Weinbauern die Mehrkosten in der Produktion abfedern.

Dank guter Absatzzahlen konnten die Weinbauern die Mehrkosten in der Produktion abfedern.

Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Südtirol betrachten 2018 als ein positives Jahr: Fast alle konnten den Bauern und Bäuerinnen zufriedenstellende Erzeugerpreise auszahlen, knapp die Hälfte meldet sogar gute Preise. Auch die Erwartungen für 2019 deuten auf ein positives Gesamtbild hin, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den verschiedenen Landwirtschaftszweigen.

Obst: Rückblick gut, Ausblick auch
Im Obstsektor herrscht die größte Zufriedenheit in Bezug auf das laufende Jahr. Die Preise, die den Landwirten gezahlt wurden, waren für alle Genossenschaften zumindest befriedigend, in zwei Drittel der Fälle sogar gut. Die Vermarktungssaison stellte 2017/2018 eine Besonderheit dar, da sie durch ein knappes Angebot gekennzeichnet war. Die heurige Ernte profitierte von günstigeren Klimabedingungen und war ertragreicher. Dies gilt für Südtirol, aber auch fürs übrige Europa und insbesondere für Polen. Diese erhöhte Produktion wirkt sich zwar negativ auf die Preise aus, 85 Prozent der Genossenschaften sind aber zuversichtlich, dass sie auch 2019 zufriedenstellende Erzeugerpreise bieten können.

Milch: Zuversicht trotz Mehrkosten
Auch im Milchsektor ist das Geschäftsklima positiv. Die im Jahr 2018 an die Bauern und Bäuerinnen gezahlten Preise werden von allen Sennereien zumindest als befriedigend und in fast einem Viertel der Fälle sogar als gut eingestuft. Der Umsatz stieg in diesem Jahr auf allen Absatzmärkten (insbesondere außerhalb Südtirols) weiter an und über 90 Prozent der Milchgenossenschaften verzeichneten ein Wachstum des Geschäftsvolumens. Auch die Investitionen sind gestiegen, insbesondere in Maschinen und Gebäuden. Allerdings gab es eine deutliche Zunahme der Produktionskosten, die durch den Anstieg der Verkaufspreise nicht vollständig kompensiert werden konnte. Die höheren Energiepreise und die Dürre, die in diesem Sommer europaweit eine Futterknappheit verursachte, wirkten sich negativ auf die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit aus. Für 2019 äußern sich die Sennereien zuversichtlich.

Wein: Deutliches Umsatzplus
In der Weinwirtschaft ist das Bild unterschiedlicher. Heuer bewerten fast 60 Prozent der Kellereien die den Winzer ausgezahlten Preise als sehr positiv und weitere 25 Prozent halten sie immerhin für befriedigend. Sowohl auf dem lokalen Südtiroler Markt als auch bei den Exporten wurden deutliche Umsatzsteigerungen erzielt und der Anstieg der Verkaufspreise konnte die zunehmenden Produktionskosten ausgleichen. Dennoch melden 16 Prozent der Genossenschaften schlechte Auszahlungen, zum Teil auch aufgrund der Ernteausfälle des Jahres 2017. Die Ernte 2018 war hingegen sehr gut, so dass alle Kellereien zuversichtlich auf das kommende Jahr blicken.

Qualität allein reicht nicht aus
Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, erinnert an die wichtige Rolle der Genossenschaften bei der Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte aus Südtirol: „Qualitativ hochwertige Produkte alleine reichen nicht aus. Die Genossenschaften verfügen über die notwendigen Fähigkeiten, um die besten Verkaufsbedingungen zum Wohle der Bauern und Bäuerinnen auf dem Markt zu erzielen.“
Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes und der Kellerei Tramin hofft darauf, „dass sich die positiven Prognosen erfüllen“. Qualitativ hochwertige Produkte und die professionelle Arbeit der Genossenschaften seien das Erfolgsmodell der heimischen Landwirtschaft. „Dieses Zusammenspiel müssen wir weiter stärken“, erklärt Tiefenthaler.  
Laut Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol, war „das Jahr 2018 am Markt zufriedenstellend“. Regen bei der Heuernte und darauffolgende Trockenheit sorgten für weniger Futter mit einer schlechteren Qualität, was sich vor allem auf die Milchleistung auswirkt. Die Märkte werden volatiler. „Der traditionelle Handel schreibt Verluste, der Anteil an Discountern steigt. Dies erschwert den Verkauf und belastet die Wertschöpfung“, betont Reinalter.